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Bewertung und Kritik zu

DIE TECHNIK DES GLÜCKS
Eine Franz-Jung-Revue
 
Regie: Rosmarie Vogtenhuber 
Premiere: 14. November 2018 
Hebbel am Ufer (HAU2), Berlin 

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Zum Inhalt: Vor 100 Jahren saß Franz Jung in seinem Büro am Halleschen Ufer 32, dieselbe Adresse wie das HAU2, und stempelte mit Freund­*­innen Spartakus-Parolen auf Geldscheine. Die Revolution scheiterte, wie vieles im Leben des Schriftstellers, Dichters, Revolutionärs, Anarchisten, Finanzexperten, Schiffsentführers, Theaterautors und Mitbegründers der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Ein Mann, der Teile seines Lebens in der Illegalität oder im Gefängnis verbringt, mitten im Krieg Ameisen in Schokolade besorgt und es spannend findet, die Geschichte des Volkswagenwerks in einer einminütigen Radioansage zu erzählen. Franz Jung ist eine der verwegensten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sein exzessives Bemühen, der Gesellschaft zum Besseren zu verhelfen, seine messerscharfen Analysen der Um­stände wirken bis heute. Seine Weggefährt*innen bilden das ‚Who is Who‘ der künstlerischen, politischen und sozialen Avantgarde. Anlässlich von 100 Jahren Novemberrevolution stellt sich das gesamte Team dem Franz Jung, den es vielleicht heute dringender bräuchte denn je, auch wenn er 1953 schrieb: „Wenn ich nach Deutschland zurückkehre, dann nur als angetriebenes Strandgut.“

Mit: Die Sterne, Constanze Fischbeck, Annett Gröschner, Corinna Harfouch, Wolfgang Krause Zwieback, Hanna Mittelstädt, Katja Schmidt, Robert Stadlober, Rosmarie Vogtenhuber

Künstlerische Leitung: Annett Gröschner und Hanna Mittelstädt
Regie: Rosmarie Vogtenhuber
Raum, Film: Constanze Fischbeck
Kostüm: Katja Schmidt
Kamera: Siska


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3.0/5 Insgesamt 2 Bewertungen (2 mit Rezension)
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Wer ist eigentlich dieser Franz Jung?
  · 16.11.18
''Ein überraschender Feueralarm im HAU kommt schon fast als prophetischer Ausbremser eines unermüdlichen Zwangs zur Aktion daher. Zwang ist aber Jungs Sache nicht. So wie der Abend im zweiten Teil dann auch mehr zur Ruhe kommt, melodischer wird und die andere Seite zeigt: den sein Scheitern reflektierenden Menschen als „Torpedokäfer“, wie der Arbeitstitel von Jungs Autobiografie mit dieser Erzählung lautet, aus der Krause Zwieback kurze Passagen spricht. Jung führt auch in der Nazizeit ein Leben auf der Flucht, muss immer wieder neu anfangen, sich mit verschiedensten Jobs durchschlagen, nimmt neuen Anlauf „und fällt und kriecht und fliegt und fällt“. Auch eine in den 1990er Jahren gegründete anarchistische Literatenkneipe im Prenzlauer Berg trägt diesen Namen und vertreibt im BasisDruck veröffentlichte Schriften. 

Dass es an diesem Abend nicht zur einseitigen Verklärung kommt, dafür sorgen auch das Tempo rausnehmende Einspielfilme, in denen die Schauspielerin Corinna Harfouch (auch Lebenspartnerin von Wolfgang Krause Zwieback) die Ehefrauen Franz Jungs spielt und spricht, deren Leben mit dem von Franz Jung mehr oder minder verhängnisvoll verbunden waren. Das sind wiederum für sich gesehen ebenfalls kleine Erzählungen von einerseits Bewunderung, der Suche nach Glück und Gemeinschaft und dann auch wieder vom Resümieren eines Scheiterns. Für einen besonders nachdenklichen Moment sorgt das tragische Schicksal von Jungs Tochter Dagny, der auch ein Song der Sterne gewidmet ist, und an deren Tod 1945 in der psychiatrischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien Jung sich schuldig fühlte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wagt er einen Neuanfang in den USA, kehrt dann aber, wie er es selbst bekannte, als „angetriebenes Strandgut“ nach Deutschland zurück. Geborgen hier für einen nur kurzen zweistündigen Abend. Die Franz-Jung- Werkausgabe ist in der Edition Nautilus erschienen.'' schreibt Stefan Bock am 16. November 2018 auf KULTURA-EXTRA
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Wenig Neues über eine schillernde Figur
  · 15.11.18
Richtige Revue-Stimmung will nicht aufkommen: zu monoton ist vor allem während der ersten Stunde die Live-Musik der Hamburger Band „Die Sterne“. Robert Stadlober und Wolfgang Krause Zwieback haben sichtlich Mühe, dagegen anzubrüllen und sich Gehör zu verschaffen. Die Verständlichkeit des Textes leidet.

Franz Jung engagierte sich nicht nur für die Revolution in Deutschland und Russland, sondern kreuzte auch die Wege namhafter Künstler*innen seiner Zeit von Erich Mühsam bis Lotte Lenya. In den zwei Stunden, die Annett Gröschner, Hanna Mittelstädt und Rosmarie Vogtenhuber gestaltet haben, erfährt man jedoch nicht wesentlich mehr über ihn als das, was bereits auf dem zweiseitig eng bedruckten Handzettel „Franz Jung – eine unvollständige Chronik“ steht.

Wie ein Fremdkörper wirkt Corinna Harfouch in dieser kurzatmigen Inszenierung. Sie hat nur wenige Auftritte in Videoeinspielern. Diese Momente der Ruhe durchbrechen den aufgewühlten Rhythmus des restlichen Abends. Sie verkörpert die zahlreichen Partnerinnen, die Jung häufig wechselte, oder eine begeisterte Rezensentin seines Werks, das als Schlusswort nach dem Applaus eingespielt wird.

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