Ja heißt ja und …

Bewertung und Kritik zu

JA HEISST JA UND …
eine Lecture Performance von und mit Carolin Emcke
Premiere: 16. Dezember 2018 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: »Manchmal spürt man erst beim Schreiben, dass ein Text eine bestimmte Form sucht, dass die Worte nicht nur geschrieben, sondern gesprochen, gezeigt werden wollen, mehr noch: dass das, was man schreibt, den eigenen Körper betrifft, die eigene Haut, dass man einen Raum braucht, ein Theater, in dem man sich anders ausliefert, direkter und schutzloser.« 

Mit diesem Abend möchte Carolin Emcke über einige der Fragen nachdenken, die zuletzt durch die »#MeToo-Debatte« aufgeworfen wurden. Was sind die Bilder und Begriffe, welche Musik und welche Praktiken prägen unsere Vorstellungen von Lust und Unlust, wie bilden sich die Strukturen, die Muster, die Normen, in die hinein Männer und Frauen und alle dazwischen sich einpassen? Welche Hautfarben, welche Körper werden besonders in Zonen der Ohnmacht und des Schweigens verwiesen? Wie lässt sich Gewalt entlarven und verhindern, wie lassen sich Begehren und Lust ermöglichen? Welche Sprachen braucht es dafür, welche Räume, welche Allianzen? Mit heiteren, zornigen, poetischen, melancholischen Miniaturen versucht Carolin Emcke sich den vielschichtigen Facetten der Fragen von Sexualität und Wahrheit zu nähern.

Von und mit: Carolin Emcke
Video: Rebecca Riedel, Mieke Ulfig
Dramaturgische Mitarbeit: Bettina Ehrlich
Raum: Jan Pappelbaum


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Lesung von Miniaturen
  · 20.11.19
Nur knapp hundert Seiten schmal ist das Bändchen, das im Juni 2019 erschienen ist und auf der gleichnamigen „Lecture Performance“ von Carolin Emcke basiert.

Der Begriff „Performance“ ist etwas hochgegriffen. Es handelt sich eher um eine klassische, konzentrierte Lesung von Miniaturen, unterbrochen von kurzen Musikstücken (meist Klassik, selten Rap) und im Hintergrund begleitet von Videos (Rebecca Riedel, Mieke Ulfig).

Mit dem Zweifel und dem Ringen um Worte beginnt und endet der 90minütige Abend. Dazwischen reflektiert Emcke in dem ihr eigenen Duktus, der stets zwischen präzisen Sätzen und einem zum Teil etwas zu predigerinnenhaften Ton schwankt, über Begehren und Sexualität in Zeiten von #metoo.

Spöttisch-stirnrunzelnd fragt sie, warum der Bademantel als Accessoire in so vielen Horror-Storys übergriffiger Alpha-Männer von Strauss-Kahn über Wedel bis Weinstein auftaucht. Der Abend folgt bewusst keinem stringenten roten Faden, sondern umkreist mit kleinen Skizzen die öffentliche Debatte.
Meist bleiben die Texte auf der Meta-Ebene und grübeln soziologisch-geschult über fragwürdige Begriffsverschiebungen wie „Tugendterror“, die Emcke klug auseinandernimmt. Seltener wird der Abend auch sehr persönlich: Emcke berichtet, dass sie als junge Redakteurin vom Herausgeber angerufen wurde, der einen Artikel lobte. Ihr Ressortleiter fragte besorgt, ob sie vom kaum noch präsenten Patriarchen  eine Einladung nach Hause bekommen habe. In dem Fall hätte er darauf bestanden, sie zu begleiten, da zu viele Geschichten über Treffen mit anderen jungen Journalistinnen kursierten.

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