Hebbel am Ufer (HAU)
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    Jérôme Bel / Ruth Rosenfeld: Jérôme Bel



    Bewertung und Kritik zu

    JÉRÔME BEL
    Jérôme Bel / Ruth Rosenfeld
     
    Premiere: 23. Januar 2023 
    Hebbel am Ufer (HAU), Berlin 

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    Zum Inhalt: Seit vielen Jahren konzipiert Jérôme Bel getanzte Porträts von Choreograf*innen und Tänzer*innen. Für seine neueste Arbeit widmet Bel sich der Erzählung seines eigenen künstlerischen Schaffens. Der Tänzer und Choreograf entwirft eine “auto-bio-choreo-grafische” Performance, die bis zu seinen Anfängen zurückreicht und Zweifel, Engagement, Misserfolge und Leidenschaften offen darlegt. Performt und inszeniert werden die Video-Archivmaterialien, Partituren, Erinnerungen und biografischen Fakten von jeweils lokalen Ak­teur*innen, am HAU von der Schauspielerin Ruth Rosenfeld.

    Performance: Ruth Rosenfeld
    Text, Videos: Jérôme Bel

    Mit: Ruth Rosenfeld, Frédéric Seguette, Claire Haenni, Gisèle Pelozuelo, Yseult Roch, Olga De Soto, Peter Vandenbempt, Sonja Augart, Simone Verde, Esther Snelder, Nicole Beutler, Eva Meyer Keller, Germana Civera, Benoît Izard, Ion Munduate, Cuqui Jerez, Juan Dominguez, Carine Charaire, Hester Van Hasselt, Dina Ed Dik, Amaia Urra, Carlos Pez, Henrique Neves, Johannes Sundrup, Véronique Doisneau, Damian Bright, Matthias Brücker, Remo Beuggert, Julia Häusermann,Tiziana Pagliaro, Miranda Hossle, Peter Keller, Gianni Blumer, Matthias Grandjean, Sara Hess, Lorraine Meier, Simone Truong, Akira Lee, Aldo Lee, Houda Daoudi, Cédric Andrieux, Chiara Gallerani, Taous Abbas, Stéphanie Gomes, Marie-Yolette Jura, Nicolas Garsault, Vassia Chavaroche, Magali Saby, Ryo Bel, Sheila Atala, Diola Djiba, Michèle Bargues, La Bourette, Catherine Gallan


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    Karge, aber aufschlussreiche Lecture Performance
    9 days ago
    Kritik

    Am hinteren linken Bühnenrand sitzt Ruth Rosenfeld vor ihrem Laptop und begrüßt das Publikum im HAU 2 lächelnd: Jérôme Bel sei ihr Name und die folgenden zwei Stunden könnten ganz schön langweilig werden. Deshalb solle man doch ganz ungeniert gehen, wenn es zu viel werde, das störe sie nicht. Eine überraschende Wendung sei jedenfalls nicht zu erwarten.

    Der erste Teil dieser Einführung ist offensichtlich eine Lüge: Ruth Rosenfeld, seit 2017 Mitglied im Ensemble der Schaubühne einige Kilometer weiter westlich, leiht den Reflexionen des französischen Choreographen Bel nur ihre Stimme.

    An der zweiten Aussage von Ruth Rosenfeld ist ein wahrer Kern: Tatsächlich beginnt der Abend zäh und ermüdend. Es wirkt wie die narzisstische Nabelschau eines älteren weißen Mannes, wenn er tief in seine Kindheit und Jugend eintaucht und eine wesentlich jüngere Frau zu seinem Medium macht, das seine Texte vorträgt.

    Überfrachtet mit Theorien, beseelt von antikapitalistischer Konsumkritik und Guy Debords „Die Gesellschaft des Spektakels“, setzte Bel seinem Publikum zu Beginn seiner Karriere quälend-verkopfte Abende vor, bei denen möglichst wenig Emotion aufkommen sollte und es auf keinen Fall spektakulär zugehen durfte. Bei einem Festival-Gastspiel sei der Saal am Ende leer gewesen, nur noch der Intendant, seine Frau und seine Pressesprecherin seien im Saal geblieben. Wie gut man die Gründe für diese Massenflucht nachvollziehen kann! Die Aussicht, die merkwürdige Installation, die Rosenfeld/Bel beschreiben, eine Stunde ertragen zu müssen, ist wirklich grauenhaft. Aber auch dieser Abend im HAU ist bis dahin nicht sehr vergnüglich, sondern trockene Lecture Performance-Pflichtübung. Wie soll das nur in den restlichen anderthalb Stunden weitergehen?

    Langsam kommt der Abend beim ersten Höhepunkt im Werk des Choreographen an: „The Show must go on“ hat das Konzept des Anti-Spektakels und das Spiel mit den Erwartungen perfektioniert. In einer Mischung aus Anekdoten und Selbstreflexion erklärt Rosenfeld/Bel die gezeigten Filmausschnitte, die Kamera schwenkt immer wieder ins damalige Publikum. Spannend zu sehen, wie die Reaktionen zwischen Ratlosigkeit und Amüsement schwankten.

    Ähnlich legendär wie „The Show must go on“ ist Bels Zusammenarbeit mit dem Zürcher Theater Hora: „Disabled Theater“ war ein Meilenstein des inklusiven Theaters. Die Spieler*innen wirken nicht gehandicaped oder behindert, sondern traten als selbstbewusste Persönlichkeiten auf, die ganz eigene, oft überraschende Qualitäten haben und den Abend mit ihrer enormen Spielfreude zum Spektakel machten. Seine Zusammenarbeit mit dem Theater Hora wurde nicht nur 2013 zum Theatertreffen eingeladen, sondern führte ihn auch von seinem alten Mantra weg. Der Lehrsatz, Spektakel um jeden Preis zu vermeiden, wich einer entspannteren Haltung.

    Mit dem „Disabled Theater“ ist auch die HAU-Lecture auf der richtigen Betriebstemperatur angekommen. Trotz des kargen Settings und entgegen der selbstironischen Warnungen zu Beginn entwickelte sich die autobiographische Lecture Performance zu einem überraschend anregenden Abend, der einige aufschlussreiche Einblicke in das Schaffen eines wichtigen Choreographen bot.

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