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Bewertung und Kritik zu

DER GUTE MENSCH VON SEZUAN
von Bertolt Brecht
Regie: Peter Kleinert
Premiere: 15. November 2017
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin
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Zum Inhalt: Kann man dem Anspruch gerecht werden, ein »guter Mensch zu sein und doch zu leben«? Ist es möglich, sich moralisch aufrecht zu verhalten in einer Gesellschaft, in der überall Egoismus, Korruption, Ausbeutung und Gier nach mehr die Verhältnisse bestimmen? Und ist das Ziel, ein guter Mensch sein zu wollen, überhaupt legitim in einer Welt, in der nicht gleiche Rechte für alle gelten, sondern in der einige Besitz, Rechte und Privilegien genießen, Zugang zu Bildung, Wohlstand, Arbeit und Ressourcen haben, während andere ausgeschlossen, unterdrückt, diskriminiert oder versklavt leben? Bertolt Brecht schickt in seinem Parabel-Stück drei Götter auf der Suche nach guten Menschen in einer schlechten Welt in die chinesische Provinz Sezuan. Die junge Prostituierte Shen Te bietet ihnen ein Nachtquartier an, ohne dafür etwas zu verlangen und wird von ihnen mit Geld belohnt. Davon kann sie sich eine Existenz jenseits der Prostitution aufbauen, verspricht den Göttern, ein guter Mensch zu bleiben, und eröffnet einen Tabakladen. Doch schon bald müssen Rechnungen bezahlt werden, und Ärmere bitten Shen Te um Hilfe, Unterstützung und Asyl. Die Kosten explodieren und dem Laden droht der Bankrott. Shen Te ist gezwungen, sich ein Alter Ego zu erfinden. Sie verschwindet und kommt in Gestalt ihres Vetters Shui Ta zurück, der auf unternehmerische Härte statt auf Almosen setzt, die Bittsteller im Tabakladen als Arbeitskräfte anstellt, und so den Laden vor der Pleite rettet. Bald verliebt sich Shen Te in den Flieger Sun, der ebenfalls Geld braucht, und erwartet von ihm ein Kind. Noch dazu regt sich der Verdacht der anderen, und ihr doppeltes Spiel als gute, aber mittellose Frau und böser, aber wirtschaftlich erfolgreicher Mann droht aufzufliegen.

Mit: Laura Balzer, Jan Bülow, Mayla Häuser, Jan Meeno Jürgens, Tiffany Köberich, Frederik Rauscher, Leander Senghas, Lea Ostrovskiy, Lukas Walcher

Regie: Peter Kleinert
Bühne: Céline Demars
Kostüme: Susanne Uhl
Musik: Hans-Jürgen Osmers
Dramaturgie: Nils Haarmann

Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin

TRAILER


 
Meinung der Presse zu „Der gute Mensch von Sezuan“ - Schaubühne am Lehniner Platz


FAZ
★☆☆☆☆

rbb
★★★☆☆

nachtkritik
★★☆☆☆

Der Tagesspiegel
★☆☆☆☆

Die Welt
★★★★☆


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2.6/5 Insgesamt 7 Bewertungen (2 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Brecht-Parabel mit Patina
  · 15.11.17
Die holzschnittartige Kapitalismus- und Religionskritik hat einiges an Patina angesetzt. Auch die Musik von Paul Dessau wirkt aus der Zeit gefallen.
Deswegen fehlt dieser Arbeit der Witz und Esprit, mit dem die Vorgänger-Jahrgänge in „Mutter“ und „Dantons Tod“ überzeugten, die sie ebenfalls mit Peter Kleinert einstudierten. Das Stück wurde zwar auf 140 Minuten gekürzt, der Abend kommt aber nicht richtig in Schwung. Die Handbremse bleibt angezogen. Am Ende sehen wir betroffen die Frage offen, warum sich Kleinert und sein Jahrgang für diesen Stoff entschieden. Die Themen soziale Ungerechtigkeit und Ausbeutung sind zweifellos weiterhin drängend, wie auch der kurze Text des französischen Philosophen Alain Badiou unterstreicht. Brechts Parabel wirkt aber so altbacken und gibt den Spielerinnen und Spielern so wenig Chancen, ihr Können zu zeigen, dass es eine verschenkte Chance war.
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Von Menschen, Gutmenschen und Göttern
  · 13.05.18
''Die jungen Darsteller – allen voran Laura Balzer in der zentralen Titelrolle der Shen Te - verkörperten auf der Studiobühne einen Geist der Offenheit und Unbedingtheit in ihrem Tun. Die für das Drama komponierten kurzen Songs von Paul Dessau wurden rhythmisch in Punk-Musik übertragen. Arg aktionistisch gingen die Darsteller auch während der musikalischen Performances kraftvoll an ihre Grenzen. Insbesondere Mayla Häuser, Lea Ostrovskiy und Tiffany Köberich setzten als gelangweilte und desinteressierte Götter Akzente und überzeugten auch in anderen kleineren Rollen. Jan Bülow spielte den Zukünftigen Shen Tes ekelhaft selbstsüchtig mit grausamer Härte. Jan-Eric Meier übertrieb mimisch-gestisch etwas mit seiner zugewandten Darstellung des großzügigen Mäzens und Förderers Shen Tes. In Erinnerung blieb auch Lukas Walcher als Wasserverkäufer und Erzähler, der die Regieanweisungen sprach. 

Das Bühnenbild von Céline Demars zeigte stylish die Kühlschrankreihe von Shen Tes Ladenkiosk, und später wurde hier anhand Berliner Kindl-Bierkisten die unmenschlichen Arbeitsbedingungen von Shen Tes Cousin Shui Ta anhand einer industriellen Produktionsserie vorgeführt. Peter Kleinert traute sich (ähnlich wie Thomas Dannemann mit seiner 2011 am Staatstheater Stuttgart dargebotenen Neuinszenierung dieses Stückes) neue Deutungen von Brechts Werk herauszufordern. Dannemann ließ seiner Zeit den Großteil der Schauspieler in hautengen Lackfetischkostümen auftreten. Ideen und Meinungen bekamen somit einen fetischmäßigen Charakter, wurden beliebig und austauschbar. Dies erschien nicht banal, sondern spiegelte die Geisteshaltung unserer Zeit wider. Dagegen mutete Moritz Sostmanns Inszenierung des Dramas von 2013 am Schauspiel Köln mit dem Einsatz von Handpuppen als die Handlung zu sehr verniedlichend an. Bei der Vorführung an der Berliner Schaubühne blieb insbesondere die jugendliche Frische in Erinnerung, mit der die Figuren die Offenheit der zentralen Grundsatzfragen Brechts effektvoll verkörpern.'' schreibt Ansgar Skoda am 14. Mai 2018 auf KULTURA-EXTRA
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Schaubühne am Lehniner Platz
www.schaubuehne.de
Kurfürstendamm 153 - 10709 Berlin
Telefon: 030 890023

SPIELPLAN & KARTEN
3.1
Durchschnittsnote aller Stücke
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Kritiken: 124
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