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Bewertung und Kritik zu

NIEMAND
von Ödön von Horváth
Regie: Dušan David Pařízek
Premiere: 25. März 2017 
Deutsches Theater Berlin

Mehr als 70 Jahre nach dem Tod eines der meistgespielten deutschsprachigen Dramatikers taucht ein unbekanntes Stück auf, ein Sensationsfund. "So quälend und verzweifelt wie hier hat der Autor sich selbst und seine Zeit an keiner anderen Stelle seines Werkes befragt", so der Horváth-Experte Klaus Kastberger.

Regie / Bühne: Dušan David Pařízek

Kostüme: Kamila Polívková
Musikalische Leitung: Marcel Braun
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie: Birgit Lengers

 
Meinung der Presse zu „Niemand“ - Deutsches Theater Berlin


tip
★★★★☆

 


WIR EMPFEHLEN

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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Das Leben - eine sarkastische Hausgemeinschaft
  · 03.04.17
Ein erst 2015 aufgefundenes Stück des seinerzeit 23jährigen Schriftstellers in deutscher Erstaufführung: Dušan David Pařízek inszeniert Ödön von Horváths pessimistische Weltsicht als gleichwohl fesselnde Szenenfolge auf der Bühne der Kammerspiele des Deutschen Theaters Berlin. Das Stück  spielt zwischen den beiden Weltkriegen im Jahr 1924. 

Fürchtegott Lehmann (Marcel Kohler), ein verkrüppelter Hausbesitzer und Pfandleiher, hält alle Trümpfe in der Hand, um sämtliche Bewohner seiner Immobilie unter Druck setzen und gegeneinander ausspielen zu können. Er ist aber keineswegs nur ein verbittertes Ekel, das sich an den Menschen zu rächen sucht. In einer Ecke seines Wesens ist er auch ein Suchender, der sich nach einer Partnerin sehnt. 

In sieben Bildern werden die Charaktere und Lebensgeschichten aus dieser mit Sarkasmen und Zynismen reich ausgestatteten Hausgemeinschaft aufgeblättert. Da ist die Hure Gilda (Franziska Machens), die ihrem Beruf mit feuerroter Perücke nachgeht und von allen anderen nur „Fräulein Lamour“ genannt wird, obwohl ihr Familienname eigentlich „Schulze“ ist. Sie beherrscht ihr Fach perfekt und beurteilt alle Vorgänge und Menschen aus dem Blickwinkel ihrer Profession. Sie wird auch die Mentorin der anfangs etwas unscheinbaren Ursula (Wiebke Mollenhauer), die sich mit Konsequenz und Raffinesse zur Gefährtin des Hausbesitzers hinaufdient. 

Als stets etwas hektisch agierender, stellungsloser Musiker beklagt Klein (Elias Arens) sein Los und den Umstand, dass er die Miete für seine Dachkammer nicht bezahlen kann. Eine Kellnerin, die ihre zu servierenden Getränke lieber selbst konsumiert und anschließend infernalische Rülpser produziert, ist Lisa Hrdina, die sich später noch als irritierter Backfisch mit etwas konfusen Lebensplänen präsentiert, dem man geraten hat, „etwas praktischer“ zu werden. Der illusionslose Wladimir (Henning Vogt) geht zum Militär, wo er erleben muss, wie der von ihm bewunderte Hauptmann getötet wird und ihn ohne geistige Lebenshilfe zurückläßt. 

Das Panoptikum kulminiert im Aufeinandertreffen der beiden Brüder Fürchtegott und Kaspar Lehmann, die ihre jeweilige Lebensgeschichte aus Kindheitserlebnissen ableiten und sich instinktiv als Sparringspartner verstehen. Dabei kommt der Hausbesitzer ums Leben und entschwebt an einem Seilzug in die Höhe des Bühnenhimmels. Zurück bleibt Bruder Kaspar, der auch die nunmehr alleinstehende Witwe Ursula umarmt, sich aber bald wieder aus dem Staube macht. Auf der Szene steht am Ende die dunkle Silhouette der verlassenen Frau. 

Ach ja, und wer ist „Niemand“? Vermutlich einfach Gott, ein irgendwo verschwundenes höheres Wesen, das sich der Kommunikation verweigert und das man ebensogut „Satan“ nennen könnte. 

Die sorgfältig gezeichnete Reihe der Charakterbilder macht den Abend sehenswert. Viel Beifall für das gesamte Ensemble, das  zum Schluß auch noch als Begleitband für einen resümierenden Song zu hören ist. 

http://roedigeronline.de
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Unbekannter Horváth
  · 07.05.17
''Der ewige Niemand ist hier der fehlende Gott oder die von sich gewiesene Schuld. Alles ist erlaubt, wenn es einem nützt. Wir hören ein wenig Nietzsche, ein wenig Stahlgewitter und das „Zeitalter der Fische“ aus Jugend ohne Gott. Da steckt vieles drin in diesem frühen Horváth. U.a. das Motiv des Stärkeren, das schon in der Beziehung des schlagenden und wegen eines Ringes mit der schönen Gravur: „Und die Liebe höret nimmer auf“ (Kasimir und Karoline) sogar tötenden Wladimir (Henning Vogt) zur Hure Gilda aufscheint. Aber vor allem in der Figur des plötzlich auftauchenden Bruders Kaspar Lehmann, den Frank Seppeler als ständig lachenden, oberkörperfreien Erotomanen spielt, der sich das Recht auf Leben und die Liebe Ursulas einfach nimmt, während der nur durch Mitleid das Geschäft ererbt habende Fürchtegott mit leeren Händen gegen den Bühnenhimmel schwebt. Das sind schon ein paar starke Auftritte, die aber das schale Gefühl, hier nur einem etwas mageren Horváth-Prequel beizuwohnen, nicht ganz verhindern können.'' schreibt Stefan Bock am 7. Mai 2017 auf KULTURA-EXTRA
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Mehr Patos
  · 27.03.17
''Marcel Kohler etwa, dieser schlaksige Zwei-Meter-Mann, spielt den verkrüppelten Fürchtegott mit so viel Selbsthass, Narzissmus und Verzweiflung, dass seine Hoffnung auf Liebe einen richtig trifft. Von solchen Figuren, auch von ihrem Pathos, das nun einmal im Stück steckt, hätte man mehr sehen wollen. Weniger Literaturseminar für Horváth-Kenner, mehr Abtauchen ins Spiel – das wäre schön gewesen.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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Niemand
  · 25.03.17
Die Schauspielerinnen und Schauspieler (Marcel Kohler, Franziska Machens, Wiebke Mollenhauer, Elias Arens und Lisa Hrdina aus dem DT-Ensemble sowie die ehemaligen DT-Ensemble-Mitglieder Frank Seppeler und Henning Vogt, die als Gäste zurückkehrten) haben mit dem unfertigen Text zu kämpfen. Stille Momente, lange Pausen und Melancholie dominieren diesen Abend. Für willkommene Abwechslung sorgt deshalb Franziska Machens als schnoddrige Prostituierte Gilda, die ihrer Freundin Ursula (Wiebke Mollenhauer) in einer komischen Dialekt-Szene Nachhilfe gibt, wie sie bei den Männern am besten ankommt und Mitleid erregt, und auch im Zusammenspiel mit den Lehmann-Brüdern (Marcel Kohler und Frank Seppeler) einige Pointen setzt. Weiterlesen
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