Kritik und Bewertung zu

PROFESSOR BERNHARDI
von Arthur Schnitzler
Regie: Thomas Ostermeier
Premiere: 17. Dezember 2016 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin

Internist Bernhardi, Direktor einer renommierten Privatklinik, verweigert einem Pfarrer den Zugang zum Zimmer einer Patientin, der dieser die Sterbesakramente spenden möchte. Im Endstadium einer tödlichen Blutvergiftung, Folge einer unsachgemäßen Abtreibung, deliriert die junge Frau, sie sei völlig geheilt. Bernhardi hält es für seine ärztlich-humanistische Pflicht, ihr ein »glückliches Sterben« zu ermöglichen und sie nicht aus dieser Illusion zu reißen. Der Pfarrer wiederum besteht auf seinem religiösen Auftrag als Seelsorger. Beide scheitern: Während sie diskutieren, verstirbt die Kranke – zuvor noch alarmiert durch das Pflegepersonal, das gegen den Willen des Arztes den Besuch des Pfarrers ankündigte.

Regie: Thomas Ostermeier 

Bühne: Jan Pappelbaum 
Kostüme: Nina Wetzel 
Musik: Malte Beckenbach 
Videodesign: Jake Witlen 
Bildregie: Matthias Schellenberg 
Kamera: Moritz von Dungern, Joseph Campbell, Florian Baumgarten 
Dramaturgie: Florian Borchmeyer 
Licht: Erich Schneider 
Wandzeichnungen: Katharina Ziemke

