Brigitte Reimann besteigt den Mont Ventoux!

Bewertung und Kritik zu

BRIGITTE REIMANN BESTEIGT DEN MONT VENTOUX!
von Marlene Kolatschny & Jan Koslowski
 
Online-Premiere: 21. Januar 2021  
Ballhaus Ost, Berlin 

Zum Inhalt: Einen Berg erklimmt man am besten zu zweit. Erst recht einen so windigen! Doch die ideale Begleitung zu finden, das wusste Francesco Petrarca schon 1336, kann sich durchaus als knifflig erweisen. Keiner der guten Freunde erscheint ihm so richtig geeignet: »Der eine ist mir zu träge, der andere zu lebhaft, der ist zu langsam, der zu hastig, der zu trübsinnig, der zu lustig, der hat weniger, und der hat mehr Verstand als mir lieb ist.« Vielleicht lässt man es dann doch darauf ankommen und wartet ab, wen der Zufall noch auf den Gipfel treibt? Bei guten Luftverhältnissen trifft man so auf andere kühne Spezialistinnen des Ankommens, die eine persönliche Rückschau und Sinnsuche bereichern anstatt sie zu stören, denn — jetzt bitte festhalten und nicht umpusten lassen — auch Brigitte Reimann besteigt den Mont Ventoux!
Ausgehend von Petrarcas Bericht seiner Gebirgsbesteigung aus dem 14. Jahrhundert, gekürt zur »Geburtsstunde des Alpinismus«, sowie dem Werk Brigitte Reimanns, die das in der DDR gewachsene Genre der Ankunftsliteratur entscheidend prägte, lädt der größtenteils im Theater entstandene Film ein zu einer Auseinandersetzung mit der Idee der Klimax, der Zäsur, der Um- und Neuorientierung. Das ungleiche Schriftsteller:innenpaar schreibt sich ein in eine Berggeschichte zwischen provenzalischer Natur und sozialistischem Produktionsalltag, zwischen Anfang und Ende, Ankunft und Abschied, immer konfrontiert mit den Fragen: Wo stehe ich? Wofür arbeite ich? Und wie sollte er sein, der Blick auf die Wirklichkeit?

mit Julius Feldmeier, Larissa Sirah Herden, Lisa Hrdina und Spezialgast Justin Franklin-Stokes

Künstlerische Leitung, Text: Marlene Kolatschny, Jan Koslowski
Regie: Jan Koslowski
Dramaturgie: Marlene Kolatschny
Bühne, Szenografie: Marilena Büld
Kostüme: Svenja Gassen
Maskenbild: Juli Schulz

TRAILER


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Skurril-versponnener Theaterfilm
  · 26.01.21
Brigitte Reimann, die wie in ihrem Roman „Franziska Linkerhand“ häufig von Frauen erzählte, die mit ihren Idealen an den Widrigkeiten des real existierenden Sozialismus der Deutschen Demokratischen Republik scheiterten, trifft auf den italienischen Renaissance-Humanisten Francesco Petrarca, der im 14. Jahrhundert lebte und in einem lateinischen Brief von einem Erweckungserlebnis berichtete, das ihm die Besteigung des Mont Ventoux, dem aus der Tour de France bekannten Bergmassiv in der Provence, bescherte.

Mit vielen Zitaten aus Texten und Tagebuchaufzeichnungen von Brigitte Reimann tauschen sich die beiden Geistesmenschen über ihre Schreib-, Sinn- und Beziehungskrisen aus. Letztere werden angeheizt durch das plötzliche Auftauchen der Bergnymphe Echo (Larissa Sirah Herden), die mit Brigitte Reimann flirtet und eine Dreiecks-Beziehung intiiert.

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