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Bernarda Albas Haus

Bewertung und Kritik zu

BERNARDA ALBAS HAUS 
von Alice Birch nach Federico García Lorca
 
Regie: Katie Mitchell  
Premiere: 2. November 2024  
Deutsches Schauspielhaus Hamburg 

Eingeladen zum 62. Berliner Theatertreffen (2025) 


Zum Inhalt: Die Tür ist zu. Für die nächsten acht Jahre darf keine der Frauen das Haus verlassen, so verlangt es eine Tradition, die nach dem Tod des Mannes eine Trauerphase diesen Ausmaßes anordnet. Die fünf Töchter stehen unter Schock. Ihre Mutter Bernarda Alba setzt die Vorschrift unerbittlich um, und wenn es sein muss mit Gewalt. Das Haus wird zum Gefängnis. Abgeriegelt von der Welt und eingesperrt mit ihrem Hunger nach Leben, ihrer stillgelegten Sexualität und dem Begehren von Freiheit und Würde macht sich die Wut auf das repressive patriarchale System unter den Frauen breit. Bald richten sie den Schmerz gegen sich selbst und die anderen, bis es zur Katastrophe kommt.

Mit »Bernarda Albas Haus«, seinem letzten Stück kurz vor seiner Ermordung durch die Faschisten der spanischen Militärdiktatur, hat der Dichter Federico García Lorca eine der eindrucksvollsten Tragödien des 20. Jahrhunderts geschaffen. Die britische Autorin Alice Birch macht das erschütternde Drama um weibliche Unterdrückung, verhindertes Begehren und gewalttätige Generationskämpfe zu einer gegenwärtigen Bühnenerzählung. Dabei entwickelt sie das kunstvolle Kompositionsprinzip der simultanen Parallelmontage weiter, das sie gemeinsam mit der Regisseurin Katie Mitchell beeindruckend in der Inszenierung »Anatomie eines Suizids«, eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2020, angewandt hat.

Regie: Katie Mitchell
Bühne: Alex Eales
Kostüme: Sussie Juhlin-Wallen
Licht: James Farncombe
Komposition: Paul Clark, Melanie Wilson
Original-Soundesign: Melanie Wilson
Dramaturgie: Sybille Meier

 

2 Bewertungen

3.5 von 5 Sterne
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Virgin Suicides an der Waterkant: Ästhetisch bemerkenswert, inhaltlich plakativ
1 Jahr her.
Kritik

Alice Birch hat Federico Garcia Lorcas Klassiker „Bernarda Albas Haus“ aus der Zeit von Faschismus und Spanischem Bürgerkrieg in ein zeitloses Irgendwann versetzt und mit britischer „In Yer Face“-Sprache versetzt. Wir erleben eine Matriarchin (Julia Wieninger mit ihrer 12. Theatertreffen-Einladung, wenn ich richtig gezählt habe), der mit der Empathie eines Army-Drill Instructors flucht und brüllt und ihre Töchter seit acht Jahren in ihrem eingemauerten Haus wie in einem Gefängnis hält.

Der ästhetische Clou der Inszenierung von Katie Mitchell, die zwei Jahre nach der Londoner Uraufführung der Lorca-Überschreibung an einem tristen November-Abend die deutsche Fassung von Ulrike Syha am Schauspielhaus Hamburg herausbrachte, ist die Parallelmontage-Technik. Diesmal ohne Live-Video, das die britische Künstlerin sonst oft einsetzt, erzählt sie den Plot auf der in kleine Puppenstuben-Zimmer, einen Salon und die Küche geteilten Bühne von Alex Eales in Szenen ablaufen, die oft ineinander übergehen oder ganz parallel laufen.

Technisch ist dies sehr präzise gearbeitet, auch wenn die Verschränkung der Dialoge und Szenen in den verschiedenen Zimmern dazu führt, dass das Publikum den Details und Satzfetzen schwer folgen kann, wie Andreas Schnell in seiner Nachtkritik zurecht feststellte. Mitchell ging es offensichtlich mehr um das Atmosphärische, um ein Wimmelbild aus Verzweiflung, Angst und vorsichtiger Auflehnung der Töchter.

