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Bewertung und Kritik zu

ABGRUND
von Maja Zade
Regie: Thomas Ostermeier 
Premiere: 2. April 2019 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: Ob sich das Wasser mithilfe von bunten Kristallen an seinen ursprünglichen Zustand erinnern kann, ob Tapeten die Wände zusammenhalten, ob es »Flüchtlinge« oder »Geflüchtete« heißt, ob man mit einer Hochzeit die anderen ausgrenzt, ob man als Hundebesitzerin leichter schwanger wird, ob in einer offenen Beziehung immer einer leidet und es daneben ist, wenn man auf einer Party eine Jogginghose trägt, wo man Dinkel kauft und wo Lavendel, ob ein Sabbat-Dinner für Atheisten ein Erlebnis ist, ob die Trüffelsuppe mundet, der Wein im Abgang nach Stachelbeere schmeckt und das Fleisch zart ist, ob die alptraumhafte, kannibalische Filmszene wirklich schon wieder nacherzählt werden muss, ob man heute noch oder wieder »prima« sagen kann: Beim Abendessen von Bettina und Matthias wird mit den Freundinnen und Freunden jedes Thema, ob wichtig oder unwichtig, diskutiert, während im Nebenzimmer die kleine Tochter Pia und das Baby Gertrud friedlich wie Engel schlafen … Unter der glatten Oberfläche der sich immer wiederholenden Phrasen und Gesprächsklischees der aufgeklärt-gebildeten Mittelschicht entwirft »abgrund« das Szenario der größten anzunehmenden Tragödie und lässt den Schrecken aus der Angst in die Wirklichkeit treten. Die Reaktion ist Schockstarre, bodenloser Small Talk, Verdrängung und die Hoffnung, alles sei nur ein Gedankenspiel gewesen.

Mit: Christoph Gawenda, Moritz Gottwald, Jenny König, Laurenz Laufenberg, Isabelle Redfern, Alina Stiegler

Regie: Thomas Ostermeier
Bühne und Kostüme: Nina Wetzel
Video: Sébastien Dupouey
Musik: Nils Ostendorf
Sounddesign: Jochen Jezussek
Dramaturgie: Maja Zade
Licht: Erich Schneider 

TRAILER


 
Meinung der Presse zu „abgrund“ - Schaubühne am Lehniner Platz


rbb
★★☆☆☆

nachtkritik
★★☆☆☆

Berliner Zeitung
★★☆☆☆


Die Welt
★★★★☆

Zitty
★★★☆☆

tip
★★★★☆

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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Ausgeklügelt inszeniert
  · 03.04.19
''Die Inszenierung ist raffiniert. Das Stück ist in Szenensplitter aufgeteilt. Die Handelnden agieren um einen riesigen luxuriösen Küchenquader herum. Alles glänzt. Auf den Hintergrund werden oft Stichworte projiziert – wie "Küche", "offene Beziehung", "Atheist". Manche Szenen sind sekundenkurz, andere länger. Vor der Szenerie hängt oft ein Gazevorhang. Dahinter wird gespielt – was so eine Art Laborsituation erzeugt. Manchmal hebt sich der Vorhang, dann treten einzelne Figuren schärfer hervor. In der Zeit wird gesprungen, es gibt Vor- und Rückblenden, das ist – auch durch Video und Musik – sehr filmisch. (...)

Am Ende steht diese Frage: Was kann und soll Theater? Und: wie weit darf Theater mit Effekthascherei gehen, um Spannung zu erzeugen. Durch den Video- und Musikeinsatz entwickelt Thomas Ostermeier im Verlauf des Geschehens sowas wie einen Psychothriller – und das ist denn doch etwas zu billig. Da verschwindet dann nämlich das anfangs scheinbar angepeilte Nachdenken über gesellschaftliche Defizite. Man wendet sich mit Grausen von den vorgeführten Monstern in Menschengestalt. Beruhigend sagt man sich, dass man selbst nicht so ist. Das mag ein böser Irrtum sein. Doch die Inszenierung mit ihrem technischen Bombast deckt die so wichtige Frage genau danach, ob man selbst auch so ist, krachend zu.'' schreibt Peter Claus auf kulturradio.de
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Holzschnittartige Abrechnung mit gutsituierten Pärchen beim Abendessen
  · 02.04.19
Den gutsituierten Pärchen, die beim Abendessen mit ihrem erlesenen Geschmack prahlen, hält Hausdramaturgin Maja Zade in ihrem zweiten Stück, das an der Schaubühne uraufgeführt wird, den Zerrspiegel vor.

