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Animal Farm

Bewertung und Kritik zu

ANIMAL FARM – Volkstheater Rostock

von: George Orwell
Premiere: 16. Oktober 2026, Volkstheater Rostock

Künstlerisches Team

Inszenierung: Luis Liun Koch
Bühne und Kostüme: Lara Katarina Suppe
Dramaturgie: Philine Bamberger
Regieassistenz und Inspizienz: Marthe Gappert

Besetzung

Boxer / Huhn Linda / Mensch: Isabel Brachowicz
Benjamin / Mr. Jones: Mina Christ
Old Major / Moses / Hund / Mr. Jones: Tjark Dwaronat
Schaf 32 / Junges Schaf / Huhn / Pferdemetzger: Moritz Glöckner
Squealer: Lara Göhlert
Mollie / Hund / Huhn / Junges Huhn / Schaf: Moritz Rogner
Snowball / Huhn / Schaf / Mr. Pilkington: Charlotte Vogel
Napoleon / Mr. Whymper / Mensch: Franka Tabea Wackwitz
Clover: Joshua Walton

Über die Inszenierung

Mit „Animal Farm“ bringt das Volkstheater Rostock George Orwells berühmte Parabel über Macht, Manipulation und politische Verführung auf die Bühne. Die Geschichte vom Aufstand der Tiere gegen ihre menschlichen Herrscher entwickelt sich zu einer beklemmenden Studie darüber, wie revolutionäre Ideale in neue Herrschaftssysteme umschlagen können.

Luis Liun Koch richtet den Fokus auf die Mechanismen von Macht und Propaganda. Die Inszenierung untersucht, wie Sprache, Angst und Gruppendynamik gesellschaftliche Veränderungen beeinflussen und wie aus Befreiung neue Unterdrückung entstehen kann.

Lara Katarina Suppes Bühne und Kostüme schaffen eine theatrale Welt zwischen Tierfabel, politischer Allegorie und zeitgenössischer Gesellschaftsanalyse. Die Figuren bewegen sich dabei zwischen menschlichen und tierischen Eigenschaften und machen die Vielschichtigkeit von Orwells Vorlage sichtbar.

Die dramaturgische Arbeit von Philine Bamberger konzentriert sich auf die anhaltende Aktualität des Stoffes und arbeitet die politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen der Erzählung präzise heraus.

Das Ensemble übernimmt eine Vielzahl von Rollen und Tierfiguren und entwickelt daraus ein dichtes Bühnengefüge, das die Dynamik der Farm und die Veränderungen innerhalb der Gemeinschaft eindrucksvoll erfahrbar macht.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– Bühnenfassung von George Orwells Klassiker
– politische Parabel über Macht und Manipulation
– vielschichtige Mehrfachbesetzungen
– Verbindung von Tierfabel und Gesellschaftskritik
– hohe Aktualität der Themen

„Animal Farm“ zeigt eindringlich, wie Ideale scheitern können, wenn Macht zum Selbstzweck wird, und bleibt damit eine der schärfsten politischen Parabeln des 20. Jahrhunderts.

1 Kritik

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Animal Farm am Volkstheater Rostock
12 Stunden her.
Kritik

Es ist war eine interessante neue Idee, die Tiere nicht im Kostüm und vierbeinig, sondern in verschiedenfarbigen Schneeanzügen, zweibeinig und nur in Sprache und Verhalten zu imitieren. Die eigenartigen Schneeanzüge, die auch entfernt an Astronautenlook erinnern, in dem die Menschen, die Tiersprache und deren Bewegungen nur andeutungsweise imitieren, geben dem schon etwas antiquierten Stück einen Schuss Modernität. Die auf Menschen gemünzte Metapher ist nun nicht mehr zu übersehen, das Stück eindeutig kein Kindertheater.

So wird auch mit voller Brutalität die Entwicklung von einer revolutionären Erhebung zu einer eiskalten Diktatur in allen Einzelheiten auf die Bühne gebracht.  Die Lehre aus diesem Stück ist die, dass der Mensch nach Revolutionen aufpassen muss, dass diese nicht in die Diktatur einmünden. Warum ist das so? George Orwell versuchte sich in einer Antwort, mit dieser Fabel, wo die Schweine nach einer Revolution beginnen die übrigen Tiere auf perfide Art und Weise zu tyrannisieren.  Die Umsetzung durch die Spielerinnen und Spieler, die Schauspielstudierenden der Rostocker HMT, gibt ein interessantes Panorama der Darstellung menschlicher Verhaltensweisen. Da sind die Schüchternen, die Vorpreschenden, die Arbeitenden, die Sturen, die Dummen, die Selbstbewussten und die zur Diktatur und zum Mitläufertum und zum Polizeihund Neigenden charakterisiert.

