Premiere: 30. Januar 2025 Von: Tennessee Williams Regie: Jaz Woodcock-Stewart Mit: Hilke Altefrohne, Jan Bluthardt, Antoinette Ullrich, Julian Anatol Schneider, Thomy Riedtmann (Statisterie)
Über die Inszenierung
Jaz Woodcock-Stewart nähert sich Tennessee Williams’ berühmtem „Gedächtnisspiel“ mit einer präzisen, atmosphärisch dichten Regiehandschrift. Die Inszenierung legt den Fokus auf die Fragilität der Figuren, ihre Sehnsüchte und die brüchigen Konstruktionen von Erinnerung und Familienmythologie. Der Abend entfaltet sich als poetisches Kammerspiel, in dem Realität und Illusion ineinander übergehen.
Die Bühne wird zum schimmernden, zugleich klaustrophobischen Raum, in dem Amanda, Tom und Laura ihre Wünsche, Ängste und Enttäuschungen gegeneinander ausspielen. Woodcock-Stewart arbeitet mit feinen rhythmischen Verschiebungen, körperlicher Präzision und einer Bildsprache, die die Zerbrechlichkeit der Figuren sichtbar macht. Die berühmte Glastiersammlung wird zum Symbol für eine Welt, die jederzeit zu zerbrechen droht.
Ensemble
Hilke Altefrohne – Amanda Wingfield
Jan Bluthardt – Tom Wingfield
Antoinette Ullrich – Laura Wingfield
Julian Anatol Schneider – Jim O’Connor
Thomy Riedtmann – Statisterie
Besondere Aspekte dieser Inszenierung
eine poetische, atmosphärisch dichte Neuinterpretation des Klassikers
eine präzise Regie, die Erinnerung, Illusion und Realität ineinander verschränkt
ein Ensemble, das mit emotionaler Genauigkeit und feiner psychologischer Zeichnung arbeitet
eine Bühne, die die Zerbrechlichkeit der Figuren visuell spiegelt
eine Inszenierung, die Williams’ Text als zeitloses Familienporträt lesbar macht
Die Produktion untersucht, wie Menschen an ihren Träumen festhalten, obwohl die Realität sie überholt – und wie fragile Erinnerungen zu Schutzräumen werden, die zugleich trösten und gefangen halten.
Das Bühnenbild allein ist noch kein Kriterium für bemerkenswertes Theater - I
10 Tage her.
The review are waiting to approve.
Kritik
''Da kommt einiges zusammen, was Mutter Amanda Wingfield (Hilke Altefrohne) zu erdulden hat. Nachdem Laura nicht mehr in die Wirtschaftsschule gehen will, bleibt nur die Verheiratung mit einem Verehrer. Nur das die nicht gerade Schlange stehen. Sohn Tom Wingfield (Jan Bluthardt) gibt wie im Original den Erzähler. Die Rahmung ist Wirtschaftskrise und Krieg in Europa. Das passt auch heute wieder gut. Die prekäre Familie ohne Vater, der am Anfang nur mal kurz mit Koffer durch die Szene geht, hält Tom mit einem ungeliebten Lagerhausjob über Wasser. Über einen seitlichen Steg läuft Bluthardt immer wieder die lang nach hinten ausladende Bühne (Rosie Elnile) ab. Ein Weg ohne wirkliches Ziel. Seine Abenteuerlust stillt Tom nachts im Kino und wehrt sich lautstark gegen die übergriffige Mutter, die ihre unerfüllten Träume auf die beiden jungen Leute projiziert.
Nach der Pause fährt eine nach hinten verglaste Zimmerbegrenzung herab und zum vorher schon auf die Bühne geschobenen Motorrad erscheint in passender Kluft der von Tom organisierte Verehrer Jim O’Connor (Julian Anatol Schneider), der sich als Lauras unerreichbarer Highschool-Schwarm entpuppt. Zum Dinner werden wieder die Vibrationsplatten angeschmissen, bis das Licht ausfällt, da Tom das Stromgeld für seine Flucht aus der Enge der familiären Behausung ausgegeben hat. Das Beben der Welt da draußen erschüttert die kleine Welt der Wingfields und macht auch nicht vor Lauras Glasmenagerie halt. Das ist die schmale Erkenntnis eines dreistündigen Abends, der viel über sein Bühnenbild vermitteln will, was nicht auch vom sicher großartigen Ensemble zu spielen wäre.'' schreibt Stefan Bock am 8. Mai 2026 auf KULTURA-EXTRA
Solche emotionalen Aufwallungen sind selten: nach dem Theatertreffen-Gastspiel schallen dem Basler „Glasmenagerie“-Team laute Buhrufe entgegen. Ein Grüppchen hält mit ebenso lautem Jubel dagegen. Eine Jublerin reckt dem Buhrufer gar den Stinkefinger entgegen.
Was hat die junge britische Regisseurin Jaz Woodcock-Stewart nur angerichtet, dass die Stimmung derart hochkocht? Die nüchterne Antwort: Gar nichts, sie hat lediglich einen lauwarm-unentschiedenen Abend eines nur noch selten gespielten acht Jahrzehnte alten Klassikers von Tennessee Williams inszeniert.
Ein Grundproblem der Inszenierung ist, dass sie Woodcock-Stewart nicht entscheiden kann, was und wie sie es erzählen will. Unvermittelt springen die Szenen zwischen dem angestaubten Text von Tennessee Williams und Gegenwarts-Einsprengseln wie den Web-Videos, die sich Laura in ihrer Einsamkeit reinzieht, hin und her. Der Abend findet außerdem keine Linie, ob er vom Schicksal der Wingfields in realistischer Einfühlungs-Manier oder als Farce erzählen will. Auch hier schwankt er hin und her.