1911_KDL_HAM_300x250

 



Berliner Ensemble
www.berliner-ensemble.de
Bertolt-Brecht-Platz 1 - 10117 Berlin
Telefon: 030 284080
SPIELPLAN & KARTEN

Antigone

von Sophokles in der Übertragung von Friedrich Hölderlin

Regie: Johan Simons

Premiere: 15. Januar 2026 Berliner Ensemble, Großes Haus

Zum Stück: 

"Ungeheuer ist viel. Doch nichts ungeheuerer als der Mensch."

Eine Stadt im Ausnahmezustand. Eteokles und Polyneikes, die Söhne des Ödipus, sollten sich nach dessen Sturz die Herrschaft über Theben teilen. Doch als Eteokles die Macht behalten wollte, zog Polyneikes gegen ihn in den Krieg – ein Bruderkrieg, in welchem sie sich gegenseitig töteten. Nun liegt die Stadt in Trümmern und der neue Herrscher Kreon muss das Chaos ordnen. Um der Unterscheidung nachhaltig Geltung zu verschaffen, die dem politischen Gemeinwesen zu Grunde liegt – der Unterscheidung zwischen denen, die es bewahren, und denen, die es zerstören wollen – erlässt er ein Bestattungsverbot gegen denjenigen Bruder, der die Stadt angriff. Eine Unterscheidung, die Antigone nichts zählt, weil ihr die beiden Brüder gleichviel zählen. Sie begräbt Polyneikes gegen Kreons Gesetz, den eigenen Tod in Kauf nehmend. Sowohl Kreon als auch Antigone berufen sich auf das Recht und seine Legitimierung durch eine höhere Autorität: die Götter. Doch wer oder was bestimmt, was Recht ist, wenn das Recht selbst, das Konflikte und Widersprüche lösen soll, sich widerspricht?

Sophokles' antike Tragödie ist nicht nur eine Tragödie des Rechts, sondern auch die einer Familie und des Menschen schlechthin. Sie handelt von Verantwortung und Ohnmacht, von Selbstgerechtigkeit und der Frage, warum wir nicht ohne einander, aber offensichtlich auch oft nicht miteinander leben können. Regisseur Johan Simons ist dem Berliner Publikum bereits durch seine regelmäßigen Einladungen zum Theatertreffen bekannt. Nun arbeitet er erstmals am Berliner Ensemble und inszeniert "Antigone" entsprechend der sophokleischen Inszenierungspraxis mit nur drei Schauspieler:innen.

Bühne: Johannes Schütz; Kostüm: Kevin Pieterse; Musik: Tristan Wulff; Licht: Steffen Heinke; Dramaturgie: Sibylle Baschung

Mit: Constanze Becker, Jens Harzer, Kathleen Morgeneyer

2 Bewertungen

2.5 von 5 Sterne
  • 5 Stern(e)
    0
  • 4 Stern(e)
    0
  • 3 Stern(e)
    1
  • 2 Stern(e)
    1
  • 1 Stern(e)
    0
Papierene Versuchsanordnung für drei Traumatisierte
1 Tag her.
Kritik

''Eine Spielwiese für zwei Schauspielerinnen und einen Schauspieler, die schon beim Einlass auf der Bühne zugegen sind und den hängenden Kastentunnel vorsichtig umkreisen. Gespielt wird Antigone von Sophokles in der schwer verständlichen Übertragung von Friedrich Hölderlin. Die Dramaturgin Sibylle Baschung hat gekürzt und verdichtet. Herausgekommen ist ein Stücktext, der den bekannten Plot und die Grundproblematik der Tragödie halbwegs gut rüberbringt, sich im Spiel aber dennoch weit von üblichen Interpretationen entfernt. Das sorgt für Irritationen nicht nur was die Rollenzuordnung betrifft. Jens Harzer und Constanze Becker ringen hier mit sich und der Rolle des Königs Kreon, die Harzer mit dem weißen Sakko, das ihm Kathleen Morgeneyer überstreift, wieder ablegt. Sie übernimmt die Rolle des Chorführers und Chors und fängt das Licht der Sonne mit Hölderlins Worten und der Lichtregie ein.

Wie Kinder im Spiel sich und ihre Rollen ausprobieren, so tasten sich die drei hier an die Figuren der Tragödie heran. Aus Jens Harzer wird schließlich Antigone im Rock, und Constanze Becker übernimmt die Rolle der Autorität des gebietenden und strafenden Königs von Theben, der nach dem Erbfolgekrieg der beiden Ödipus-Söhne und ihres Tods im Zweikampf sich nun selbst die Krone aufsetzt. Auch die ist hier aus Papier, so fragil wie das Bühnenbild, das noch öfter durchschlagen und herab gerissenen wird. Das Gebot Kreons, den einen Bruder, Eteokles, als Held zu ehren und den anderen, Polyneikes, als Verräter der Stadt nicht zu beerdigen, wird von der Schwester Antigone mit Berufung auf das Gesetz der Götter nicht befolgt, auch nicht nach Androhung des Todes. Der klassische Konflikt zwischen autoritärer Macht und bedingungsloser Auflehnung dagegen wird hier zum existentialistischen Tänzchen um ein papierenes, hohles Konstrukt, in dem viel symbolische Deutung steckt, die sich nicht zwingend über das Wort erklärt, aber mit den drei Schauspielenden mimisch und gestisch um Verdeutlichung ringt.

Man könnte auch sagen: Ich stehe hier und kann nicht anders. Zwei scheinbar unvereinbare Ansichten oder Meinungen, die hier aufeinanderprallen und nicht verhandelbar sind. Das hat eine gewissen Aktualität, auch wenn hier nichts auf heutige Konflikte hinweist.'' schreibt Stefan Bock am 27. Januar 2026 auf KULTURA-EXTRA

Show more
0 von 0 Person(en) gefiel diese Kritik
Karge Kunstanstrengung
12 Tage her.
Kritik

Auf drei Spieler*innen hat Simons die „Antigone“ aufgeteilt und die Rollen wieder einmal cross-gender besetzt. Die Titelrolle übernimmt der bereits erwähnte Harzer, den Gegenspieler Kreon mimt Constanze Becker, Kathleen Morgeneyer übernimmt weitere Rollen wie Ismene und Teiresias. 

In einer unwirtlich-gähnenden Leere finden sich die drei wieder, auf konzentrischen Kreisen hat Schütz einige Hinterlassenschaften der verfluchten Atriden-Dynastie angeordnet. Dazwischen tobt das Trio anfangs wie Kinder, sie spielen fangen, Beckers Kreon zieht sich eine Pappkrone über. Im Programmheft-Interview erklärt Simons dazu, dass er den „Antigone“-Stoff als das Drama traumatisierter Kinder liest.

Anders als bei seinem Bochumer „Macbeth“, seiner jüngsten Theatertreffen-Einladung von 2024, tauscht das Trio die Rollen nicht durch und springt nicht abrupt zwischen den Szenen. Die konzentrierten zwei Stunden folgen weitgehend der antiken Tragödie von Sophokles, allerdings in der schwer zugänglichen Übersetzung von Friedrich Hölderlin, in die man sich einhören muss.

Weiterlesen

Show more
0 von 0 Person(en) gefiel diese Kritik

PDF-Datei: 29,95 € 23,95 €


Weitere Formate auf Amazon & Play:
Taschenbuch / Kindle: 39,95 €
Google eBook: 29,95 €


UNSERE BÜCHER ALS PDF-DATEI


AUSWAHL


 


AUF DER BÜHNE © 2026