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    Die Schmutzigen Hände

    Bewertung und Kritik zu

    DIE SCHMUTZIGEN HÄNDE
    von Jean-Paul Sartre
    Regie: Mateja Koležnik
    Premiere: 26. Januar 2024
    Berliner Ensemble

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    Zum Inhalt: Sartres Stück beleuchtet den Konflikt zwischen Idealismus und Realpolitik. Der Anführer einer revolutionären Partei "Illyriens", Hoederer, plant eine Allianz mit dem Feind. Er will weiteres Blutvergießen vermeiden – und zugleich die eigene Beteiligung an der Macht nach dem Krieg sichern.

    Hugo wird von der Partei beauftragt, Hoederer zu stoppen. Er soll ihn töten, hadert aber damit. Als er ihn schließlich doch tötet, tut er es nicht aus Überzeugung, sondern aus Eifersucht. Ist seine Tat noch eine politische Tat? Aus welcher Überzeugung hat er sie begangen – und macht das einen Unterschied?

    Die kondensierten Inszenierungen der slowenische Regisseurin Mateja Koležnik wirken oft wie ein Brennglas – und zeigen so gesellschaftliche Konflikte, die aus der Perspektive jeder Figur plausibel werden.

    1.5 von 5 Sterne
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    Die schmutzigen Hände im BE - Rezension
    4 Monate her.
    Kritik

    Grau in grau, kaltes Bühnenbild, kalte Menschen, alles aus Stahl. Um stählerne Wände herum, die über Eck stehen, spielt ein Stück, in dem festgefrorene Menschengesichter, als gehetzte Roboter herumzurennen scheinen. Der Eindruck, den der Zuschauer von Sartres Stück bekommt ist finster. Das sollte wohl so sein, denn er wollte zeigen, was es mit Menschen macht, denen man in einer Diktatur Mordaufträge gibt, und die sich aus Geltungsbedürfnis darauf einlassen. Eine Komplizierte Handlung: Eine Widerstandsgruppe bekämpft sich in miteinander widerstreitenden Grüppchen, und von einer der Widersachergruppen wird ein Bürgerlicher beauftragt, den Chef der Widerstands-Organisation, der sich auf Verhandlungen einlassen will, durch ein Attentat zu beseitigen. Dieser lässt sich darauf ein, einerseits weil er sich durch eine "Probe" Geltung in der Gruppe verschaffen will, anderersets weil er einer Frau, Olga, auch in dieser Gruppe, imponieren will. Er soll sich dem Opfer als Mitarbeiter andienen, sich so in sein Vertrazuen einschmeicheln und ihn dann erschießen. Seine Frau (ein unpolitisches Modepüppchen) will ihn dabei unterstützen, schreckt aber vor der Tat selbst zurück. Der Attentäter kommt in eine Dilemma, weil er sich mit seinem Chef anfreundet, und er zögert, die befohlene Tat auszuführen. Er wird unter Druck gesetzt, das Dilemma steigert sich, und kann ihn erst dann erschießen, als er seinen Chef mit seiner Frau beim Küssen erwischt, Motiv Eifersucht. Im nächsten Bild kommt er aus dem Knast heraus, es ist Jahre später und er erfährt, dass seine Tat von den damaligen Auftraggebern inzwischen selbst als falsch analysiert wird, und er deshalb selbst beseitigt werden soll. Es gibt keine Anerkennung, keine Entschuldigung, keine Begrüßung als er kommt, nichts. Stattdessen fragt er Olga nach den vergifteten Pralinen, die sie ihm in den Knast geschickt hat. Moral: Die Hände werden schmutzig, wenn man tötet, wenn man Attentatsaufträge wie Flugblattverteilung vergibt. Man kann nicht moralisch rein bleiben, wenn man tötet. Und: Erwischen tut es meist die Ausführenden, nicht die Auftraggeber.

    Das Sartrestück ist großartig und ein unmittelbarer Nachklang aus dem Faschismus und dem Widerstand gegen ihn in Frankreich, an dem Sartre und seine Freunde aktiv beteiligt waren.

    Die Aufführung hat mir aber nicht gefallen: Die Figuren sind keine Menschen aus Fleisch und Blut, sie bleiben Statisten, sie übertreiben die Kälte, das Stählerne an ihnen, sie haben keinerlei Emotionen. Sie sind zu einseitig angelegt, in Ausstattung, Mimik und Gestik. Daher erreicht auch das Stück keinerlei Tiefenwirkung. Abscheu erfüllt einen und Überdruss und obgleich der Text schnell vorgetragen, das Stück hektisch gespielt wird, scheint es auf der Stelle zu treten und langweilt. Schade!

    Anja Röhl
    https://anjaroehl.de/

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    1 von 1 Person(en) gefiel diese Kritik
    Unentschlossen auf Halbdistanz
    5 Monate her.
    Kritik

    Die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik hat wieder tief in die zweite oder dritte Reihe im Regal des Kanons gegriffen und ein Stück hervorgeholt, in dem sich Politisches und Privates kammerspielartig verknäueln. Wie schon in ihrer Bochumer Inszenierung von Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“, die 2023 zum Theatertreffen eingeladen war, lässt Koležnik die Figuren in einer Halbdistanz.

    Überraschend an dem Abend ist die Ästhetik: statt ihrem Stamm-Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt, der auch in Bochum den verwinkelten Flur anlegte, in dem die Gorki-Figuren auf engstem Raum ihre Seelennöte besprachen, setzt sie diesmal auf zwei Weggefährten Michael Thalheimers, deren Handschrift dem Berliner Publikum bestens vertraut ist: Olaf Altmann hat einen seiner wuchtig-kantigen Räume auf die Bühne gestellt, der mit lautem Knall im ersten und letzten Bild herunterknallt und Zichners Hugo fast zu erschlagen droht. Bert Wredes unverkennbar wummernder Sound droht das Geschehen auf der Bühne ebenfalls zu erdrücken.

    Es wird nicht klar, was Koležnik an dem von Eva Groepler neu übersetzten Sartre-Stück interessiert: unentschlossen bleibt der knapp 90minütige Abend zwischen historischem Ideendrama und privatem Eifersuchtsmelodram. Matt schleppt sich der Abend dahin, begleitet von der wummernden und erdrückenden Sound- und Bühnenbildkulisse.

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