Die Affen

Bewertung und Kritik zu

DIE AFFEN
von Marius von Mayenburg
Premiere: 11. März 2020 
Schaubühne am Lehniner Platz Berlin 

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Zum Inhalt: Was, wenn die Evolution in eine Sackgasse geraten wäre? Wenn es an der Zeit wäre, umzukehren? Rupp hat den Glauben an die Menschheit verloren. Er schert aus und legt den Rückwärtsgang ein. Vor den Augen seiner Mitmenschen entwickelt er sich zurück. Seine Familie versucht noch, ihn zu überzeugen, das Fell, das ihm wächst, zu rasieren oder wenigstens unter Kleidung zu verstecken. Aber auch seine Sprache verändert sich, sein Verhalten nimmt immer animalischere Züge an, er krümmt sich, verliert den aufrechten Gang und schwingt sich am Straßenrand von Baum zu Baum. Gleichzeitig wird auch die triebhafte Gefühlswelt des Menschen-Affen für seine Mitmenschen immer mehr zur Belastung. Kümmern sich zunächst noch Ärzte um ihn, wird er zunehmend zu einem Fall für die Biologie und schließlich zum zoologischen Phänomen. Man will ihn heilen, ihn verstehen, töten, retten, analysieren, sich mit ihm fotografieren, ihn befreien, ins Weltall schießen und nach seinem Tod ausstopfen. Aber sein radikaler Ansatz der menschlichen Selbstabschaffung bleibt kein Einzelfall. Es häufen sich die Anzeichen, dass andere Menschen seinem Beispiel folgen, sie klettern von den Fassaden, sitzen auf den Autodächern und plündern in Horden die Supermärkte. Die urbane Infrastruktur droht zusammenzubrechen. Rupp hat keine Revolution vom Zaun gebrochen – es ist eine Devolution, die Umkehr der Evolution, und der Rest der Menschheit muss reagieren, bevor es zu spät ist. 

Mit: Robert Beyer, Jenny König, Genija Rykova, Mark Waschke

Regie: Marius von Mayenburg
Bühne und Video: Sébastien Dupouey
Kostüme: Anneke Goertz
Musik: Oliver Urbanski
Dramaturgie: Maja Zade
Licht: Erich Schneider


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Als Komödie zu moralisch
  · 14.03.20
''Mayenburg stellt eine gewichtige Frage in Zeiten von Klimawandel und Globalisierung: Wie kann ein alternatives Leben aussehen? Doch so, wie der Autor und Regisseur das Thema verhandelt, führt es keinen Schritt weiter.

Mayenburg war bislang ein Autor von grotesken Komödien, mit denen er am Firnis der bürgerlichen Wohlstandswelt gekratzt hat. Eine gewisse Plakativität und Pauschalität war dabei Teil des Konzepts. Mit den "Affen" jedoch hat er sich weit von der Komödie fortbewegt: Die ersten humoristischen Szenen führen geradewegs in die Apokalypse. Für eine Komödie sind Stück und Inszenierung zu moralisch. Für eine ernsthafte Auseinandersetzung aber zu undifferenziert, die Figuren zu stereotyp.

Dass die Lösung nicht darin liegen kann, die Menschen wieder auf Bäume klettern zu lassen, ist nun wahrlich keine überraschende Pointe. Doch Mayenburg exerziert das Exempel, als habe er tatsächlich an die Affen als Rettung der Menschheit geglaubt.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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Plakative Dystopie
  · 11.03.20
Marius von Mayenburg erzählt in seiner Dystopie vom Scheitern der menschlichen Zivilisation.Sehr plakativ und mit erhobenem Zeigefinger, mit weniger Humor  als bei seinen letzten Uraufführungen an der Schaubühne.

Rupp (Robert Beyer) hat es gründlich satt: seine Familie, den Kapitalismus, die neo-koloniale Ausbeutung von Rohstoffen, die Klimakrise. Deswegen beschließt er, mit allem Schluss zu machen und die Evolution zurück zu drehen. Er entwickelt sich zum Affen: zum verständnislosen Entsetzen von Frau (Jenny König), Sohn (Mark Wascke) und Tochter (Genija Rykova, die bis zum Ende der vergangenen Spielzeit am Münchner Residenztheater engagiert war). Für Forscher und Medien ist er dagegen die Sensation und eine Projektionsfläche für ihre Hoffnungen und Ängste.

Der Abend führt vor, wie sich nach und nach auch alle anderen in Affen zurückverwandeln. Jenny König ist die letzte Bastion, sie träumt in einem längeren Monolog noch einmal davon, dass sich der Mensch mit moderner Technik die Erde untertan macht. Aber auch ihr verrutschen mitten im Text immer öfter die Silben und Wörter, bis auch sie nur noch unverständliche Laute ausstoßen kann.

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