Name Her. Eine Suche nach den Frauen+

Bewertung und Kritik zu

NAME HER. EINE SUCHE NACH DEN FRAUEN+ 
von Marie Schleef
 
Premiere: 25. September 2020  
Ballhaus Ost, Berlin 

Eingeladen zum 58. Berliner Theatertreffen (2021) 

Zum Inhalt: Name Her. Eine Suche nach den Frauen+ ist die archäologische Mission einer alternativen Geschichtsschreibung aus weiblicher* Sicht. Die Long Durational Performance bildet ein performatives Lexikon prägender Frauen* und rückt dabei jene in den Mittelpunkt, die bislang einen blinden Fleck der Historiografie darstellten, um sie alle beim Namen zu nennen: Weibliche* Comicfiguren, Künstlerinnen*, Wissenschaftlerinnen*, Mütter*, Urgroßmütter*, Märtyrerinnen*, Spioninnen*, Kriegerinnen*, Herrscherinnen*, Aktivistinnen* und Superheldinnen*. Name Her. sucht und findet sie – unabhängig vom sozialen oder kulturellen Hintergrund, von A bis Z, in Form hunderter Schicksale aus der Weltgeschichte.

Entstanden durch monumentale Recherchearbeit präsentieren Marie SchleefAnne Tismer und Jule Saworski ein lebendiges Wissens-Triptychon aus YouTube-Schnipseln, Gewinnspielen, Reenactments, getanzten mathematischen Formeln – und den Lücken derjenigen Quellen, die endgültig verschollen sind.

Konzept, Text, Inszenierung, Übertitel: Marie Schleef
Performance, Text: Anne Tismer
Bühne, Video- und Bildinstallation, Kostüm: Jule Saworski
Dramaturgie, Text, Übertitel: Laura Andreß
Kommunikation, Netzwerk: Wiebke Jahns
Video-Operator, Sounddesign, Inspizienz: Ruben Müller
Künstlerische Mitarbeit: Michiko Günther
Lichtdesign: Fabian Eichner


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Freundlich-unterspannter Lecture-Performance-Marathon
  · 23.05.21
Neben „Scores that shaped our friendship“ war die Einladung für „Name her“ sicher die größte Überraschung, als die Jury ihre 10er-Auswahl für das Theatertreffen 2021 verkündete. Im Mai konnte leider nur ein vorproduzierter Stream gezeigt werden: vor dem Bühnenbild-Triptychon von Jule Swarowski, die auch für Kostüme und Video-/Bild-Installation zuständig war, wirkt Anne Tismer oft recht verloren, die Kamera nimmt sie kaum in den Fokus. Hier ist ein deutlicher Qualitäts-Unterschied zu den Stream-Angeboten zu spüren, die von 3sat mit Hilfe der TV-Rege produziert wurden.

Zum Madonna-Hit „Like a Prayer“ tänzelt Tismer über die Bühne und setzt zu einer Reise durchs Alphabet an: mit kleinen Schlaglichtern stellt sie von A wie Alice Roth, einer Schweizer Mathematikerin, über H wie Herta Heuwer, der Erfinderin der Currywurst, bis Z wie Zoe Alice Miller, einer Bildenden Künstlerin, zahlreiche mehr oder minder unbekannte Frauen und ihre Leistungen vor.

Kurzporträt reiht sich an Kurzporträt, immer wieder unterbrochen von Tanzeinlagen, vorzugsweise zu Madonna-Songs, aber auch mal zum 70er Jahre-Evergreen Porque de vas, zu dem Tismer natürlich auch eine kleine Geschichte einfällt. Ironisch-launig ist der Grundton, sprunghaft-assoziativ geht es von Literatur zu Chemie, ab und zu garniert mit kleinen autobiographischen Anekdoten, z.B. über Anne Tismers Vorsprechen am Wiener Max Reinhardt-Seminar 1983, oder mit feministischer Grundsatzkritik an der Textauswahl der Stadt- und Staatstheater-Dramaturgien, mit denen sich Regisseurin Marie Schleef aus dem Off meldet.

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