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Bewertung und Kritik zu

VERSETZUNG
von Thomas Melle
Regie: Brit Bartkowiak 
Premiere: 17. November 2017 (Uraufführung) 
Deutsches Theater Berlin

Zum Inhalt: Ronald hat alles. Privat kann ihm seine Frau Kathleen wunderbare Neuigkeiten mitteilen. Und beruflich steht er kurz davor, Schütz, der in Ruhestand geht, als Direktor zu beerben. Ronald ist ein Lehrer, wie man ihn sich wünscht: authentische Respektsperson und bewunderter Kumpeltyp in einem – von den Schülern geliebt und den Kollegen gebraucht, mit Respekt bei den Eltern und Wertschätzung beim Chef. Er ist charismatisch, intelligent und redegewandt. Aber Ronald trägt ein Geheimnis in sich. Eine Krankheit, die seine Vergangenheit bestimmt hat und seine Zukunft bedroht. Und natürlich hat auch Ronald Schwächen, Neider und Gegner. Ein Beben kündigt sich an und dessen Erschütterungen versetzen Ronald urplötzlich vor das Nichts.

Mit Daniel Hoevels, Anja Schneider, Helmut Mooshammer, Judith Hofmann, Christoph Franken, Linn Reusse, Caner Sunar, Birgit Unterweger, Michael Goldberg

Regie: Brit Bartkowiak
Bühne: Johanna Pfau
Kostüme: Carolin Schogs
Musik: Joe Masi
Dramaturgie: David Heiligers

 
Meinung der Presse zu „Versetzung“ - Deutsches Theater Berlin


rbb
★★☆☆☆

taz
★☆☆☆☆

Berliner Zeitung
★★★★☆

Die Welt
★★☆☆☆

Zitty
★★★☆☆

tip
★☆☆☆☆


WIR EMPFEHLEN

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Macken, wohin man sieht
  · 24.11.17
''In der Inszenierung von Brit Bartkowiak, die bereits einige Bühnentexte von Melle aufgeführt hat, nehmen diese Passagen dann auch einen ganz besonderen Stellenwert ein. Sie sind zur charakterlichen und psychologischen Einordung der Figuren in Bezug zur Hauptperson auch eminent wichtig. Die Regisseurin lässt ihre DarstellerInnen dabei jedes Mal entsprechend deutlich aus der Spielsituation aussteigen. Eröffnet wird der Abend allerdings mit einer Art Unterrichtsstunde, bei der Lehrer Ronald vor dem Eisernen Vorhang versucht seinen Schülern etwas über die psychologische Wirkungsweise von Wörtern und Beschimpfungen, im Speziellen des neuerdings verwendeten Schimpfworts „Opfer“, zu vermitteln. Hauptdarsteller Daniel Hoevels hält hier einen glühenden Vortrag zum Thema Diskurs als Mittel zur Konsensfindung sowie Herausbildung sozialer Regeln und Normen. 

Bartkowiak versucht hier den zugegebener Maßen etwas zu pathetisch geratenen Text Melles immer wieder durch fein ironisches Spiel aufzulockern. So geraten etwa auch die Dialoge zwischen Ronald und seiner Frau Kathleen (Anja Schneider) etwas aus dem Ruder. Erst freut man sich euphorisch über den kommenden Nachwuchs, und dann geht die Beziehung dramatisch in die Brüche, als Roland die verschwiegene Vergangenheit seiner Krankheitsgeschichte wieder einholt. "Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt" ist der volkstümliche Begriff zur Erklärung von Ronalds bipolaren Schüben, wie es Rektor Schütz im klärenden Gespräch vor den besorgten aber auch lauernden Kollegen (Judith Hofmann, Christoph Franken) so dahinsagt. Etwas krasser formuliert es der Betroffene selbst.'' schreibt Stefan Bock am 24. November 2017 auf KULTURA-EXTRA
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1 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Zuweilen starke Szenen
  · 20.11.17
''Trotzdem gelingen Daniel Hoevels zuweilen starke Szenen, vor allem im zweiten Teil, wenn er in eine andere Welt abdriftet, Worte missversteht, nur noch in obszönen Reimen spricht, aggressiver wird und sich beispielsweise aufgekratzt im Erklären des Reimschemas von Sonetten verliert. Die Bühne besteht aus einem erhöhten Spielpodest, ein eingerahmtes blaues Quadrat, das wie eine Spiegelung des Aquariums wirkt, das auf diesem Quadrat steht. Wenn Hoevels am Ende völlig durchnässt und zerstört vor diesem Aquarium liegt wie ein herausgefallener japsender Fisch, ist das ein treffend traurig-schönes Bild.

Generell aber bleibt die Inszenierung zu harmlos, auch zu didaktisch. Schon im Stück selbst wirken die Monologe, die jede Figur hält, um sich dem Publikum erklären, problematisch aufgestülpt. Ihnen räumt die Regisseurin jedoch viel Platz ein – sodass man sich zwischenzeitlich wie in einem Jugendstück zum Thema "Bipolarität verstehen" fühlt. Man streift den Abend schlicht zu leicht von sich ab. Er hinterlässt keine Erschütterung. Das darf bei diesem Stoff, der einem in Thomas Melles Sprache den Boden unter den Füßen wegreißen kann, einfach nicht sein.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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Hinter Glas
  · 17.11.17
„Versetzung“, ein Auftragswerk von Thomas Melle für das Deutsche Theater Berlin, ist thematisch hoch interessant. Wie schon in seinem Bestseller „Die Welt im Rücken“, das Joachim Meyerhoff dem Berliner Publikum in seiner Burgtheater-Solo-Adaption im Juni präsentierte, verarbeitet Melle auch in diesem Text seine manisch-depressive Krankeit.
Diesmal steht ein Lehrer im Mittelpunkt: Daniel Hoevels tritt zu seinem ersten langen Monolog vors Publikum und spielt klassischen Frontalunterricht nach. Bis zur Karikatur versucht dieser Lehrer Ronald, es allen recht zu machen: immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Schüler, zugleich aber auch sehr angesehen beim Direktor Schütz (Helmut Mooshammer), der ihn als Wunschnachfolger auserkoren hat. Das Glück scheint perfekt, als ihm seine Frau Kathleen (Anja Schneider) auch noch mitteilt, dass sie schwanger ist.
Regisseurin Brit Bartkowiak hatte mit Daniel Hoevels auch einen tollen Hauptdarsteller, der bis zu den finalen Hilfeschreien, als er mit Klebeband ans Aquarium gefesselt von allen verlassen ist, alles gibt.
Das Problem des Abends ist aber der Text: viel näher an der Prosa als am Drama, viel, zu viele Monologe und zu wenig Reibung zwischen den Figuren, dazu eine merkwürdig papierne Mischung aus hölzernen und schwülstigen Passagen. Kommt es doch mal zu Dialogen, sprechen die Figuren in einer völlig alltagsfernen, wie auswendig gelernten Wortwahl. Deshalb blieb die „Versetzung“ bis zum Schluss hinter einer Glaswand eingekapselt.
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