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Bewertung und Kritik zu

GLÜCKLICHE TAGE
von Samuel Beckett
Regie: Christian Schwochow
Premiere: 22. April 2017 
Deutsches Theater Berlin

Zum Inhalt: "Jetzt dauert's nicht mehr lange, Winnie, jetzt kann es nicht mehr lange dauern. Dann darfst du deine Augen schließen, dann m_u_ß_t du deine Augen schließen – und sie geschlossen halten. Es könnte die ewige Finsternis sein. Endlose, pechschwarze Nacht. Ein Übermaß an Gnaden.".

Regie: Christian Schwochow

Bühne: Anne Ehrlich
Kostüme: Asli Bakkallar
Dramaturgie: John von Düffel

Trailer „Glückliche Tage“ - Deutsches Theater Berlin


 
Meinung der Presse zu „Glückliche Tage“ - Deutsches Theater


FAZ
★★★☆☆

taz
★★★★☆



Die Welt
★★★★☆

Zitty
★★☆☆☆

tip
★★★★☆

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Zeit für ein Lied
  · 29.04.17
Samuel Beckett war der Dichter des Schweigens, der Poet des Nicht-Gesagten. – Verglichen mit anderen Inszenierungen, die derzeit Premiere feiern und ein Themenspektrum von Patriarchat über Nationalismus, Homosexualität, Klassenkampf und romantische Liebe bis hin zur Umweltzerstörung (wohlgemerkt gleichzeitig!!) abhandeln, geschieht in Glückliche Tage nahezu nichts. Und doch, man spürt es deutlich, geht es in der Inszenierung, die am Deutschen Theater Berlin unter Regie von Christian Schwochow am 22. April 2017 Premiere feierte, um alles, was das menschliche Sein ausmacht. Weiterlesen →
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"Glücklich ist..."
  · 24.04.17
''Manzel bringt diesen meist mehr verschämt daherkommenden Ironie-Aspekt der mantraartigen und daher nervtötenden Beckett-Sprechblasen zur Herbstzeitlosenblüte. Zweimal lässt sie einen mordsmäßigen Frauenkreischer los, ja und nur selten hebt sie ihre Stimme, wenn es sich im Diesbezüglichen um Willi (den Jörg Pose mimte) dreht - da spürt der zuschauende Zuhörer sofort: Jetzt hat die Frau den Mann so richtig übersatt und hätte gern, am besten gleich, dass sie mit ihrem Browning ihn pulverisiert, damit er endlich seine Schnauze hält, obgleich er ja (in diesem Endzeit-Schauspiel) kaum was sagte oder so... Am Schluss, als Willi ihr (wahrscheinlich tot) zu Füßen liegt, ergeht sie sich in selbsttröstenden Lehar-Klängen. Dagmar Manzel = immer ein Theater-Vollereignis!!'' schreibt Andre Sokolowski am 24. April 2017 auf KULTURA-EXTRA
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Banal und langweilig
  · 24.04.17
''Christian Schwochow aber hat das Bild einfach nur ausradiert. Bei ihm sitzt eine alternde, in Strickjacke gehüllte Frau auf einem Stuhl und redet ein bisschen über Glück und alte Zeiten – dadurch geht die Spannung verloren. Das wirkt banal und über die Länge von anderthalb Stunden langweilig.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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Alles wird gut
  · 24.04.17
Ein erneutes „Endspiel“ bringt Samuel Becketts paradoxe Tragikomödie aus dem Jahre 1960 auf die Bühne des Deutschen Theaters Berlin. Becketts Stück, 1961 in New York überaus erfolgreich uraufgeführt, hatte es merkwürdigerweise in Berlin anfangs etwas schwer. Die Spannweite zwischen  auf die Spitze getriebener sarkastischer Ironie und einer endzeitlichen, objektiv von gänzlicher Hoffnungslosigkeit geprägten  Grundsituation wurde von  Publikum und Kritik bei der deutschen Erstaufführung 1961 in der Werkstatt des Berliner Schillertheaters mit Ratlosigkeit quittiert.

Mittlerweile ist  das Empfinden für die kuriose Ambivalenz unseres täglichen Lebensgefühls vor dem Hintergrund der laufenden Zeitereignisse offenbar gewachsen. Beckett schildert den Alltag zweier Menschen, die nicht nachlassen, ihre „glücklichen Tage“ zu preisen, obwohl ihr erbärmliches Leben eigentlich aus einer Kette fataler Rückschritte bis zur gänzlichen Erstarrung besteht. Die Rigorosität dieses Konflikts zwischen Wunsch und Wirklichkeit reizt zu Analogien mit der Jetztzeit.

