Der Spieler

Bewertung und Kritik zu

DER SPIELER 
nach Fjodor M. Dostojewskij
Regie: Pınar Karabulut 
Premiere: 28. Januar 2022 
Theater Basel 

Zum Inhalt: Der Spieler oder Roulettenburg. Aus den Aufzeichnungen eines jungen Mannes von Fjodor M. Dostojewskij. Aus dem Russischen von Alexander Nitzberg (Romanvorlage).

In Roulettenburg regieren Geld, Spielsucht und obsessive Liebe. Dabei die ewige Illusion: «Morgen, schon morgen ist alles vorbei.» Die reiche Erbtante soll es richten. Doch während alle auf die erlösende Nachricht ihres Todes warten, taucht sie quicklebendig auf und verspielt selbst den letzten Rubel. Regisseurin Pınar Karabulut inszeniert mit ‹Der Spieler› einen ekstatischen Trip. Die handelnden Personen sind unentwegt miteinander im Spiel. Sie produzieren sich und ihre Gefühle, um ihre Sucht zu befriedigen. Wenn der Erregungsgrad nicht hoch genug ist, stimmt der Einsatz nicht. Am Roulettetisch und in intimen Begegnungen entsteht der Nervenkitzel. Hauptsache, es wird etwas gespürt. Der Rausch ist Kraftstoff für den Motor, der am Leben hält.

Inszenierung: Pınar Karabulut
Bühne und Kostüme: Sara Giancane
Komposition: Daniel Murena
Lichtdesign: Vassilios Chassapakis
Dramaturgie: Sarah Lorenz


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Geschlechtertausch statt Spielsucht
  · 01.02.22
''Das Glücksspiel ist stets auch eine Metapher für Inflation und Börsencrash. Was wir bei Dostojewski lesen, ist der Traum vom leichten Geld, das einem ohne die Anstrengung der Arbeit zufällt – ein Traum, der für einige Wenige damals, in der Gründerzeit, und auch jüngst wieder im postsowjetischen Russland zur Wirklichkeit wurde. Pinar Karabulut aber, zurzeit gut im Geschäft, interessiert das bei ihrer Inszenierung am Theater Basel nicht. Dostojewski ist für sie nur ein Vorwand für grellen, bunten, aufdringlichen und undifferenzierten Trash mit vertauschten Geschlechterbesetzungen, die sich nicht etwa einer stringenten Interpretation schulden, sondern einer Mode, der wir wohl einige Zeit ausgeliefert sein werden. Nicht der Mangel an Psychologie ist das Problem dieser Bearbeitung, sondern der Mangel an Struktur, die Beliebigkeit der theatralen Mittel. Die eigentliche Spielsucht der zentralen Figur Alexej Iwanowitsch (Elmira Bahrami) kommt als Monolog an der Rampe buchstäblich zur Sprache und setzt das Gesamtkonzept, all das, was da vor einem kreisenden Bühnenbild, das aussieht wie aus dem Fundus eines billigen B-Pictures, über die Bühne wirbelt, ins Unrecht.

Mir ist schon klar: es gibt Leute, die derlei mögen, die nicht genug bekommen können von Disco- und Sexclub-Reminiszenzen, die mit Dostojewski so viel zu tun haben wie der Vatikan mit Henry Miller. Es gibt ja auch Leute, die gerne Gummibärchen essen. Ich gehöre nicht dazu.'' schreibt Thomas Rothschild am 1. Februar 2022 auf KULTURA-EXTRA
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