Handwerklich ist dieser Abend durchaus bemerkenswert. Es ist deutlich spürbar, dass hier ein erfahrenes Team am Werk ist. Katie Mitchell hat ihren Stil, der zuletzt in der Parallelmontage von „Anatomie eines Suizids“ im Corona-Jahr 2020 nur im Theatertreffen-Stream zu sehen war, konsequent weiterentwickelt.

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Klaustrophober Horrortrip
1 Jahr her.
Kritik

''Katie Mitchell inszeniert hier ein klaustrophobisches Horrorhaus, zu dem Alice Birch den sparsam gehaltenen Text einer methodischen Unterdrückung zart aufkeimenden Begehrens liefert. Ziel dieser jugendlichen Begierde ist der bei Lorca einzige Mann des Stücks, der hier als von Joël Schnabel gespielter Peter am großen Gittertor wartet, es einmal sogar übersteigt, ansonsten aber stumm im Hintergrund bleibt. Heiraten soll ihn die älteste und hier sogar schwangere Schwester Angustias (Alberta von Poelnitz), einzige Erbin des Stiefvaters, der sie vermutlich auch missbraucht hat. Peter trifft sich aber heimlich auch mit der jüngsten Schwester Adele (Linn Reusse), die wiederum dafür von der unscheinbaren Mariche (Henni Jörissen) beneidet wird.

Komplettiert wird das Frauenhaus von den Schwestern Magda (Josefine Israel) und Amanda (Mayla Häuser) sowie den beiden Dienstmägden Poncia (Luisa Taraz) und Clara (Sachiko Hara). Zusammengedrängt im Haus der Patriarchin kann zwischen den Frauen aber nie so etwas wie wirkliche Nähe oder Solidarität entstehen. Die Schwestern schauen sehnsüchtig in die erleuchteten Screens ihrer Handys oder hören Pop-Musik, was die Witwe immer wieder unterbindet. Die aufmüpfige Großmutter hat sich in ein eigenes Reich der Fantasie geflüchtet. Bernarda Alba schürt durch ihre abwertenden Reden immer wieder die Ängste, vor dem was draußen wartet. Sie schreckt gegenüber den Töchtern auch nicht vor manifester Gewalt zurück. Glück ist ihr unwichtig. Hauptsache der Eindruck der Familie ist perfekt. Und so nimmt wie bei Lorca auch hier das Unglück seinen Lauf.

Die Inszenierung erlangt zusätzliche Dichte durch die in den verschiedenen Kammern zumeist gleichzeitig ablaufenden Spielszenen. Gespräche der Schwestern oben überschneiden sich mit denen der Mutter mit anderen Bewohnerinnen im unteren Teil. Wie auf einem übergroßen Splitscreen folgt das Publikum dem Geschehen auf der Bühne. Besonders surreal wirkt der Abend durch Phasen in gespielter Zeitlupe. Nach jedem der drei Akte sinkt unter aufdröhnendem Sound der Eiserne Vorhang nieder. Die ursprüngliche schon düstere Handlung Lorcas erfährt bei Mitchell und Birch noch eine dramatische Zuspitzung, wenn die junge Frau aus dem Dorf, die ihr ungewolltes Kind getötet hat, von drei Männern bis ins Haus verfolgt wird. Hier kommt zum ersten Mal Albas‘ Gewehr zum Einsatz. Bekanntlich auch am Ende, was den Selbstmord von Adele zur Folge hat. Wobei hier noch das Verbleiben der übrigen Schwestern im Todeshaus mittels Pillen der Mutter zementiert wird. Auch wenn die Haustür am Ende offensteht, ist dieser Abend mit all seiner überhöhten Drastik eine zutiefst deprimierende Bestandsaufnahme zum momentanen Backlash in Sachen Frauenrechte.'' schreibt Stefan Bock am 11. März 2025 auf KULTURA-EXTRA

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