Ursli & Toni Pfister als Cindy & Bert

Bewertung und Kritik zu

URSLI & TONI PFISTER ALS CINDY & BERT
So, als ob du schwebtest
Premiere: 6. November 2019 
Tipi am Kanzleramt, Berlin

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Zum Inhalt: Ursli & Toni Pfister laden zur großen "Samstagabendshow" und nehmen uns mit in die Schlagerwelt der 1970er Jahre. Es wird pompös: An die 60 Kostüme und 20 Perücken wurden gefertigt, um in den Kulissen zu glänzen. Ein Fernsehchor und ein Fernsehballett unterstützen die beiden Verwandlungskünstler, musikalisch angefeuert und getragen von der diesmal siebenköpfigen Jo Roloff-Band. 

Exemplarisch für das Schlagergeschäft dieser Zeit, steht das Duo "Cindy & Bert" im Mittelpunkt der Show. Nach Pfisterscher Manier in liebevollen Details porträtiert, authentisch und augenzwinkernd. Dabei blitzt hinter der vermeintlich harmlosen Retroshow das absurd-monströse Zerrbild der Entertainmentindustrie. Zwischen perfekter Imitation und bösartiger Parodie entlarven die Pfisters ganz nebenbei das verlogene Image der Unterhaltungsbranche, ohne je den Respekt vor den einzelnen Akteuren zu verlieren – eine hingebungsvolle Anverwandlung bis zur erschreckenden Kenntlichkeit, wie es nur Ursli & Toni Pfister können. 

Musikalische Leitung: Johannes Roloff 
Kostüme: Heike Seidler 
Bühne: Stephan Prattes 
Perücken: Benjamin Kiss & Urte Kusserow 
Fotos und Grafik: Fokke Hoekman 
Choreografien und Co-Regie: Danny Costello 


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
Ein normaler Samstagabend in den 70-er Jahren, es läuft die musikalische Familienshow im ZDF. "So, als ob Du schwebtest" - eine Fernsehshow, bei der sich die ganze Familie vor dem Fernseher versammelt.
Na, klingelt es bei Euch? Ich muss ehrlich zugeben, dass mir persönlich das in Deutschland beliebte Musik-Ehepaar Cindy und Bert vor der Show nichts gesagt hat. Allerdings bin ich seit der legendären Show „Frau Luna“ ein sehr großer Fan der talentierten
Geschwister Pfister. Aus diesem Grund musste ich einfach auch am Freitag, den 29. Oktober 2021, um 20 Uhr ihre neue und fast ausverkaufte Show im Tipi am Kanzleramt besuchen: „Cindy und Bert - So, als ob du schwebtest“.

Ursli Pfister (Christoph Marti) als Cindy und Toni Pfister (Tobias Bonn) als Bert – das musste einfach gut werden! Und eins darf ich schon vorab verraten: Unter der künstlerischen Leitung von Christoph Marti und der Produktionsleitung von Tobias Bonn war die musikalische Tanz-Parodie-Show "Cindy und Bert" phänomenal! Wir wurden für drei Stunden (mit Pause) in die Schlagerwelt der 70-er Jahre entführt, in der alles perfekt schien, aber doch nicht war.

Die für mich mal wieder überragenden Pfister-Geschwister haben auch in dieser Show perfekt ihre Rolle interpretiert: die des musikalischen Vorzeige-Schlagepaars Cindy und Bert. Und unter der musikalischen Leitung von Johannes Roloff (Piano/Keyboards) wurden alle bekannten Hits ds Duos überzeugend dargeboten. „Immer wieder sonntags“, „So, als ob Du schwebtest", „Wir spielen vierhändig Klavier“, alle Evergreens wurden gespielt und gesungen. Mein Lieblingssong an dem Abend war "Hallo Herr Nachbar", der davon handelt, dass wir mehr Liebe, Freundlichkeit und Humor in der Welt benötigen – auch heute noch sehr aktuell.

Die Stimmen der Pfister-Geschwister waren wie immer kraftvoll, auch die Musik der Band (Gitarren: Gary Schmalzl, Bass: Jürgen Schäfer, Drums: Immo Hofmann, Trompete: Vit Polák, Posaune: Daniel Busch und Till Krause, Saxophone und Klarinette: James Scannell und Frank Lüdecke) war mitreißend.
Die Zuschauer wurden von der ersten Sekunde an von Tobias Bonn und Christoph Marti abgeholt und sangen mal lautstark, mal leise mit. Das Publikum klatschte und hüpfte wie ich begeistert auf seinen Sitzen. Da ich mich vor der Show mit dem Schlagerduo Cindy und Bert ausführlich beschäftigt hatte, konnte ich erkennen, dass Tobias Bonn und Christoph Marti Cindy und Bert fehlerfrei imitierten. Ihre Gestik und Mimik waren bis ins kleinste Detail meisterhaft übernommen. Es stimmte bei den beiden alles, man glaubte Cindy und Bert auf der Bühne live zu erleben.

