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Bewertung und Kritik zu

TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN
von Arthur Miller
Regie: Bastian Kraft 
Premiere: 17. März 2017 
Deutsches Theater Berlin

Inhalt: Der Traum, Nummer Eins zu werden. Der Traum vom ganz großen Glück, Erfolg und Ruhm. Der Traum von Anerkennung. Am Ende eines arbeitsreichen Lebens ist dieser Traum von Willy Loman nicht in Erfüllung gegangen. 36 Jahre reiste er als Handelsvertreter durch die Lande und nun ist er am Ende. Die Stammkunden sind verzogen oder verstorben, die jüngeren Kollegen arbeiten effizienter, die unzähligen Autofahrten sind eine Qual. Als ihn der neue, junge Chef feuert, gerät er in eine existenzielle Sinnkrise. Loman sieht nur einen Ausweg: Selbstmord, als Autounfall getarnt, damit seine Familie mit der Lebensversicherung weiterleben kann.

Regie: Bastian Kraft

Bühne: Ben Baur
Kostüme: Inga Timm
Video: Stefan Bischoff
Musik: Björn SC Deigner
Dramaturgie: Ulrich Beck


 
Meinung der Presse zu „Tod eines Handlungsreisenden“ - Deutsches Theater Berlin


rbb
★★★★☆

nachtkritik
★☆☆☆☆

Berliner Zeitung
★★★☆☆

Die Welt
★★★☆☆

tip
★★★★☆

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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Schattenspiele am DT
  · 20.03.17
''Nun hat sich am selben Ort Bastian Kraft an eine neue Interpretation des alten Stoffs gewagt. Was der junge Regisseur, der bisher mehr durch knallig-bunte Inszenierungen mit viel Musik und Videoeinsatz auffiel, auf einer nun fast völlig leergeräumten Bühne beweisen will, erschließt sich nicht sofort auf den ersten Blick. Obschon das Stück als großes Schattenspiel an den Bühnenrundhorizont zu werfen erstmal ziemlich einleuchtend wirkt. (...)
Ohne große Aktualitätsbezüge mit der reinen Konzentration auf die Kernfamilie hatte bereits auch Stephan Kimmigs Inszenierung von Tennessee Williams Glasmenagerie versucht, an amerikanischen Träumen und Lebenslügen zu kratzen. Was dort allerdings etwas zu sehr in den Klamauk abglitt. Bastian Krafts Inszenierung bleibt ganz nah dran an den Charakteren Millers, in denen die Aktualität immer wieder ganz beiläufig mitschwingt. Es ist dies die des ewigen Männlichkeitsideals als einzigem Ernährer der Familie, die eines früher war alles besser, der Angst vor der Zukunft und Überfremdung. Das Programmheft bietet dazu einen Essay von Jürgen Martschukat über die immer wieder herbeigeredete Krise und angebliche Marginalisierung des weißen Amerikaners. Und da ist es dann auch nicht mehr weit zu Trumps „Make America Great Again“ oder dem Nationalismus der AfD.'' schreibt Stefan Bock am 20. März 2017 auf KULTURA-EXTRA
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Ein graues windschiefes Männchen
  · 18.03.17
''Am ehesten noch hat sich Benjamin Lillie als Biff einen Schuss Lebendigkeit bewahrt. Am Ende erscheint die Inszenierung vor dem großen Schatten dieses berühmten Stücks eher klein - mit einigen berührenden Momenten, solide, aber irgendwie indifferent.'' schreibt Silke Hennig auf kulturradio.de
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Tod eines Handlungsreisenden
  · 18.03.17
Der Preis seiner Regie-Entscheidung ist, dass der Abend von einer deutlichen Entschleunigung geprägt ist. Die Verlorenheit der einsamen Würmchen und ihre verlässlich im Stillstand endenden Kommunikationsversuche prägen diese statische Inszenierung. Manche Besucher fühlten sich davon so sehr ermattet, dass deutliche Schnarchtöne in Reihe 12 zu hören waren.
Positiv hervorzuheben ist, dass Bastian Kraft, sein Dramaturg Ulrich Beck und das Ensemble die Übersetzung von Volker Schlöndorff und Florian Hopf aus dem Jahr 1986 behutsam aktualisierten. Formulierungen, die zu sehr nach Fünfziger Jahre-Biedermeier und unfreiwillig komisch klingen, wurden behutsam gestrichen. Konsequenterweise hätte man auch auf die Qualmszene von Happy (Camill Jammal) und Jenny (die von ihren UdK-Kommilitionen euphorisch bejubelte Ruby Commey bei einem Kurzauftritt) in einer Bar verzichten können. Der Nikotin-Gestank, der sich von der Bühne im ganzen Saal ausbreitet, wirkt genauso aus der Zeit gefallen und störend. Weiterlesen
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Kampf mit den Schatten im Kopf
  · 30.11.18
Willy schlurft mit eingeknicktem Knien und gebeugtem Rücken über die Bühne. In einem viel zu großem Anzug steckt er. Sein amerikanisches Western-Hemd erinnert an bessere Zeiten, ist aber nur ein krampfhafter Versuch an den amerikanischen Traum zu erinnern. Nie hat man Ulrich Matthes so alt gesehen wie in dieser Rolle. Schon bei seinem ersten Auftritt ist klar: Sein Willy Loman ist ein gebrochener Mann.

