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Bewertung und Kritik zu

ICH BIN NICHT BEREIT, GERETTET ZU WERDEN*
von Sivan Ben Yishai 
Regie: Marie Bues 
Premiere: 5. September 2020 (Kunstfest Weimar) 
Alte Feuerwache Weimar

Zum Inhalt: Und bevor wir aufstehen für die »Ich bin mir meines Privilegs bewusst«-Hymne, kurze Pause: Essen ist fertig, der Spargel steht schon auf dem Tisch und nach dem zweiten Dish treffen wir uns pünktlich um 19 Uhr auf dem Balkon und applaudieren den Pfleger*innen, die sterben – als Teil des Jobs, die sterben – damit ihr leben könnt, die sterben – und »es ist immer traurig, wenn ein Mensch stirbt (…) aber es ist der Lauf der Dinge, den wir akzeptieren müssen«; Richtig: Akzeptanz! Das Drama ist vorbei, bye, thx, next! Und jetzt klicken wir auf den »Care«-Button, because we care, und jetzt klicken wir auf den »Soli«-Button (coming soon auf deinem lokalen Facebook), der Kapitalismus hat sich seine Gegner*innen wieder einverleibt, Vulnerability ist der Hype, Empathie ist jetzt ein Slogan und hey: Frau Merkel! Können wir bitte das weinerliche Gesicht loswerden? Wir brauchen einen Anführer, keine Nanny! #freedom #MyLifeMatters #ReOpenDieFriseursalons

Mit: Niko Eleftheriadis, Sivan Ben Yishai

Regie: Marie Bues
Video: Marie Bues, Niko Eleftheriadis
Produktion: Kunstfest Weimar
Koproduktion: Theater Rampe Stuttgart

*Frank Castorf, Der Spiegel, 28.4.2020


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Launiges Corona-Kabarett vor der 2. Welle
  · 17.10.20
Das SPIEGEL-Interview von Frank Castorf, das Ende April so hohe Wellen schlug, kommt in dieser kleinen Performance, die Marie Bues als Koproduktion des Theaters Rampe mit dem Kunstfest Weimar schuf, erst gegen Ende vor.

Leitmotiv der knapp 40 Minuten ist die Geschichte einer Entmietung: ein Investor kauft das Haus in der Altstadt von Esslingen auf, in dem Nikos Eleftheriadis mit seiner Mutter wohnt. Ein Jahr haben sie Zeit, eine neue Wohnung zu finden. Doch dann kommt der Corona-Lockdown.

Die performative Collage, deren Autorin Sivan Ben Yishai mit Eleftheriadis gemeinsam auf der Bühne steht, ist ein launig-kabarettistischer Rückblick, geprägt von der relativ sorglosen Stimmung des Sommers, als die Warnungen vor einer 2. Welle im Herbst von vielen verdrängt oder lächerlich gemacht wurden.

Eingestreut in die Erzählung von der Wohnungssuche sind Rückblicke auf die ersten Meldungen aus Wuhan, die unvermeidlichen Klopapier-Hamsterwitzchen und die ersten Lockerungen des Frühjahrs. Der kleine Abend plätschert unterhaltsam dahin, so als wäre Corona nur noch eine ferne Erinnerung.
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