Doch nicht nur die beiden waren fantastisch, sondern auch der tanzende Chor. Auch hier waren die Stimmen makellos und die Choreografie von Danny Costello fabelhaft. Die singende Tanztruppe (Chiara Cook, Anke Merz, Carolin Schönemann, Robert Johansson und Tobias Stemmer) unterhielten grandios mit den Werbehits "Strahlerküsse schmecken besser" oder "Nuts hat's" das Publikum mit ihrem starken Gesang und fröhlichen Tanz in den „Werbeblocks“, wenn sich „Cindy und Bert“ wieder umgezogen haben. Die Jo Roloff-Singers parodierten mit ihrer naiven Gestik, ihrem Dauergrinsen und dem für die damalige Zeit typischen Hüftschwung prächtig die Künstlerwelt der 70-er Jahre. Zurecht gab es auch für sie begeisterten Applaus nach den einzelnen Nummern und am Ende.

Dass die Show so glaubhaft gestaltet werden konnte, hat man auch den detailgetreuen und liebevoll gemachten 60 Kostümen von Heike Seidler und dem silberweißen Bühnenbild mit der geschwungenen Showtreppe von Stephan Prattes zu verdanken. Zeitweise dachte man, dass man sich wirklich gerade in der Mainzer Rheingoldhalle und in der Zeit der großen Samstagabendshows befindet.
Doch Cindy und Bert wurden nicht einfach wertfrei in der Show imitiert, sondern durch die an manchen Stellen mit Absicht überzogene Parodie wurde das Publikum im Saal zum Lachen und damit auch zum Reflektieren gebracht. Mit viel Augenzwinkern und Humor wurden das damals existierende passive und untergeordnete Frauenbild und der weit verbreitete Chauvinismus hinterfragt. Als die Sängerin und Tänzerin Gundula von den Jo Roloff-Singers die Postkarte mit dem Einsendeschluss eines Gewinnspiels präsentiert, schaut „Bert“ ihr auf den Hinterteil und bemerkt lobend, dass Gundula so vielseitig sei. Eine Tatsache, die heutzutage zum Glück nicht mehr möglich wäre.

Mein Fazit: Die Show „Cindy und Bert - So, als ob du schwebtest“ ist eine Show der guten Laune! Egal, ob man Fan von der Musik von Cindy und Bert gewesen ist / ist, man erlebt fast drei Stunden lang eine perfekte Unterhaltung und verlässt das Tipi am Kanzleramt sehr gut gelaunt. Die brillanten Pfister-Geschwister, die Jo-Roloff-Singers und die Band zeigen sowohl respektvoll als auch sarkastisch die Schlagerwelt der 70-er Jahre und machen den Abend zu einem besonderen Erlebnis und die Show zu einem Must-See mit Suchtpotential! Bis zum 28. November 2021 könnt Ihr diese großartige Show mit einem „Gastauftritt“ im Tipi am Kanzleramt erleben.

Praktische Hinweise: Bis zum 9. November 2021 gilt an jedem Showabend die 3 G-Regel im Tipi. Ab dem 9. November 2021 werden Shows sowohl nach der 2 G- als auch nach der 3 G-Regel durchgeführt. Dann gilt jeden Dienstag und jeden Sonntag 2 G, an anderen Tagen 3 G.

Text © E. Günther ("Mein Event-Tipp")
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Lachhaft und hinreißend
  · 08.11.19
''Eine silbrige Showtreppe schwingt sich zum Himmel hinauf. Beim Kostüm überwiegen Textildrucke in grün. Im Übrigen: Zauberkunstwerke des Lockenstabs, Minipli und gefährlicher Koteletten-Befall. Wer da nicht Pickel kriegt, ist zu jung. Auch der Partner-Look ist wieder da! Schließlich basierten Erfolg und Harmonie des auch privat verbandelten Paares auf der Schwung holenden Scheidungswelle. Welch selbige die beiden im Jahr 1988 selbst erreichte.

Neun Wochen soll das nun spielen, was mutig ist. Trotz eines Gastauftrittes von Heino und einer Mixtur aus Maria Hellwig und Anneliese Rothenberger bleibt man der Personalityshow beeindruckend treu. Cindy: ganz singende Fönwelle. Bert: den Betriebswirt in sich nicht verleugnend. Eine Liebeserklärung an die schlimmsten Zeiten des deutschen Schlagers. Lachhaft und durchaus hinreißend.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf rbbKultur
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