Bewertung und Kritik zu

RICHARD III.
von William Shakespeare
Regie: Thomas Ostermeier
Premiere: 7. Februar 2015 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin

Zum Inhalt: Richard ist hässlich. Eine Frühgeburt, missgestaltet, humpelnd, bucklig, ein Krüppel, der auf den Schlachtfeldern der Rosenkriege, die nach dem Tod Heinrichs V. aufflammen, seiner Familie und vor allem seinem Bruder Edward gute Dienste geleistet hat. Jetzt ist Edward König, dank einiger Morde, die sein behinderter Bruder in Eigenregie begangen hat. Aber das Ende des Krieges bringt Richard keinen Frieden, zu tief sitzt sein Hass auf den Rest der Welt, zu dem er nie gehören wird. Und so tut er das, was er am besten kann und mordet weiter. Er räumt alles aus dem Weg, was ihn daran hindert, König zu sein. Wenn er schon nicht Teil einer Gesellschaft der vom Schicksal Begünstigten sein kann, will er sie wenigstens beherrschen.

Regie: Thomas Ostermeier 
Bühne: Jan Pappelbaum 
Kostüme: Florence von Gerkan 
Mitarbeit Kostüme: Ralf Tristan Sczesny 
Musik: Nils Ostendorf 
Video: Sébastien Dupouey 
Dramaturgie: Florian Borchmeyer 
Licht: Erich Schneider 
Puppenbau: Ingo Mewes, Karin Tiefensee 
Puppentraining: Susanne Claus, Dorothee Metz 
Kampfchoreographie: René Lay

Dauer: ca. 165 Minuten (keine Pause)


