Bewertung und Kritik zu
DER HAUPTMANN VON KÖPENICK – Staatstheater Cottbus
Premiere: 20. September 2025
Ein deutsches Märchen von: Carl Zuckmayer
Regie: Sebastian Hartmann
Über die Inszenierung
Sebastian Hartmann nähert sich Zuckmayers Klassiker nicht als nostalgische Komödie, sondern als zeitdiagnostisches Stück über staatliche Autorität, soziale Ausgrenzung und die Macht von Uniformen. Die Inszenierung legt die existenziellen Brüche des Schusters Voigt frei und zeigt, wie bürokratische Systeme Menschen entwürdigen und zugleich groteske Formen von Gehorsam hervorbringen.
Hartmanns Bildsprache arbeitet mit starken Kontrasten, fragmentierten Szenen und einer ästhetischen Verdichtung, die das Märchenhafte des Stoffes mit einer düsteren, fast expressionistischen Atmosphäre verbindet. Die Bühne wird zum Raum permanenter Verwandlung: zwischen Amtsstuben, Straßenbildern und inneren Zuständen. Die Inszenierung betont die zeitlose Aktualität des Stoffes, indem sie Fragen nach Identität, Macht und sozialer Zugehörigkeit in den Vordergrund rückt.
Ensemble
- Torben Appel
- Gunnar Golkowski
- Benjamin Kühn
- Charlotte Müller
- Ariadne Pabst
- Markus Paul
- Charlie Schülke
- Lucie Luise Thiede
Besondere Aspekte dieser Inszenierung
- eine zeitdiagnostische Lesart, die Bürokratie, Macht und soziale Ausgrenzung scharf beleuchtet
- eine fragmentierte, bildstarke Ästhetik, die das Märchenhafte mit gesellschaftlicher Härte verbindet
- eine Regie, die Zuckmayers Humor mit existenzieller Tiefe und politischer Schärfe kombiniert
- ein Bühnenraum, der permanente Verwandlung und innere Zustände sichtbar macht
- eine Interpretation, die die Aktualität des Stoffes in Fragen von Identität und Autorität betont
Die Produktion untersucht, wie staatliche Strukturen Menschen formen, deformieren oder unsichtbar machen — und welche subversive Kraft aus der Aneignung von Symbolen der Macht entstehen kann.





