RambaZamba Theater
    www.rambazamba-theater.de
    Schönhauser Allee 36-39 - 10435 Berlin
    Telefon: 030 44049044
    SPIELPLAN & KARTEN

    Schwestern

    Bewertung und Kritik zu

    SCHWESTERN 
    nach Sophokles
    Regie: Jacob Höhne, Sara Lu 
    Premiere: 5. Mai 2017
    RambaZamba Theater, Berlin 
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    Zum Inhalt: Freiheit, Anerkennung, Liebe, ein selbstbestimmtes Leben: Drei Schwestern begegnen sich im Taumel verschiedener Sehnsüchte. Aber ihre gegenseitige Abhängigkeit hält sie gefangen und konfrontiert sie mit ihrem Gegenüber und sich Selbst. Was bedeutet es gebraucht zu werden in einer Weise, die keine Kompromisse zulässt. Oder umgekehrt, wenn das eigene Leben von meinem Gegenüber abhängt. Das Streben nach Unversehrtheit, Vollkommenheit und Freiheit sprengt alle gewohnten Muster. Der Wunsch nach Freiheit wird zum Verlangen auf Kosten anderer. Wer oder was kann das Verlangen der drei Schwestern stillen. Die eigene Identität verschwimmt im Konstrukt der engen Familienstruktur. Das RambaZamba Ensemble, eine Tänzerin und Musiker forschen gemeinsam mit dem Regisseur Jacob Höhne nach den Motiven dieser Sehnsucht. „Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich – aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei gewesen.“

    Mit Juliana Götze, Sven Hakenes, Pascal Kunze, Sascha Perthel, Hieu Pham, Gast: Sara Lu

    Choreografie: Jacob Höhne, Sara Lu
    Bühne: Jacob Höhne
    Kostüme: Beatrix Brandler
    Musik: Leo Solter
    Dramaturgie: Kristina Ohmen

    TRAILER


    WIR EMPFEHLEN

     
    Meinung der Presse zu „Schwestern“ - RambaZamba Theater


    Zitty
    ★★★★☆


    tip
    ★★★★☆

    4.0 von 5 Sterne
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    Sehnsucht, Abhängigkeit, Eingeschlossensein und Sinnsuche
    6 years ago
    Kritik

    Sehnsucht, Abhängigkeit, Eingeschlossensein und Sinnsuche sind die Themen, die Tschechov in seinem Drama bewegt, daraus hat das Ramba Zamba Team ein Tanztheater gemacht.

     

    Die Zuschauer des Ramba-Zamba-Theaters erwartet eine Überraschung: Sie kommen erstmalig in einen Raum, den sie noch nie gesehen haben, um einen rechteckigen Grund herum, ähnlich einem leeren Schwimmbecken, stehen die Stühle, und das Publikum muss, um sie zu erreichen, eine imaginäre Wasserfläche entlang- und überschreiten, bis es gewahr wird, dass es sich um eine Spiegelfläche handelt, unter der kein steinerner Abgrund lauert, sondern der gemauerte Wände und ein Gerüst nur widerspiegelt. Zu Beginn des Stückes liegen drei Frauen auf eben dieser Spiegelfläche in der Mitte übereinander, wie zu einem Menschenberg aufgeschichtet, ein zusammengeknäuelter Haufen. Langsam schälen sie sich dann auseinander und diese Wirkung erinnert durch die gespiegelten Doppelfiguren, entfernt an ein Kaleidoskop, in dem sich die schlangenartigen Gliedmaßen, Arme, Beine, Köpfe und Körper zu gänzlich neuen Formen zusammensetzen.

    Splitter, die sich zu neuen Mustern zusammensetzen

    Ein riesiger Körper, mit vielen Armen, Händen, Beinen, eine mythologisch anmutende Figur, aus der sich erst allmählich erkennbar drei Frauen herausschälen.  Dabei sind sie in ihrem langsamen Tanz, begleitet von sphärischen Klängen und Papierraschelmusik, wie die Splitter in den sechseckigen Spiegeln, die sich zu immer neuen Mustern zusammensetzen, dann wieder auseinanderfallen und wieder neu zusammenzufließen scheinen. Ein Tanztheaterstück, gänzlich ohne Worte, einzig mit elektronischer Musik aus einer Ecke der goldglitzernden Spiegelfläche und Papierrascheln, -reißen, -schnipseln aus der anderen, wo ein gelber grauhaariger Mann inmitten eines gelben Bücherstapels Buchseiten bekritzelt.  Ausdruckskunst höchster Qualität und das mit einem Stück, das für die Schauspielkunst geschrieben wurde.

    Durch das Schweigen hinter die Dinge sehen

    Es ist eine schöne Abwechslung, die Langeweile der  „Drei Schwestern“ einmal so dargeboten zu bekommen. Man sieht durch das Schweigen hinter die Dinge, man sieht Trauer, Sehnsucht, Streben, Scheitern, Vergeblichkeit, Aufbruch, Niedergeworfensein, alles in getanzten Bildern. Die Farben gedämpft, erdfarben, ein wenig schwarze Spitze, ein wenig goldener Glitzer, dazu toternste Gesichter, dann die große Spiegelfläche, sie selbst und die schwarze Decke schluckend.  Eine der Tänzerinnen gehört zu den Menschen ohne  sichtbare und diagnostizierte Behinderung, sie wird umkreist von den zwei anderen Frauen, beobachtend, nachahmend, bewundernd. Erscheinen  sie zu Beginn noch wie ein und derselbe Körper, so teilen sie sich nun auf, da ist die eine in der Mitte und die anderen beiden, die diese umtanzen. Ein Spiel wie „ein Tanz um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht“, ein verstörendes Bild, das an den Panther von Rilke denken lässt.

    Greifen nach dem Baby, zerren daran, entreißen es

    Dann kommt ein Spanier, er zerstört das schöne drei-einsame Spiel, er springt hinein und hinterlässt ihnen ein Baby, dann ist er wieder fort.  Die Mittlere herzt nun das Baby, die beiden anderen umkreisen sie erneut.  Umschlingen sie, umkriechen sie, bilden mit ihr und neben ihr Figuren, in denen sich ihre Körper gleichzeitig auflösen, und sich um sich selbst schlingend neu zu finden.  Bald greifen die beiden anderen nach dem Baby, zerren daran, entreißen es ihr.  Es ist, als seien die drei Frauen für immer dazu verdammt, sich in diesem Bassin der Spiegel, wie in einem alten zerfallenen Tempel, zu umlauern, zu bekriegen, und sich, wie in einer schon lange verlorenen Zeit, einzig miteinander zu beschäftigen, in Liebe, Hass, als Schmeichelnde, als Ungeheuer. Den Menschen mit Trisomie 21 werden auch ihre Babys entrissen, jeden Tag, per Gesetz und von der Öffentlichkeit geduldet. Diese Babys haben nichts getan, niemandem, sie haben nur einen Fehler, sie gehören der Gruppe Trisomie-21-Menschen an.

    Motto im Programmheft: „[i]Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich – aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln  und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei gewesen.“[/i]

    Ein starkes Tanztheater mit dem die Ramba-Zambas mal wieder bewiesen haben, dass sie eine große Bühne sind, auch für ernste, traurige Themen.

    [url=http://www.anjaroehl.de/schwestern-rezension/][/url] http://www.anjaroehl.de
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