Christian Schwochows Neuinszenierung am Deutschen Theater Berlin kommt ohne den  spektakulären Sandhaufen aus, in dem Winnie (Dagmar Manzel) zwei Akte lang versinkt. Er befreit die Szene von allen ablenkenden Begleitumständen und läßt statt dessen Winnie statisch auf einem Stuhl vor schwarz glänzender Wand sitzen und ihren Dialog mit Ehemann Willie (Jörg Pose) führen - einen Dialog, der eigentlich ein Monolog ist und in dem die kargen Momente der Kommunikation zwischen den beiden bereits die Höhepunkte des szenischen Geschehens ausmachen. Den Zuschauer erwarten anderthalb Stunden konzentrierten Zuhörens, die aber dank der faszinierenden Konzentrationsleistung von Dagmar Manzel zumindest streckenweise geradezu kurzweilig geraten. Wie sie ihren Part gliedert und akzentuiert, wie sie ihre Stimme vom Flüstern bis Schrei moduliert und dramaturgisch nutzt, ist erlebenswert.

Die prinzipielle Struktur des Zweiakters bleibt erhalten und wird sogar klar herausgearbeitet. Wenn sich der eiserne Vorhang zum ersten Akt hebt (Bühne: Anne Ehrlich), sitzt Winnie eingenickt auf ihrem Stuhl, schreckt dann hoch und beginnt ihre dahinströmende Suada, die allerdings zu Beginn in sehr verhaltenem Ton vorgetragen wird. Ihre erste Aktion ist ein ausgiebig exerziertes Zähneputzen, wonach sie dann später die Aufschrift der Zahnbürste „Voll garantierte echte reine Barch-Borsten“ zu entziffern beginnt, irgendwann auch von einer Lupe beim Dechiffrieren unterstützt.  Ehemann Willie ist nur ein kümmerlicher Sparringspartner, der mit wenigen Repliken antwortet. Die Trennlinie zwischen den beiden Akten wird durch erneutes Absenken und Aufziehen des „Eisernen“ markiert. Weitere Interpunktionselemente sind Sirenensignale, die an Warnzeichen im Luftschutzkeller erinnern, sowie bebende Basstöne, als nähere sich ein bedrohliches Verhängnis. Aber nichts dergleichen geschieht - der gedachte Himmel bleibt blau, lediglich das Perpetuum mobile der tausend Nichtigkeiten rollt ab wie am Schnürchen. 

Wie Dagmar Manzel da mit Hingabe und Akribie in Winnies Erinnerungskasten kramt, ist durch die Geschlossenheit der hier ausgebreiteten Alltagsphilosophie durchaus faszinierend. Winnie spult auch nicht einfach ihren Text ab, sondern inszeniert ihn als Interaktion mit dem Publikum. Zahllose Erinnerungen tauchen überraschend aus den Tiefen ihres Gedächtnisses auf, ohne dass wehmütige, nostalgische Gefühle die Oberhand gewinnen. So schmerzlich diese Reminiszenzen sein könnten, Winnie gewinnt der Erinnerung stets etwas Positives ab und bewahrt sich auf diese weise instinktiv vor dem Versinken in einer Flut von Klagen. Obwohl sie am Ende nahezu erstarrt in unbeweglicher Pose verharrt, nähert sich ihr Gatte auf allen Vieren mit devoter Geste, wie um Verzeihung bittend, und Winnie haucht ein rührendes Dokument verflossener Herrlichkeit, das Couplet „Lippen schweigen, s flüstern Geigen“ aus Léhars „Lustiger Witwe“. 

Viel Applaus für bemerkenswerte schauspielerische Leistungen, in den auch das Regieteam einbezogen wird. 

http://roedigeronline.de
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Christian Schwochow inszeniert Beckett mit Dagmar Manzel
  · 22.04.17
Für den Zuschauer ist dieser tragikomisch-absurde Beckett-Monolog ziemlich quälend. Erträglich wird er nur, weil ihn mit Dagmar Manzel ein Publikumsliebling und eine Ausnahmeschauspielerin spielt. Von 1983 bis 2001 war sie festes Ensemble-Mitglied des Hauses und machte sich in den vergangenen Jahren als Gast recht rar. Häufiger war sie in Operetten und Musicals bei Barrie Kosky einige hundert Meter weiter an der Komischen Oper zu sehen und natürlich seit 2015 an der Seite von Fabian Hinrichs im „Tatort“ aus Franken.
Sie wieder einmal im Deutschen Theater Berlin sehen zu dürfen, ist ein Glück des Tages. Mit Würde spielt sie die Winnie, die ihrem Ende entgegendämmert und vergeblich versucht, sich am nächsten Strohhalm festzuklammern. Das Glück wäre aber noch viel größer gewesen, wenn sie sich für ihr Comeback einen anderen Text ausgesucht hätte. Seltsam. Weiterlesen
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