Den Studierenden gelingt es wirklich sehr gut, diese Menschen zu gestalten, sie mit dem durch sie dargestellten Tier zu vermischen, und so diese Verhaltensweisen das ganze Stück hindurch zu symbolisieren. Hierbei waren die Detailbewegungen der Tierimitation manchmal frappierend gekonnt: Nie habe ich so die typisch ruckartigen Bewegungen eines Huhns im Kopfbereich registriert, wie hier gezeigt, nie das Scharren der Hufe der Menschen, die Pferde dargestellt haben, nie so gut den starr duldenden Blick der Schafe. Am Anfang sieht man wirklich Menschen in etwas schmuddeligen Mars-Anzügen, wie aus dem All gekippt, am Ende sieht man nur noch Tiere. Und man lernt. Welche Verhaltensweisen können helfen, dass die Situation nach einer Revolution nicht kippt? Das Nachfragen, die Skepsis? Das kritische Selberdenken!

Problem dabei ist, dass Orwells Lehre auch so verstanden werden kann: Es hat keinen Sinn Gerechtigkeit in einer Gesellschaft anzustreben, da daraus nur Schlimmeres erfolgt: Chaos, Diktatur, Gewaltherrschaft. Also sollte man alles resigniert schlucken? Diese Perspektive macht den Genuss des Stückes etwas kompliziert, es geht immer etwas Bremsendes, Hemmendes, Depressives davon aus. Das spiegelt natürlich Orwells Stimmung, nachdem die große Hoffnung von Millionen geknechteter Menschen in den Stalinismus einmündete, wider, eine Enttäuschung, die viele Menschen in vielen Jahrhunderten, nicht nur bei Stalin, immer wieder empfunden haben. Insofern hat Orwell hier schon etwas sehr Wichtiges auf die Bühne gebracht. Aber: Sind die Menschen so? Können sie keine Gerechtigkeit? Schaffen sie nicht, ihren Machttrieb zu zügeln, ihren Egoismus, ihre Neigung, Lust bei Gewaltausübung zu fühlen? Nein, die Menschen werden immer nach Liebe, Mitgefühl, Gerechtigkeit streben. Können sie auch etwas erreichen? Dauerhaft?

In dieser Aufführung wurde gegen dieses Fazit durchaus angespielt. Immer wieder widersetzen sich die Tiere erneut. Permanente Revolution? Der das forderte, Trotzki, wurde schließlich grausam ermordet. Selbst Tausende von Kilometern von seinem Land entfernt, reisten ihm die Mörder nach, damit seine Idee nicht überlebt. Auch in Orwells Stück überlebt Snowball nicht. Wie auch sein Stück resignativ mit dem Wiederaufkommen der Menschenherrschaft, hier der „grauen Männer“ als große Riesenköpfe gestaltet, endet.

Und die Verbesserungen, die das Volk ersehnte und anstrebte, die wurden nur versprochen, nie umgesetzt. Sie wurden auch zurückgenommen, ins Gegenteil verkehrt, darauf muss man achten, aufpassen! Kritisch bleiben! Die Ursprungsideen dieser hier symbolisch dargestellten Revolution werden nie umgesetzt, sie werden sogar deutlich ins Gegenteil verkehrt, statt Gleichheit aller Menschen nur noch Elite, statt mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung, verstärkte Ausbeutung der Schwachen. Die Lehre aus diesem Stück muss also sein: Schaut den Menschen, die euch Ideen predigen, auf die Hände und nicht nur auf den Mund, was sie tun, danach beurteile Führungspersonen und Herrscher, nicht danach, was sie salbungsvoll predigen.

Dass die Menschen auch anders sein können, liebevoll, mitfühlend, solidarisch, das kommt hier manchmal etwas zu kurz. Aber George Orwell hatte 1945 allen Grund, die Welt nur düster zu sehen, sie lag in Trümmern, Millionen Unschuldige waren in Menschen-Fabriken ermordet worden, der Rest befand sich in grausamen Vernichtungslagern und die große Idee der Revolution in der Sowjetunion war in eine Diktatur verwandelt, wo Menschen fast genauso der Willkür ausgeliefert waren wie im Faschismus. Für das Streben nach dem Guten konnte man damals nur wenige Beispiele finden. Und wo stehen wir heute? Vor einer neuen Machtergreifung diktatorischer Ideen, die den Menschen Verbesserungen vorgaukelt! Man könnte diese Aufführung durchaus als Mahnung verstehen: Lasst es nicht wieder dahin kommen!

Sehr gut gespielt, sehr gut von Ausstattung und Bühne her bebildert, eindrucksvoll in der Wirkung, regt zum Nachdenken an, sehr sehenswert!

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