She She Pop: Dance Me!

Bewertung und Kritik zu

HEXPLOITATION
She She Pop
 
Premiere: 18. Januar 2022 
Hebbel am Ufer (HAU), Berlin 

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Zum Inhalt: “Dance Me!” ist ein Tanzmarathon, in dem zwei Generation gegeneinander antreten. Die Bühne ist eine Arena, in der She She Pop und Gäste in der Rolle der Alten auf eine Gruppe junger Performer:innen treffen. Das gegenseitige Unverständnis, der Generation Gap, wird in einem streng reglementierten Tanz-Ritual auf die Bühne gebracht und gefeiert. Die Teams wechseln sich ab: Wer nicht auf die Tanzfläche muss, steht an den Mikrofonen und macht die Musik. Die Generationen geben einander nicht nur den Beat vor und treiben sich an, sie nutzen auch die Gelegenheit, sich in langen Litaneien zu beklagen und gegenseitig zu beschimpfen. Oder zu bewundern? Und einander zu danken? – Wir wissen es nicht.

Von und mit (alt): Sebastian Bark, Dan Belasco Rogers, Santiago Blaum, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Tatiana Saphir, Claudia Splitt, Berit Stumpf
Von und mit (jung): Hiyam Biary, Eren M. Güvercin, Jan Nwattu, Şimal Nil Şahin, Nikolas Stäudte, Béla Arnaud Weimar-Dittmar, Zelal Yesilyurt, Sindi Zeneli /

Konzept, Idee: She She Pop
Künstlerische Mitarbeit: Laia Ribera Cañénguez, Rodrigo Zorzanelli Cavalcanti
Bühne: Jan Brokof
Kostüm: Lea Søvsø
Mitarbeit Kostüm: Marie Göhler, Gabi Bartels
Lichtdesign: Andreas Harder
Mitarbeit Lichtdesign: Vito Walter
Choreografische Beratung: Jill Emerson
Ton: Xavier Perrone


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Verbale Kinnhaken und Kindergeburtstag
  · 19.01.22
Die beiden Mannschaften fixieren sich und setzen in kurzen Wortgefechten erste verbale Kinnhaken: das Team Jung, das sich aus Performer*innen um die 20 rekrutiert, die erste Erfahrungen in der Freien Szene oder im P14-Projekt der Volksbühne gesammelt haben, wirft dem Gegenüber vor, dass sie nicht woke genug sind, nach dem jeweiligen Pronomen zu fragen, dass sie es sich in ihren Altbau-Wohnungen gemütlich gemacht haben, die für die Jungen gar nicht mehr finanzierbar sind, und dass ihre Generation mit ihrem Lebensstil und Ressourcenverbrauch mitverantwortlich ist, dass sich das Klima aufheizt und die Lebensgrundlagen zerstört werden.

Das Intro war durchaus vielversprechend, die kommenden 90 Minuten erschöpfen sich aber in einer Tanz-Battle der beiden Generationen und ein paar Spielchen wie Tauziehen oder Orangen-Engtanz. Die Rede-Duelle über Atomkraft, die Menschenkette 1983 gegen Nachrüstung oder Nonbinarität sind aber meist nur ein schlagfertiger Austausch von Klischees und Buzzwords. In die Tiefe gehen die Dialoge zu selten.

Stattdessen ziehen sich die Tanzeinlagen, die anfangs durchaus ihren Reiz haben, zu sehr. Einige Tage vor der Premiere war eine Länge von bis zu 150 Minuten angekündigt, doch auch die gekürzte 90 Minuten-Fassung hat dramaturgisch noch zu viele durchhängende Passagen. In den besseren Momenten hat „Dance me!“ durchaus Charme, gerade auch den Charme des Unperfekten, aber streckenweise wirkt das Treiben auf der Bühne wie ein Kindergeburtstag.

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She She Pop lassen am Berliner HAU2 den Generationen Gap tanzen
  · 20.01.22
''Es geht zum Formationstanz, was bei den Alten, die sich nach dem von den Jungen gesungenen Lana-Del-Ray-Song bewegen müssen, doch etwas ungelenk wirkt. Fast noch schlimmer wird es in der 2. Runde, in der Ausdauer gefragt ist, zum rhythmischen Techno-Sound der Jungen. Da haben diese doch etwas mehr zu bieten, auch wenn von der Seite gute Ratschläge der älteren Generation kommen. Die jungen halten dagegen, als erste Generation in eine Welt mit Ablaufdatum geboren zu sein, woran natürlich die Alten Schuld sind. Die Bilder, die auf die jeweils andere Generation projiziert werden, sind da leider wenig überraschend. Individualität und Sinn für Style der Jungen, die sich eigentlich nicht als geschlossene Generation empfinden, steht gegen die Aufzählung vergangener Kämpfe der Alten gegen das Wettrüsten und die Atomkraft.

Über dem sichtlichen Spaß am Spiel mit Orangentanz und Tauziehen, verlieren die Teams doch etwas den Faden zum diskursiven Mehrwert des Ganzen. Bei diesem lustigen Generationen-Kindergeburtstag bleibt das Publikum doch ziemlich außen vor. Die Luft ist irgendwann raus. Auch scheint der Kampf von vornherein zu Gunsten der Jungen entschieden. Bei aller gespielten Ironie, wäre das auch etwas kontraproduktiv. Man hat sich ja schließlich auch lieb. Und spätestens beim sterbenden Schwan der She-She-Pop-Dancer versinkt das Ganze im alles ausgleichenden Einerlei.'' schreibt Stefan Bock am 20. Januar 2022 auf KULTURA-EXTRA
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