Auslöser für „abgrund“ waren das Gepose und die banalen Small-Talk-Gespräche, die Zade bei mehreren Einladungen in ihrem Freundeskreis erlebte. Ihre Textfläche kopiert das Partygeplauder und distinguierte Getue, erst der regieführende Intendant Thomas Ostermeier verteilte die Sätze und Gesprächsfetzen auf die Figuren.

Nina Wetzel baute ihm eine schicke Designerküche auf die Bühne, an der sich zwei Pärchen, ein ewiger Single und ein homosexueller Künstler in gepflegter Langeweile und mehr oder minder unterhaltsamen Anekdoten ergehen. Ach, wie oberflächlich ist diese Schicht, hämmern uns Ostermeier und Zade ein.

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abgrund
  · 04.04.19
''Die Männer kommen hier insgesamt etwas schlechter weg. Sie fallen den anderen ins Wort, geben den Erklärbär oder großen Anekdotenerzähler. Regisseur Ostermeier sperrt das gesamte Personal zumeist hinter einen Gazevorhang. Der Ton wird über Mikroports in effektvoller Stereophonie auf Kopfhörer übertragen. Das Publikum ist so einerseits ganz nah dran und doch auch weiter räumlich ausgeschlossen. Durch kurze an die Rückwand projizierte Zwischentitel wie „küche“, „heteros“, „zombie“, „nichts“ oder „prost“ werden die einzelnen Szenen voneinander getrennt. Wie ein roter Faden zieht sich aber das Kinderzimmer durch Stück und Inszenierung. Auch die Gespräche kommen immer mal wieder auf dieses Thema. Am Kindbett beteuern alle, wie süß doch die Kleine wäre. Die Mutter schwärmt geradezu davon, wie sie riecht. Das Kinderzimmer wird per Videogroßaufnahme mit dem klischeeaufgeladenen Setting des Abendessens überschnitten. 

Und dann geschieht das Unfassbare. Eins der süßen, eben noch schlafenden Kinder hat das andere wie einen unliebsamen Konkurrenten aus dem Fenster geworfen. Das ist ein zugegebener Maßen recht brutaler Kurzschluss des zunächst so unschuldig wirkenden Kinderzimmeridylls zum geschwätzigen Dinner. Begreifen kann man so eine Tat in der Realität sicher nicht. Ostermeier beginnt nun in den Zeiten vor und zurückzuspringen, lässt ganze Szenen rückwärts laufen oder Satzphrasen wiederholen. Hier dient das Unglück, der sich auftuende Abgrund als Metapher für das Fehlen von Empathie. Und auch die Gespräche der restlichen Gäste gehen danach sofort in eine aberwitzige Analyse anstatt den Eltern vorbehaltlos beizustehen. Man wertet, wo man doch echte Anteilnahme zeigen sollte. Und das nicht aus Unfähigkeit das Schreckliche zu begreifen, sondern aus der kompletten Ichbezogenheit heraus, die sich den ganzen Abend über zeigt. Ein Paar fällt hier ohne Wenn und Aber aus der Gemeinschaft und der Gewissheit absoluter Sicherheit. Die tragische Fallhöhe beträgt genau drei Stockwerke, um auf dem harten Pflaster der Realität anzukommen. Viel mehr Höhe oder Tiefe braucht es nicht. Das hier gezeigte, zu tiefst erschütternde Ergebnis würde das nicht wesentlich beeinflussen.'' schreibt Stefan Bock am 4. April 2019 auf KULTURA-EXTRA
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