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Bewertung und Kritik zu

OTHELLO
von William Shakespeare
Regie: Michael Thalheimer
Premiere: 13. April 2019 
Berliner Ensemble 

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Zum Inhalt: Der schwarze General Othello wird von den weißen Venezianern bewundert, solange er für sie siegt. Als er die reiche Desdemona heiratet, scheint sein Glück perfekt. Aber sein Fähnrich Jago sieht die Lücke, die der Teufel ließ. Er steigert die Sorge des Generals, dass er nur geduldet und nicht geliebt wird, ins Maßlose. Gegen die Wunden des alltäglichen Rassismus kann Desdemonas Liebe nichts ausrichten. Das Monster der Eifersucht erwacht und reißt alle in den Tod. Shakespeares Tragödie über den Fremden, der gebraucht und zugleich verachtet wird, trifft ins Herz aller Debatten über Diskriminierung. Solange die Stigmatisierung in den Strukturen reproduziert wird, sind die Verletzungen zu groß, als dass ein einzelner guter Mensch sie heilen könnte.

Regie: Michael Thalheimer

Bühne: Olaf Altmann
Kostüm: Nehle Balkhausen
Musik: Bert Wrede
Musiker: Ludwig Wandinger
Choreinstudierung: Marcus Crome
Dramaturgie: Bernd Stegemann

 
Meinung der Presse zu „Othello“ - Berliner Ensemble


FAZ
★★★★☆

Berliner Zeitung
★☆☆☆☆


Tagesspiegel
★★☆☆☆

Die Welt
★★☆☆☆

tip
★★★★☆


WIR EMPFEHLEN

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Verlorene Liebesmüh
  · 28.04.19
''Ingo Hülsmann gehört zu den Thalheimer-Schauspielern der ersten Stunde. Nach seinem stoischen Wallenstein an der Schaubühne ist er mit dem Othello mal wieder in einer Titelrolle zu sehen. Er schwitzt dabei reinstes Testosteron. Etwas, worum die anderen, unteren Chargen wie Fähnrich Jago (Peter Moltzen) und Leutnant Cassio (Nico Holonics) den schwarzen bzw. roten General wohl heimlich beneiden und wie Jago auch mal ganz öffentlich als „schwarzen Bock“ verachten. Einen tumben Rodrigo braucht der verschlagene Intrigant hier nicht. Er weiß das Volk hinter sich, das Thalheimer als Chor mit grauen Kitteln und Tüten überm Kopf wie den Ku-Klux-Klan auftreten lässt. 

Das ist dann schon alles an Aktualisierung, auch wenn das so wie eine antike Schicksalstragödie wirkt, an deren Ende Othello wie göttlich vorbestimmt seiner Eifersucht erliegt und Desdemona erwürgt. Thalheimer lässt das hier in 110 Minuten runterspielen inklusive der bekannten Taschentuchintrige, der Desdemona zum Opfer fällt. Als ihre Geschlechts- und Leidensgenossin darf hier Kathrin Wehlisch als berlinernde Emilia der toxischen Männlichkeit um sie herum etwas entgegensetzen, ansonsten ist das weibliche Personal nicht besonders gefordert. Aber auch Jago und Cassio zappeln hier nur immer wieder im Schlagzeugbeat, bis auch der dem Eifersuchtswahn verfallene Othello zuckend und stammelnd am Boden liegt und von Jago triumphierend bespuckt wird. Der männliche Speichelfluss ist an diesem Abend besonders produktiv. „Männer sind nun mal keine Götter“, weiß da Desdemona. Dass ihnen am Ende der eigene Ruf mehr wert ist als die Liebe einer Frau, die sie doch nur für eine Hure halten, erkennt sie zu spät. Das Ende ist wieder reinstes Brüllpathos.'' schreibt Stefan Bock am 26. April 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Kraftmeiernde Farbschleuderei
  · 15.04.19
''Über Rassismus und Eifersucht kann und will der Abend nichts Neues erzählen. Thalheimer interessiert sich nicht für aktuelle Debatten oder Aktivisten-Theater. Ihm geht es um all das Untergründige im Menschen, das man mit Vernunft weder begreifen noch bekämpfen kann – wie die Eifersucht. Der triebhafte Mensch steht hier im Zentrum, all das, was wir in unserer cleanen Welt verachten. Wir sehen kein psychologisch plausibles Theater, hier geht es nicht um Einfühlung – hier kämpfen widerstreitende Systeme gegeneinander.

Diese Sicht auf die Welt, diese Art des Theaters hat durchaus seine Berechtigung. Doch in Thalheimers Reduktion ist der Abend, bei aller großen Schauspielkunst, weder erschütternd noch erkenntnisreich. Der virile Mann, der die Frau besitzen will, die Frau: Objekt der Begierde und Opfer – das sind archaische Urtypen und gleichermaßen eindimensionale Klischees. Der Mensch hat, gerade bei Shakespeare, einen Intellekt, ein Herz, eine Seele.

Das verträgt sich nicht mit der kraftmeiernden Farbschleuderei Thalheimers. Und vor allem: Das zentrale Thema des Fremden in der Gesellschaft geht bei allem Muskelspiel vollkommen unter.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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Blut- und farbverschmiertes Liebespaar zu Schlagzeug-Begleitung
  · 13.04.19
Den Rassismus stellt Bernd Stegemann in seinem Programmheft in den Mittelpunkt: mit Beiträgen von Achille Mbembe und Frantz Fanon führt er auf die berühmte Tragödie des Generals Othello hin, der durch eine Intrige von Jago zum Mörder an Eifersucht wird.

Auf der düsteren Bühne von Olaf Altmann tritt zunächst das Liebespaar nach vorne an die Rampe: Ingo Hülsmann (mit rotem Kunstblut verschmiert) als Othello und Sina Martens (mit weißer Farbe bemalt) performen eine Liebesszene voller Gewalt und Leidenschaft, während im Hintergrund das Schlagzeug von Ludwig Wandinger wummert.

Ein Chor, der sich weiße Laken mit runden Öffnungen für Münder und Augen über die Köpfe gezogen hat, betritt die Szene. Die Anmutung changiert zwischen Halloween-Grusel und Ku-Klux-Klan und ist auch bereits ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl auf das Taschentuch, das im Lauf von Shakespeares Drama bekanntlich eine sehr verhängnisvolle Rolle spielt. Aus diesem Chor schält sich Peter Moltzen als Jago heraus und nimmt seine Maske als erster ab.


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