Bewertung und Kritik zu

EINE FRAU - MARY PAGE MARLOWE
von Tracy Letts
Regie: David Bösch 
Premiere: 9. November 2017 
Berliner Ensemble

Zum Inhalt: Wenn Sie jemandem Ihr Leben erzählen wollten, welche Momente würden Sie aussuchen? Und in welcher Reihenfolge würden Sie sie erzählen? In elf Szenen, die raffiniert in der Zeit vor und zurückspringen, entfaltet der amerikanische Gegenwartsdramatiker und Pulitzerpreisträger Tracy Letts das in seiner Schlichtheit zutiefst bewegte sowie besondere Leben einer Frau von ihrer Kindheit bis zum Alter von 69 Jahren. Verschiedene Schauspielerinnen verkörpern die Hauptfigur in unterschiedlichen Schlüsselsituationen, zeichnen von Hoffnung getragene Momente, schonungslose Schicksalsschläge, Augenblicke der Erfüllung und des Zweifels. Sie entwerfen ein reichhaltiges Leben, das sich lückenhaft wie das Fotoalbum einer liebgewonnenen Bekannten vor den Betrachtenden aufblättert. Manches erscheint vertraut, anderes fremd, vieles zufällig, einiges schicksalshaft. Was wissen wir über nahestehende Menschen wirklich? Wann gilt ein Leben als gelungen?

Mit Bettina Hoppe, Corinna Kirchhoff, Annika Meier, Sascha Nathan, Martin Rentzsch, Carina Zichner

Regie: David Bösch
Bühne: Patrick Bannwart
Kostüme: Meentje Nielsen
Musik: Karsten Riedel
Dramaturgie: Sibylle Baschung


 
Meinung der Presse zu „Eine Frau - Mary Page Marlowe“ - Berliner Ensemble

 


tip
★★★★☆

Bewertung und Theaterkritik Schreibe eine Kritik
3.3/5 Insgesamt 3 Bewertungen (2 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Eine Frau - Mary Page Marlowe
  · 13.11.17
''Treffsicher ausgewählt sind die Schauspieler, voller Trotz und starken Überlebenswillens Marys Tochter Wendy (Louisa-Céline Gaffron). Mary, vier Frauen spielen ihre Facetten, ist bewusst brüchig angelegt. Wilhelmina Mischorr zeichnet eine introvertierte 12-jährige Mary, die sich mit Carina Zichner von einem sehr selbstbewussten Teeny zu einer emotionslosen Verführerin entwickelt. Carina Zichner verwandelt Mary sehr überzeugend in eine junge Frau, die ihre emotionale Kälte mit Sex und Alkohol vergeblich betäubt. Bettina Hoppe übernimmt den herben Part der 40 und 50er Jahre, die erste Trennung, den Absturz in den Alkoholismus zunächst mit der Attitude eines Filmsternchen und dann völlig aus der Bahn geworfen als Unfallopfer. Im Alter wird Mary durch Corinna Kirchhoff plötzlich wieder eine aparte ältere Dame, der man die Alkoholikerkarriere so gar nicht ansieht. Ein Märchenschluss oder besser der ewige amerikanische Traum vom besseren Leben.'' Michaela Schabel am 13. November 2017 auf KULTURA-EXTRA
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Verkorkstes Leben mit Glücksmomenten
  · 09.11.17
Natürlich gibt es auch die kurzen Glücksmomente und die verpassten Chancen. Was wäre wohl aus Mary Page Marlowe geworden, wenn sie den Heiratsantrag des Kapitäns der High School-Football-Mannschaft angenommen hätte? Oder wenn sie ihren Andy (Martin Rentzsch) früher kennengelernt hätte? Mit ihm erlebt sie nach dem Verbüßen ihrer Haftstrafe in einer völlig heruntergekommenen Wohnung Intimität und auch ein kleines Glück. Auf diese dritte Ehe blickt sie gerne zurück, als sie kurz nach Andys Tod selbst schwerkrank im Bett liegt.
„What a wonderful life?“ Nein, „ein relativ normal verkorkstes Leben“, wie es Dramaturgin Sibylle Baschung in einem Programmheft-Interview so schön zusammenfasst.
Wurde daraus „a wonderful theatre play?“ Auch das nicht. Aber doch immerhin ein solider Theaterabend, bei dem ein „well-made play“ sehr routiniert abschnurrt, der bei Regisseur David Bösch auch zu einem Streifzug durch die Pop-Geschichte wird. Zu einem großen Theaterabend fehlte es den Figuren an Tiefe. Zu oft hatte man auch das Gefühl, all das so ähnlich schon unzählige Male gesehen zu haben.
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3.0
Durchschnittsnote aller Stücke
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Kritiken: 79