 
Meinung der Presse zu „Richard III.“ - Schaubühne


rbb
★★★★☆

taz
★★★★☆

nachtkritik
★★★★☆

Berliner Zeitung
★★★★☆


Der Tagesspiegel
★★★☆☆

Die Welt
★★★★★

Zitty
★★★★☆

tip
★★★★☆

FAZ
★☆☆☆☆

Bewertung und Theaterkritik Schreibe eine Kritik
3.9/5 Insgesamt 11 Bewertungen (2 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Studie über Macht und Gewalt: die Lars-Eidinger-Show
  · 07.03.15
{Ich finde den} Auftritt von Lars Eidinger als Richard III. gelungen: Wie er seine willigen Helfer kalt lächelnd abserviert, sobald sie ihm nicht mehr nützlich sind; wie er sich als frommer, demütiger Gottesmann gibt, der sich sehr lange bitten lässt, bis er den Thron und die Krone übernimmt; wie er das Publikum in seinen Monologen an seinen Plänen und Gedanken teilhaben lässt: das ist schauspielerisch überzeugend und dicht inszeniert, so dass auch pausenlose 150 Minuten nicht langatmig wirken.
Vor allem wird aber an Ostermeiers und Eidingers Richard III. deutlich, was Jan Philipp Reemtsma in seiner sozialwissenschaftlichen Studie Vertrauen und Gewalt an diesem Stoff faszinierte: Die Hauptfigur versteht es perfekt, mit geschickten Intrigen, klugen ad-hoc-Bündnissen und kaltschnäuziger Brutalität nach der Macht zu greifen. Aber er scheitert daran, stabile Bündnisse zu schliessen, um seine Macht dauerhaft zu legitimieren und abzusichern.
Shakespeares Richard III. ist neben Macchiavellis Der Fürst eine der wichtigen Studien über das Verhältnis von Macht und Gewalt aus der Ära, als die Fundamente der modernen Staatlichkeit gelegt und ihre Prinzipien ausgehandelt wurden. Nach Marius von Mayenburgs Übersetzung gelang Ostermeier eine überzeugende Inszenierung, die aus meiner Sicht zu den stärkeren Abenden dieser Spielzeit zählt. Weiterlesen
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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
die schaubühne schenkt uns den nächsten shakespeare-schatz
  · 12.02.15
ich hatte das glück vor der premiere einen dreistündigen probendurchlauf sehen zu können (für ein schaubühnengroupie natürlich ein totally musthave-event inklusive der gebührenden aufregung). seit gestern habe ich das stück ein zweites mal gesehen (final gekürzt auf 2 stunden 35) und bin im status "super-sog" wie schon bei hamlet. erhofft und bekommen, wow. natürlich konzentriert sich die regie zuallererst auf den hauptdarsteller, smart schaubühnenprinz lars eidinger, der am liebsten nur noch shakespeare spielen würde (bitte gern), und hier nach charming großmaul hamlet charming ekel richard verkörpert. und verkörpert trifft es so sehr. ob nun ästhetisch-nackt oder in corsage, mit quark im gesicht oder im schnittigen anzug, eidinger kriecht mal wieder in seine rolle rein, wird zu einem körperbetonten körperbenachteiligten machtwesen (hinkend, mit klumpfuß, schiefer buckliger schulter), inhaliert diesen unheimlichen richard, wird ganz zu ihm und verführt uns minute für minute auf sinnlichste weise. er ist hinreißend extrovertiert-introvertiert, ohne dass ihm eitelkeit alles verderben könnte. eidinger ist ein schauspieler mit antennen, der funkelt und funkt, kontakt zum publikum unbedingt will. und so können wir mitreisen durch die szenen, auf seinen schultern, in seinem rhythmus, können uns quasi festsaugen an seiner mimik und geschmeidigen körpersprache, mit ihm lachen, mit ihm verzweifeln, bei ihm sein für zweieinhalb stunden.
die rolle kann noch so ein ekelpaket vorführen, eidinger liebt man (und frau, klar). ich als schaubühnengroupie sowieso. ich habe bisher keinen schauspieler auf der bühne gesehen, der mehr gibt und mehr will von seinen gern gebannten zuschauern, und das so scheu-charmant, dass man nicht nein sagen kann (und auch gar nicht will).
so wurde er durch soul-daddy ostermeier erst zu hamlet, so wurde er nun zu richard, dem er auch wieder seinen eigenen eidinger-soul-flow verpasst. zwischen unschuldig-dreinblickend (sich stets umschauend und vergewissernd, auch bei uns) bis angewidert, weinerlich, rachsüchtig, verführerisch, rappend, fluchend, intrigierend und schließlich erschöpft. am ende hängt er von der decke und das licht geht aus.
das großartige ensemble um eidinger darf bei hamlet mehr agieren und verharrt hier oft in den rollen (allerdings ist richard auch ein werk vom jungen shakespeare und die untiefen können fehlen). und so stellen sich die schauspielgefährten auf um richard eidinger, auch in mehrfachrollen, um diesem umstrittenen allesbeherrscher eine vitale fläche zu bieten, an der er sich entfesseln kann. wunderbar und danke. jenny könig weint sogar, eva verzweifelt so schön, robert beyer als königin margaret verflucht alles und jeden in einem giftigen spektakel vom obersten balkon. hinreißend sind auch die holzpuppen-jungs mit den lieben augen, die zwei prinzen darstellen und von ensemblemitgliedern bewegt und gesprochen werden.
im fast schon intimen kleinen saal c beeindruckt auch die globe-atmende konstruktion der in die höhe geschossenen bühne, wir drumherum in den halbkreis-reihen, mal wieder viel erde auf dem performance-boden, auf dem die dramen wüten, dazu eklektischer sound (mit live-schlagzeuger thomas), ein paar schicke videokünstlereien.
man trägt die bildgewaltigen szenen mit hinaus. in die nacht, im herzen. auch richard werde ich nochmals sehen wollen. so wie hamlet. die intensiven momente, die man hier live erlebt, sind ein großer (schaubühnen)schatz.
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SPIELPLAN & KARTEN
3.1
Durchschnittsnote aller Stücke
5 29
4 88
3 64
2 49
1 32
Kritiken: 97
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