Der kaukasische Kreidekreis

Bewertung und Kritik zu

DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS
von Bertolt Brecht
Regie: Peter Kleinert
Premiere: 12. Dezember 2019
Schaubühne am Lehniner Platz Berlin 

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Zum Inhalt: Wer hat ein Anrecht auf die Welt? Brechts Parabel über die Frage ob »da gehören soll, was da ist, denen, die für es gut sind« erzählt mit den Mitteln des epischen Theaters eine Geschichte über Verantwortung, Menschlichkeit und einen utopisch vernünftigen Umgang mit Eigentum. Rebellion in Grusinien: Die Fürsten putschen gegen den Großfürsten und seine Gouverneure. Der mächtige und reiche Gouverneur A. wird hingerichtet. Seine Witwe kann entkommen. Sie hat eilig einige Besitztümer zusammengerafft, darüber allerdings ihren neugeborenen Sohn vergessen – auf den bereits ein Kopfgeld ausgesetzt ist. Doch die Magd Grusche hat Mitleid mit dem Baby. Sie gibt es als ihr eigenes aus und flieht mit ihm in die Berge, gehetzt von den sie verfolgenden Soldaten. Grusche verteidigt den kleinen Jungen Michel, bringt ihn durch die Gefahren und Wirren des Krieges, beschützt ihn vor allen Widrigkeiten und heiratet schließlich sogar einen sterbenskranken Bauern, um das Kind zu legitimieren. Längst hat sie Michel an Kindes statt angenommen, sorgt für ihn, zieht ihn auf wie den eigenen Sohn. Doch plötzlich ist der Krieg vorbei. Der Bauer steht kerngesund vom Sterbebett auf, der Großfürst kehrt zurück und mit ihm auch die Witwe des Gouverneurs. Sie fordert nun ihren Sohn als Erben all ihrer Besitztümer zurück. Wem gehört das Kind? Steht biologische Elternschaft über sozialer? Azdak, ein meist betrunkener Dorfschreiber mit einem Herz für die Armen, der in den Zeiten der Anarchie und des Chaos auf den Richterstuhl gelangte, muss nun das Urteil fällen: Im Kreidekreis entscheidet sich, wer die wahre Mutter ist.

Mit: Max Haase, Janek Maudrich, Johannes Scheidweiler, Philine Schmölzer, Lotte Schubert, Malaya Stern Takeda, Luise Emilie Tschersich, Alexander Wertmann

Regie: Peter Kleinert
Bühne: Céline Demars
Kostüme: Arianna Fantin
Musik: Hans-Jürgen Osmers
Dramaturgie: Nils Haarmann
Mitarbeit Dramaturgie: Marcus Peter Tesch

TRAILER


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Neuere Postdramatik: Text als loses Spielmaterial
  · 13.12.19
''Einziger Rahmen und Rhythmus der Inszenierung bildet die Live-Musik und das chorische Sprechen. "Musik von Paul Dessau", heißt es im Programm, doch davon ist wenig zu hören. Hans-Jürgen Osmers schlägt am Klavier gemeinsam mit den Spielern mal jazzige Rhythmen an, häufiger Sprechgesang.

Wäre da nicht die Musik, zerfiele der Abend gänzlich in seine Splitterszenen, Unterbrechungen und kommentierenden Einzelteile – etwa wenn Brechts Stimme eingespielt wird, die Schauspieler bei den Proben korrigiert. Hier wird weniger episches Theater gespielt als neuere Postdramatik, die den Text als loses Spielmaterial begreift.

Welches Anliegen Kleinert mit dem Abend verfolgt, was ihn für den Stoff begeistert, bleibt unklar. Über rechtmäßige Besitzverhältnisse damals und heute erzählt die Inszenierung jedenfalls nichts. Unterhaltsam geraten die gut zwei Stunden mit so unterschiedlichen jungen Spielerinnen und Spielern dennoch.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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