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Bewertung und Kritik zu

OPHELIAS ZIMMER 
Mit Texten von Alice Birch - Deutsch von Gerhild Steinbuch
Regie: Katie Mitchell 
Premiere: 08. Dezember 2015 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin

In Shakespeares »Hamlet« tritt Ophelia in fünf Szenen in Erscheinung. Ein Stück, das nur aus diesen Szenen bestünde, würde sich ziemlich unangenehm lesen: Einem jungen Mädchen wird gesagt, sie solle ihren Freund zurückweisen, wenn er mit ihr schlafen will. Sie erzählt ihrem Vater, wie ihr Freund gerade in ihr Zimmer gestürmt ist, sie am Arm gerissen und geschüttelt hat. Sie soll mit ihren privaten Briefen zum Palast gehen, um dort ihren Freund zu treffen und so zu tun, als seien sie allein, während der König und ihr Vater sie beobachten. Das Mädchen sieht sich ein Theaterstück an, das ihr Freund geschrieben hat, in dem er seinen Stiefvater und seine Mutter beschuldigt, seinen Vater umgebracht zu haben. Und das Mädchen trifft die Mutter ihres Freundes und ist nicht länger imstande, zusammenhängende Sätze zu sprechen und sich normal zu benehmen.

Regie: Katie Mitchell
Bühne und Kostüme: Chloe Lamford
Sounddesign: Max Pappenheim
Dramaturgie: Nils Haarmann
Lichtdesign: Fabiana Piccioli
Mitarbeit Regie: Lily McLeish
Künstlerische Mitarbeit: Paul Ready, Michelle Terry

Koproduktion mit dem Royal Court Theatre London.

Dauer: ca. 120 Minuten


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
ermüdende szenen aus ophelias trostlosem leben im kargen zimmerlein
  · 21.12.15
und dann macht es wieder pling. pling, pling, pling!
die herbe regisseurin katie mitchell, die mit "forbidden zone" oder "die gelbe tapete" mit ungewöhnlicher regie bestach, hat ihr gängiges konzept aus live-vertonung, kamera-sause-fahrten und verschachtelten kulissenräumen bei "ophelias zimmer" auf ein minimum reduziert. leider. die szenischen momente trennt ein stetes "pling" aus dem off, das einen irgendwann eeeetwas in den wahnsinn treibt. ophelias wahnsinn steigert sich ebenso, wie bekannt.
mitchell hat ein kahles, fast klösterliches mädchenzimmer entworfen, es knöcheltief versenkt (und lässt es später mit wasser fluten). ein metallenes bett, ein schränkchen, noch eins, ein trutschiger sessel. rotblondschopf jenny könig, die auch in "hamlet" seit einer weile die ophelia leidensvoll gibt, übernimmt auch hier die ewige opferrolle. die rehaugen erstarren, wie so oft, die verzweiflung wächst im kindlichen gesicht, wie so oft. viel zu sagen hat ophelia uns nicht. aufstehen, anziehen, sticken, hinlegen, zudecken, aus dem imaginären fenster schauen, einem käuzchenschrei lauschen, schuhe an, schuhe aus. "blumen" sagen, als das zimmermädchen ihr wie jeden tag frische bringt. die blumen angewidert wegwerfen. der vater ruft ab und zu ihren namen, ophelia horcht auf, zieht die schuhe mal wieder an, stürmt aus ihrem bühnenzimmer hinter die kulissen. wohin und warum, keine ahnung.
hamlet sendet kassetten mit liebesschwüren, mal zärtlich, mal geil. das  brave mädchen hört sich diese leicht erschrocken immer wieder an. mama spricht aus dem off tröstliches und warnendes an ihr kind.
das war es dann auch schon an weiteren erkenntnissen zu shakespeares nebenfigur. ophelias alltag ist trostlos, ihre seele verloren, eine erlösung gibt es nicht.
wir schauen zu und fühlen das gleiche. das kann man jetzt als clou der high-level-regisseurin verkaufen, nur wenn dieses sensationelle konzept nicht zündet, verabschieden sich die zuschauer lieber, innerlich und äußerlich. (im dunkeln flüchten so einige erschöpft, ein herr mit bart rastete zwischendurch mal kurz verbal aus mit "so ein scheiß!", schaffte es aber auch nicht zu gehen.) wer eher im rechten block sitzt, hat nicht einmal die chance wenigstens den mitchell-kultigen "geräuschekasten" zu beobachten, in dem renato schuch mit den dunklen locken und dem durchdringenden blick über steinchen läuft, texte raunend spricht (die von hamlets vintage-kassetten), türen öffnet und wieder schließt (was der regisseurin sehr wichtig zu sein scheint).
mr. renato ist der einzige, der sich an dem abend voll konzentrieren mag und mit seiner energetischen aura bannt. die lethargie bei den zuschauern setzt trotzdem ein, die monotonie der szenen ist der unendliche trübsinn.
renato stürmt auch mal die hauptkulisse, in das zimmer des scheuen mädchens. gibt einen aggressiv-verliebten hamlet mit dominanter aura, performt einen angespannten balz-tanz zu "love will tear us apart" von joy division und kassiert erlösten szenenapplaus vom in lethargie unerlösten publikum, das die 120 minuten tapfer zählt. dann hält uns wieder das stete "pling" aus dem off wach. vermutlich der wahre clou. ophelia und das pling.
am ende sinkt die hauptdarstellerin mit der eher enttäuschend eindimensional angelegten rolle in ihrem zimmer in das flutende wasser, nachdem sie auch noch den vater verlor. sehen können wir das leider nicht, das metallene bett versperrt dieses mal aus dem linken block die sicht. die blumen schaukeln durch die selbstmörderische wasserkulisse.
zwei stunden ohne weitere erkenntnis zu ophelias innenleben gehen zu ende. dabei klang das konzept durchaus spannend. ophelia, wie geht es dir denn wirklich? wir wissen immer noch nicht viel von dir.
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