Die Geschichte einer Stunde

Bewertung und Kritik zu

DIE GESCHICHTE EINER STUNDE 
Kate Chopin, mit Motiven aus Charlotte Perkins Gilmans
 
Regie Marie Schleef 
Premiere: 13. Januar 2022  
Ballhaus Ost, Berlin 

Zum Inhalt: Die Geschichte einer Stunde erzählt von Louise Mallard, die vom plötzlichen Unfalltod ihres Mannes erfährt. Ein Zugunglück soll es gewesen sein. Sie bekommt die Nachricht von ihrer Schwester Josephine überbracht – sehr vorsichtig, leidet Louise doch angeblich an einer Herzschwäche. Sie bricht in Tränen aus und sperrt sich ins Schlafzimmer ein. Dort überkommt Louise plötzlich ein ungewohntes Gefühl.

In einer Zeitspanne von genau sechzig Minuten entfaltet und begrenzt Kate Chopin die Utopie einer selbstbestimmten Verwandlung. Die 1894 erschienene Kurzgeschichte ist ein bisher wenig bekanntes Beispiel im Schreiben der amerikanischen Autorin, das nun zur deutschsprachigen Erstaufführung gebracht wird. Für Marie Schleef und ihr Team wird die Kurzgeschichte in Form eines einstündigen Silent Piece zur Grundlage für die Vermessung neuer Erzähl- und Traumräume ohne das gesprochene Wort. Damit schließt das künstlerische Team an Experimente mit visuellen und performativen Erzählformen in den beiden vorausgegangenen Arbeiten an: Nach der Romanadaption von »Die Fahrt zum Leuchtturm« (Volksbühne Berlin, 2018) und der zum 58. Berliner Theatertreffen eingeladenen gemeinsamen Arbeit von Marie Schleef, Jule Saworski, Anne Tismer und Laura Andreß – Name Her (Ballhaus Ost, 2020) – vollendet Die Geschichte einer Stunde | The Story of an Hour die von Marie Schleef konzipierte Trilogie rund um Räume der Emanzipation, in der Zeit- und Literaturgeschichte auf vergessene, neue Möglichkeitsräume untersucht werden.

Entwicklung Bewegungssprache, Performance und Kostüm Anne Tismer (>>>NEWSTARDANCECOMPANY – MAASA) Idee, Konzept und Regie Marie Schleef Konzept, Bühnenbild und Video Jule Saworski Dramaturgie und Übersetzung Hannah Schünemann Kamera und Schnitt Hendrik Lietmann Licht Leander Hagen Video-Operator, Inspizienz und Superman Ruben Müller Künstlerische Produktionsleitung Michiko Günther und Ayako Toyama Animationsassistenz und Schnitt Anna Luisa Schmid Bühnenbildassistenz Chloe Lovick Kelly Bau Bühne Jörg Fischer Projektberatung Anna Bergel Online und Printmedien Tania Schleef Kommunikation und Netzwerk Wiebke Jahns Übersetzung ins Englische für Kommunikation und Recherche Cameron Seglia


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Stummes Stück
  · 17.01.22
''Das Ganze hat vermutlich den Sinn, dass ungehörte oder vergessene Musik von Frauen, selbst wenn man sie nicht hört, ja nicht aufhört zu existieren, sondern lediglich abwesend ist. Das mag eine konsequente Fortsetzung der Name her-Performance zu sein, es entwickelt sich im Folgenden aber nicht wirklich etwas Neues daraus. Nach ungefähr der Hälfte der Zeit, die Uhr läuft permanent, verlässt Anne Tismer das Zimmer durch eine Tapetentür und kriecht in einen kleineren Nebenraum, in dem ein Bett steht, und beginnt den Rest des Abends stoisch die Tapete abzuknibbeln und flächig von den Wänden zu reißen, während in den Übertiteln der Text der Geschichte einer Stunde läuft.

Die gesamte Performance besitzt auch eher einen installativen Charakter. Im Video des großen Raums ist dabei der eigentlich wesentlich interessantere Teil zu sehen, wenn man versucht, den Text über die Erkenntnis der Freiheit und den Drang zur Selbsterhaltung mit dem Videobild zu verbinden. Der Befreiungsakt, der sich mehr im Video als in der performativen Tätigkeit des Tapeteabreißens widerspiegelt, verweist nach draußen. Ein Akt, der sich hier nicht vollenden kann. Das Problem bleibt, dass bei aller Mühe diese Art von stiller Kunst kaum ohne nötigen Beipackzettel wirklich erfassbar ist.'' schreibt Stefan Bock am 16. Januar 2022 auf KULTURA-EXTRA
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