Willy kämpft mit den Schatten in seinem Kopf. Sie werden auf das Bühnenhalbrund geworfen. Dort begegnet er den Vertretern seiner Vergangenheit, in der er vergeblich an seinen falschen Abzweigungen forscht. Dort tauchen die auf, die es geschafft haben. Er dagegen ist immer ein kleiner Handlungsreisende geblieben. Jetzt ist er aussortiert worden, weil er jüngere gibt, die besser sind als er. Die Leistungsgesellschaft, für die er immer einstand, fordert ihren Tribut. Jeder ist für sich alleine verantwortlich, auch für sein Scheitern.

Dabei sind aus seiner Ehe mit Linda (Olivia Grigolli) zwei Söhne entstanden. Also zwei potentielle Gewinner, die er ins amerikanische Rennen geschickt hat. Besonders auf den einen, eine Sportkanone Biff (Benjamin Lillie) hat er so große Hoffnungen gesetzt. Doch Biff ist noch immer auf der Suche nach sich selbst. Der ältere Happy (Camill Jammal) ist ein kleiner Hilfsverkäufer und Frauenaufreißer am Ort geblieben. Keine Söhne, mit denen Willy sein gestauchtes Selbstbewusstsein aufrichten und vor seiner Umwelt angeben könnte. Vordergründig streitet er sich mit diesen Söhnen, doch im Grunde weiß er: Auch für ihren Misserfolg muss er sich selbst die Schuld geben. Er hat ihnen nicht die richtigen Tipps für den amerikanischen Wettbewerb mitgegeben. Auch hier hat er versagt.

So bleibt Willy Loman nur die einzige Schlussfolgerung: Tot ist er mehr wert als lebendig. Die Auszahlung der Lebensversicherung wird seinen Söhnen eventuell das Startkapital für das erträumte Erfolgsgeschäft bringen.

In der Inszenierung von Bastian Kraft am Deutschen Theater wird die Erschütterung des Handlungsreisenden Willy Loman auch deswegen so unausweichlich, weil er auf jede Dekoration im Bühnenbild (Ben Baur) verzichtet. Einzig die riesigen Schatten auf dem weißen Bühnenhalbrund bestürmen den kleinen alten Mann. Wenn man dieser Aufführung einen Vorwurf machen könnte, dann den, dass neben Ulrich Matthes alle weiteren Figuren zu Beiwerk werden. Der kleinste und mickrigste Mann in dieser weißen Arena des Wettbewerbs ist das Zentrum, um den sich alles dreht. Doch das ist nur konsequent, denn genau so hat Autor Arthur Miller das Stück angelegt. Ein würdiger Abschluss der diesjährigen Theaterfestivals!

Birgit Schmalmack vom 30.11.18
www.hamburgtheater.de
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Tod eines Handlungsreisenden oder den günstigsten Selbstmord üben
  · 09.06.17
Ein Mann, dessen zwei Söhne erwachsen sind, kann nicht mehr mithalten auf dem Karussell des Kapitalismus  –  ein sehr aktuelles Thema, wo die Vorruheständler sich bei Krankheit in Hartz IV wiederfinden und die Rentner Flaschen sammeln müssen um zu überleben. Die Verkaufszahlen eines Versicherungsvertreters sinken und daher hat der Sohn vom alten Chef „Lomann“ rausgesetzt und nun übt er seit einiger Zeit den günstigsten Selbstmord. Er will ihn als Unfall tarnen, um mit der Lebensversichung seiner Familie eine neue Existenz zu sichern.
Das Stück von Arthur Miller, aus dem Jahre 1949, in der Regie von Bastian Kraft, beginnt, als der Selbstmord per Unfall endlich gelungen ist und die kleine Familie erstarrt um einen kleinen Tisch herum sitzt. Von da ausgehend wird alles in Rückblende erzählt. Eine schön aufs Wesentliche reduzierte Aufführung, stringent erzählt, souverän und realitätsnah gespielt, mit originellem Bühnenbild.  Die Bühne ist ein Rondel, eine schwarze vielfach zerkratzte Fußbodenfläche, auf der das Leben seine Spuren hinterlassen hat, dazu ein Tisch, sechs Stühle.
Schattenrisstechnik originell
Dazu kommt eine rundum laufende weiße Betonfläche, auf die ein starker Scheinwerfer, der aus dem Publikum wahlweise die Figuren und den Tisch anstrahlt, Figuren und Formen wie Schattenrisse an die Betonwand projeziert. Dabei wird die Schattenrisstechnik inhaltlich eingesetzt, indem es immer dann zu Perspektivenverkürzungen und –verlängerungen, -verkleinerungen und -vergrößerungen der Schatten kommt, wenn es die Menschen, die grade agieren, innerlich so fühlen, eine sehr originelle Technik. Weiterlesen
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Ein bewegender Abstieg
  · 30.03.17
Arthur Millers Ballade von der Fruchtlosigkeit menschlichen Strebens, uraufgeführt 1949 am New Yorker Broadway, gilt längst als klassische Umsetzung des schmerzlichen Erwachens aus dem amerikanischen Traum von Reichtum und Glück. Die Breitenwirkung  dieser Tragödie in unseren Tagen resultiert unter anderem daraus, dass sich ein solches Schicksal mühelos auch auf andere Orte und Zeiten mit ähnlichen Voraussetzungen übertragen läßt, wodurch die Handlung eine bisweilen bestürzende Aktualität gewinnt. Eine gewisse Nähe und thematische Verwandtschaft besteht zu Tennessee Williams’ früher erschienenem Stück  „Die Glasmenagerie“, wo der amerikanische Traum auf ähnliche Weise zerbricht. 

