I just called to say.. sHe’s dead.

Bewertung und Kritik zu

I just called to say.. sHe’s dead. 
von Tina Pfurr
 
Online-Premiere: 22. Februar 2021  
Ballhaus Ost, Berlin 

Zum Inhalt: Oft ist es nur die ungewöhnliche Uhrzeit, die zu lange Atempause, diese ganz bestimmte Stimmlage oder einfach der übersprunghafte Einstieg ins Gespräch, der verrät, dass dieser Anruf alles verändert. Die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen überbringt. Eine Lücke reißt. Die Zeit gefrieren lässt und nichts danach mehr so ist, so sein kann, wie noch Minuten davor. Der Moment, in der die Trauer beginnt, bevor wir überhaupt den Tod vernehmen, verstehen oder von uns weisen können. Jede Zeitrechnung eine andere wird.
Diesem Moment zwischen der Benachrichtigung und dem Annehmen des Unbegreiflichen, widmet die Performerin Tina Pfurr mit ihren Weggefährt:innen fünf Video-Miniaturen. Entlang und zugleich gegen jedwede Dramaturgie oder Logik folgt sie den fünf Phasen der Trauer. Weil sie geteilt werden muss. Weil sie politisch ist. Weil sie damit nicht allein ist. Weil wir viel zu selten dazu einladen und damit wichtige Räume zwischen uns verschließen. Weil wir doch wenigstens einmal diesen einen Song zu Ende hören müssen – ohne sie.
Eine Trauernde erinnert sich in wortlosen performativen Stillleben an all die Täler, durch die sie gewandert ist. Stellvertretend für so viele von uns. Wieder und wieder durch Leugnung, Wut, Verhandlung, Depression und Akzeptanz. In unterschiedlichen Reihenfolgen und mit immer neuen Vertiefungen. Ohne Wertung. Die Geister, die hier gerufen werden, wollen und sollen sich verbinden. In der Trauer. Im Tod. Unbedingt im Leben. In uns.

Stimmen: Robin Adams, Katharina Adler, Sarah Blaßkiewitz, Anne Brammen, Gina Henkel, Franziska Janke, Laura Naumann, Christin Nichols, Christian Pfurr, Ingeborg Pfurr, Anneke Kim Sarnau, Felizitas Stilleke, Leon Ullrich, Matthias Zeeb

Konzept, Umsetzung, Performance: Tina Pfurr
Ausstattung, Künstlerische Mitarbeit, Umsetzung: Romy Springsguth
Kamera, Schnitt: Ute Schall
Sounddesign: Björn Stegmann
Lichtdesign: Fabian Eichner
Produktionsleitung: Franziska Janke


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Tina pur
  · 24.02.21
''In dem ersten Video ("Leugnen") sieht man über drei Minuten lang erst einmal nicht viel mehr als eine leere Bühne mit 'ner leeren Plasteflasche, Dutzenden von Glitzerschnipseln; außerdem vernimmt man unter Kopfhörern ein immer wieder abbrechendes, abreißendes Liedlein - plötzlich treten Springerstiefel auf; die Kamera erfasst die Springerstiefelträgerin, und justament wird allmählich "die ganze" Tina sichtbar, und sie trägt dann unter ihrem schwarzen Anzug eine weiße Rüschenbluse und ist außerdem mit einem Baseballschläger ausgestattet. Dann drischt sie (mit ihrem Baseballschläger) bis zum Schluss des ersten Videos pausenlos auf eine Teppichrolle ein, der sie zuvor noch, und in Augenhöhe, ein lachendes Filsstift-Face verpasste...

In dem zweiten Video ("Wut") ist Tina auf der Jagd nach einem ihr womöglich Orientierung bietenden grellweißen Lichtspot, ja und jedesmal, wenn sie ihn dann - zuerst im Dauerlauf, zum Ende hin dann mehr gemächlich - zu erreichen meinte, schaltet er sich fieserweise aus und leuchtet prompt an andrer Stelle wieder auf - - und Tina hin und her; und ihr gelang es also nicht, das Licht für sich zu okkupieren...'' schreibt Andre Sokolowski am 23. Februar 2021 auf KULTURA-EXTRA
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