Trailer „Professor Bernhardi“ - Schaubühne am Lehniner Platz


 
Meinung der Presse zu „Professor Bernhardi“ - Schaubühne am Lehniner Platz


FAZ
★★★★☆

rbb
★★★☆☆

taz
★★★☆☆

nachtkritik
★★★★☆


Berliner Zeitung
★★★★☆

Der Tagesspiegel
★★★☆☆

Die Welt
★★★★★

Zitty
★★★★☆

tip
★★★☆☆

Bewertung und Theaterkritik Schreibe eine Kritik
3.7/5 Insgesamt 13 Bewertungen (4 mit Rezension)
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
elegant entspinnt sich eine interessante geschichte
  · 27.02.17
krankenhausweiße wände, eine junge frau schreibt mit bunter kreide an die wände und erklärt damit plakativ die raumsituation. zwischendurch hört man eine exzentrische geige spielen. mehr performance wird es nicht geben. ostermeier, der intendant der schaubühne, konzentriert sich nur auf die vorlage von arthur schnitzler. die er mit 2.45 stunden angesetzt hat (ohne pipipause wie im kudammtheater). seine kult-inszenierung „hamlet“ mit schaubühnenprinz eidinger strotzte nur so vor extrovertiertheit, ob diese neue ruhe bannen kann? jörg hartmann, der tatort-kommissar faber als zerquälten sturkopf interpretiert, ist der jüdische prof. bernhardi. ein entschlossener, ruhiger arzt, der seine überzeugungen klar vertritt. und dann spinnt sich das drama zusammen. eine junge frau liegt im sterben und halluziniert glückseligkeit, doch der junge pfarrer wurde schon gerufen um sie seelisch zu erlösen. bernhardi ist strikt dagegen, doch eine beflissene krankenschwester hat der patientin die ankunft mitgeteilt und ungewollt einen schock ausgelöst, den tödlichen. bernhardis entschluss im sinne der sterbenden patientin wird noch auf ihn zurückfallen. man interpretiert vorsätzlich die begegnung des pfarrers mit dem arzt als heftigen zusammenprall von christen- und judentum. das thema anitsemitismus keimt. und die maschinerie der von geldern und sponsoren abhängigen privatklinik setzt ein. wer ist freund, wer feind, wer will seinen einfluss steigern, wer wird zum wichtigen zeugen? das groß aufgestellte und authentisch agierende ensemble hat ostermeier in seinen ihm eigenen fluss gebracht. so erzählt sich die politisch zündelnde geschichte reigen. allerdings kocht kein konflikt wirklich hoch. die taktiererei der verschiedenen kontrahenten vermeidet einen spannenden ausbruch. auch bernhardi bleibt besonnen, wenn er auch fassungslos ist. hans-jochen wagner, der im tv an der seite von kommissarin heller den nervenstarken partner gibt, und souverän wie hartmann spielt, ist hier prof. flint aus dem gesundheitsministerium. der windet sich, kann seinen früheren freund nicht unterstützen und bleibt dabei, seine eigenen interessen zu begründen und zu verfolgen. in der schluss-sequenz wird ein geschmeidiger christoph gawenda als ministerialrat winkler, büro flint, der finale gegenpart zum ratlosen bernhardi, der sogar ins gefängnis musste. winkler kann die entscheidung verstehen, glaubt aber nicht daran, dass man jemals alles richtig machen kann. mit diesem vernunftorientierten kommentar endet ein interessanter abend, dessen regie den spannungsbogen halten konnte, auch wenn dieser nicht so fesseln wollte.
@ schaubühne: inszenierungen von mehr als zweieinhalb stunden sind in diesem kompakten theater auszuhalten, da man hier einen angenehmen komfort erwarten kann. die nüchterne bestuhlung ist für erwachsene tauglich und durchaus bequem. da die zuschauerreihen wirklich ansteigen, ist überall gute sicht garantiert. über die akustik lässt sich streiten, auch über den zustand der toiletten, aber diese sind wenigstens zahlreich und man kann gratis auch noch schnell seine sachen in metallene schränken verstauen. auch die tafel für übertitel war so installiert, dass ein mitlesen störungsfrei möglich war. all diese faktoren sind nicht unwichtig, wenn man ins theater stiefelt und einen abend lang in diese welt eintauchen will!
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Übertriebene Verliebtheit in Videospielereien
  · 19.12.16
''Um die Aufführung aufzupeppen, regiert hier eine übertriebene Verliebtheit in Videospielereien. Kamera-Fritzen auf der Bühne. Sogar die Sterbende, zu der der Priester nicht vordringen soll, sieht man im Großformat projiziert.'' schreibt Peter Hans Göpfert auf kulturradio.de
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PROFESSOR BERNHARDI
  · 18.12.16
Jörg Hartmann spielt die Titelfigur Professor Bernhardi bei seiner Rückkehr an die Schaubühne – hier war er von 1999 bis 2009 Ensemble-Mitglied – als Gegenentwurf zu seinen Auftritten als „Faber“ im Dortmunder „Tatort“: während er im Sonntagabend-Krimi als rüpelhaft-prolliger Neurotiker nervt, durfte er am Samstag an der Schaubühne einen klug formulierenden, kühl abwägenden, vorsichtig argumentierenden Arzt spielen. Eine interessante Besetzung gegen den Strich und das TV-Klischee!
Mit diesem Bernhardi nimmt es trotzdem kein gutes Ende: die politische Stimmung dreht sich, die Liberalen wollen ihn als Symbolfigur für ihre politischen Ideen instrumentalisieren. Er wird als Spielball der Interessen hin und hergeschoben und bekommt am Ende von Ministerialrat Dr. Winkler (Christoph Gawenda in einer kleinen, aber eindrucksvollen Rolle) an den Kopf geworfen, dass er ein „Rindvieh“ sei. Bernhardi starrt einsam und ratlos vor der sterilen, weißen Klinikwand, die Jan Pappelbaum auf die Bühne stellte, ins Publikum.
Der kurvenreiche Schluss ist schon bei Schnitzler der schwächste Part und fällt auch bei Ostermeier ab. Bis dahin erlebt das Publikum ein gut gemachtes Konversationsdrama, das an die Redeschlachten des französischen Kinos erinnert, das zum Nachdenken über das Wesen politischer Intrigen anregt und zugleich gut unterhält. Weiterlesen
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Was lernen wir aus einem Schnitzler-Stück?
  · 18.12.16
''Das Wunder dieses Stückes resp. dieser Inszenierung ist, dass man voll konzentriert und neugierig an all dem Vorgetragenen verhaftet bleibt also nicht (und an keiner Stelle dieser pausenlosen fast 3stündigen Betextungsorgie!) auszusteigen droht; das muss dem Ostermeier nebst den 15 irre gut spielenden Schauspielern erst einmal jemand nachmachen!!! Ein Staatsereignis.'' schreibt Andre Sokolowski am 18. Dezember 2016 auf KULTURA-EXTRA
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3.1
Durchschnittsnote aller Stücke
5 29
4 86
3 64
2 49
1 32
Kritiken: 97