Juri&Joana. Hinaus ins Offene!

Bewertung und Kritik zu

JURI&JOANA. HINAUS INS OFFENE! 
nach den Brüdern Grimm
Leitung: Christine Dissmann
Premiere: 24. Juni 2021   
Ogalala Kreuzberg, Berlin 

Zum Inhalt: Wir sind aufgewacht und fanden uns in einer Welt wieder, die über Nacht eine andere geworden war. Oder war das schon der Anbruch einer neuen Zeit? Jedenfalls war nichts mehr, wie es vorher war. Wer war diese fremde Macht, die unsere vertraute Ordnung durcheinandergebracht hatte? Woher war jene Hexe gekommen, die uns gefangen und in seltsame Vögel verwandelt hatte? Und was blieb uns, als von Freiheit jenseits der Gitterstäbe unseres Käfigs zu träumen? Wo verlief der Weg hinaus, ins Offene?

Mit Thieu Ha Minh, Tamara Weber, Matthias Cano Urbanke, Aaron Langguth, Fritz Surmann, Minou Becker, Santiago Agurcia, Marlene Dissmann, Matilda Behrens.

Leitung: Christine Dissmann
Musik: Nadia Bouamra Martinez, Paul Lesch
Choreografie: Kathinka Sonneborn


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mit ogalala kreuzberg - in den Berlin Decks
  · 26.06.21
''Vier Frauen und vier Männer in fantasievollen und sparsamen Kostümen verführten das zahlreiche Premierenpublikum in ihre Perspektive des Grimm´schen Märchens. Zu Live-Musik aus Gesang, E-Bass und Schlagzeug tanzen, spielen und wirbeln die Performer durch die riesige Industriehalle. Es geht um die im Grimm´schen Märchen steckenden Botschaften Liebe, Widerstand und Anpassung, Hoffnung und Verzweiflung. Einmal eingesperrt beginnt man sich einzurichten, man fängt die Unfreiheit als das neue Normal zu akzeptieren. Das neue Normal: ja, es schweben die Einschränkungen unserer Freiheit der letzten 15 …. 16 Monate über allem. Wie umgehen mit der Ambivalenz zwischen Akzeptieren und Aufbegehren und zwischen Doktrin und Diskurs. In der Verwandlung des Individuums – die Jungfrau Joanna - in eine eingesperrten willenlosen (?) Nachtigall wird deutlich, was es mit Individuen macht, wenn sie einer übermächtigen Macht erlegen sind.

Wie im Originalmärchen finden Juri und Joanna wieder zusammen, befreien alle anderen eingesperrten Individuen und verlassen feiernd und tanzend das alte Schloss. Welch wunderbares Bild, wie die Performer quer durch die riesige Halle zum Ausgang rennen, auf ein sich gerade öffnendes riesiges Industrierolltor zu, ins Freie, in die Freiheit!!

Das Team um Christine Dissmann und Kathinka Sonneborn hat mit dieser Inszenierung wunderbar relevante Bilder geschaffen. Der Prozess des Ausprobierens ist im Stück noch immanent. Nicht alles ist perfekt, etwas schade, dass in der Akustik der Halle die Sprachverständlichkeit sehr leidet. Aber es geht hier nicht um die formal perfekte Theateraufführung. Es geht um die Botschaften Liebe, Widerstand und Anpassung, Hoffnung und Verzweiflung. Das Publikum war sehr, sehr berührt von dieser intensiven Auseinandersetzung. Standing Ovations!'' schreibt Steffen Kühn am 25. Juni 2021 auf KULTURA-EXTRA
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