Ich bin ein Dreck

Bewertung und Kritik zu

ICH BIN EIN DRECK 
von Stefanie Reinsperger
Regie: Akin Isletme 
Online-Premiere: 27. Februar 2021  
Brechtfestival Augsburg

Zum Inhalt: Ich wünschte mir eine klare Richtung, einen Entscheidungsbaum mit zwei Ästen: entweder, oder, eins, null, ja, nein, wenn, dann. Ich wünschte mir die Verlässlichkeit der Naturgesetze. Aber ich bin ein Dreck. Und das geht sich nicht aus. Wie kann man das denn sein, EIN Dreck? Tritt er als Solist auf? Oder ist die Rede von einer leeren Menge? Gerade der Widerspruch, scheint es, das a-lineare, die Gleichzeitigkeit des Entweder und des Oder ist, welche jenem Umstand am nächsten kommt, den wir gemeinhin als das Leben bezeichnen. Denn richtet man seinen Blick auf die verschiedenen Biographien in der Geschichte und ihre Verwebungen miteinander, wecken sie unsere Neugier allererst in ihrer Unregelmäßigkeit. Jenseits des Vernünftigen, weil das Vernünftige manchmal in unerreichbare Ferne rückt, und jenseits moralischer oder anderer Urteile gelingt uns vielleicht – in der simplen Betrachtung – ein kleiner Begriff der Ungereimtheit des Lebens. Ich bin ein Dreck. Ich habe Sehnsucht nach einer klaren Richtung. Ich bin ein Dreck. Ich weiß, es gibt sie nicht.

Mit: Stefanie Reinsperger, Wolfgang Michael, Julian Keck

Konzeption: Stefanie Reinsperger, Akin Isletme
Regie: Akin Isletme
Regieassistenz: Zoé Miray-Su Hamdemir
Kamera & Schnitt: Bahadir Hamdemir
Musik / Sounddesign: Bendrik Grossterlinden, Matthias Schubert


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
„Ich bin ein Dreck“, stöhnt Stefanie Reinsperger im gleichnamigen Theaterfilm und robbt sich mit vollem Körpereinsatz durch das Herbst-Laub. In einer sichtlich heruntergekommenen Dusche wartet bereits Wolfgang Michael, der wie Reinsperger am Berliner Ensemble engagiert ist. 

In dieser assoziativen Collage, die Reinsperger gemeinsam mit Akin Isletme konzipierte, treffen kurze Auszüge aus Brecht-Tagebüchern und Schnipsel seiner Dramen auf Texte seiner Geliebten und Co-Autorinnen. Mal schlüpft Reinsperger in die Rolle der Magd Grusche aus Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“, mit der sie 2017 ihren Einstand am Berliner Ensemble feierte, mal rezitiert Michael verzweifelte Brecht-Sätze.

Die sehr verqualmte kurze Collage ist aber zu sprunghaft, die Anordnung der Texte wirkt recht willkürlich, so dass der Film weniger eindringlich wirkt als erhofft.

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