März

Bewertung und Kritik zu

MÄRZ
nach Heinar Kipphardt
Regie: David Stöhr 
Premiere: 13. Februar 2019 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: Alexander März lebt seit Jahren in einer psychiatrischen Klinik. Diagnose: Schizophrenie. Dem jungen Arzt Kofler gelingt es, in behutsamer Annäherung mit ihm in Kontakt zu kommen und ihn zum Schreiben zu ermuntern. März wird Dichter. Er verliebt sich in die Mitpatientin Hanna und beide wagen gemeinsam den Ausbruch. Hanna wird schwanger und stürzt in eine Krise. Das Paar kehrt in die Anstalt zurück. Die beiden werden getrennt, ihr gemeinsames Kind nimmt man ihnen weg. März beharrt auf seiner »Verrücktheit«, verweigert sich dem Funktionieren in Familie, Schule und Fabrik, der Anpassung an die »Wettbewerbsfolter«. Am Ende setzt er sich in Christuspose auf einem benzingetränkten Holunderbusch selbst in Flammen.
Der Dramatiker Heinar Kipphardt wurde in den 1960er Jahren durch seinen Welterfolg »In der Sache J. Robert Oppenheimer« zu einem der Wegbereiter des Dokumentarischen Theaters. Angeregt vom Werk des schizophrenen Dichters Ernst Herbeck und von den Berichten des ihn betreuenden Psychiaters Leo Navratil beschäftigt sich Kipphardt in den 1970er Jahren intensiv mit dem Weltblick eines »Verrückten«, eines dichtenden Schizophrenen, aber auch mit der menschlichen Verelendung in psychiatrischen Einrichtungen. Es entstehen ein Fernsehfilm, ein Roman und ein Theaterstück. Mit der Figur des März entwirft Kipphardt, der selbst einige Jahre als Arzt in der psychiatrischen Abteilung der Berliner Charité gearbeitet hat, das Bild eines hoch sensiblen, verletzlichen Menschen, der unser Verständnis von gesellschaftlicher Normalität radikal in Frage stellt.

Mit: Veronika Bachfischer, David Ruland, Konrad Singer

Regie: David Stöhr
Bühne und Kostüme: Saskia Göldner, Holle Münster (Prinzip Gonzo)
Musik: Anton Berman
Dramaturgie: Dietmar Böck

TRAILER


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Minimialistischer Abend zu Anti-Psychiatrie-Debatten der 70er Jahre
  · 23.01.20
Das Stück ist einerseits eine Anklage gegen zu brutale Methoden der Psychiatrie, die in jenen Jahren starke Diskussionen entfachten. Zwei französische Vordenker der Psychiatrie-Kritik-Bewegung, Gilles Deleuze (gespielt von David Ruland) und Felix Guattari (Veronika Bachfischer), treten mit ihren Thesen in einem längeren Dialog an zentraler Stelle des Abends auf. Zum anderen versucht „März“, das Leiden des an Schizophrenie Erkrankten plastisch zu schildern. Konrad Singer spielt diesen Verzweifelten als über weite Strecken nackten Schmerzensmann voller nervöser Ticks, an seiner Seite Veronika Bachfischer als bleiche, apathische März-Geliebte Hanna.


Nach dem ungewöhnlichen Beginn, bei dem die beiden anderen Spieler*innen das hereintröpfelnde Publikum schon in zotteligen Fabelwesen-Kostümen, die an böse Geister erinnern, während David Ruland (als Arzt Kofler) mit Nebelmaschine bewaffnet die Bar und das Foyer aufmischt, findet der „März“-Abend keinen Rhythmus mehr. Recht schwerfällig schleppt sich die Inszenierung über 100 Minuten dahin, minimalistisch und spröde, eingezwängt zwischen dem Ballast jahrzehntealter Theorie-Debatten.

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