Die Inszenierung von Bastian Kraft hat ein unbestreitbares Verdienst: sie bietet diese Vorlage ohne Verfärbungen und bemühte Beimischungen an, lapidar und elementar, wie es auch das Bühnenbild von Ben Baur unterstreicht. Die weite, kahle Bühne wird nur von einem gigantischen Rundhorizont begrenzt, der als Projektionsfläche für illustrative Schattenspiele genutzt wird. Die können sowohl aus der realen wie aus der imaginativen Handlung stammen. Ansonsten hängt nur eine simpel blecherne Tischlampe aus der Höhe  herab, und auf der Drehbühne befindet sich lediglich ein Tisch mit ein paar Stühlen. Leider beschert die ansonsten naturbelassene Bühne den Akteuren ein akustisches Problem: die Sprachverständlichkeit ist streckenweise auffallend schlecht, und der damit allein gelassene Zuschauer muss sich anhand der projizierten englischen Übertexte vergewissern, ob er das Gesagte zutreffend aufgenommen hat. 

Willy Loman ist seit vielen Jahren Handelsvertreter und erinnert sich durchaus lukrativer Zeiten, in denen sein Beruf ausreichte, um die Familie zu ernähren. Nun wird er entlassen und steht vor dem Ruin.  Ulrich Matthes gibt diesem Mahnmal des sozialen Abstiegs alle Dimensionen, aus denen die Figur lebt: trotzigen Stolz, das stets präsente Bewußtsein einstiger Leistungen, das Beispiel des erfolgreichen Bruders und das immer fortlebende Bemühen, die Existenz der ihm anvertrauten Angehörigen zu sichern. Gepaart mit nachlassendem Realitätssinn wird daraus ein gefährlicher Zustand, in dem es keinen Ausweg aus der Abwärtsspirale mehr gibt. 

Auch die beiden Söhne sind vom Fluch der Mittelmäßigkeit verfolgt. Biff (Benjamin Lillie) schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, und auch sein Bruder Happy (Camill Jammal) ist lediglich ein zweitklassiger Assistent, der vom Aufstieg träumt. Als beide den Plan fassen, gemeinsam ein Sportgeschäft zu eröffnen, versickert dieser Impuls ohne positives Ergebnis. Nachbar Charley (Harald Baumgartner) leiht Loman etwas Geld, aber von einem angebotenen Job will dieser nichts wissen. Seine Ehefrau Linda (Olivia Grigolli) leidet unter der gereizten Atmosphäre in der Familie, nutzt aber jede Gelegenheit, die guten Seiten ihres Ehemannes zu rühmen. Howard Wagner (Moritz Grove) tritt auf, Chef der Handelsfirma, bei der Willy einst angestellt war, und führt ihm eine faszinierende Neuerung vor: ein Tonbandgerät, das die Stimmen seiner Kinder festhält. Statt Mitgefühl für die Lage von Willy Loman spürt man bei ihm aber eher soziale Kälte.

Ein Anstellungsversuch von Biff bei einem früheren Schulfreund Oliver mißlingt- der erkennt ihn gar nicht, und Biff klaut ihm lediglich seinen Füllhalter.  Ein gemeinsames Dinner der beiden Söhne mit dem Vater, zu dem Happy eingeladen hatte, um den erwarteten Job für Biff zu feiern, zerflattert - die beiden Söhne ziehen mit rasch angeheuerten Mädchen davon und ignorieren Vater Willy. Als alle wieder zu Hause sind, zieht die nächste Auseinandersetzung herauf - Biff gibt zu, während einer dreimonatigen Abwesenheit wegen Diebstahls im Gefängnis gewesen zu sein, und kündigt seinen Auszug aus dem Elternhaus an. Vor dem abendlichen Schlafengehen verläßt Willy das Haus, um den Tod zu suchen, damit seine Familie von der Lebensversicherung existieren kann.

Viel Beifall für die eindringliche Zeichnung der Figuren, für Ulrich Matthes und das übrige Ensemble. 

http://roedigeronline.de
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