Das Himmelszelt

Bewertung und Kritik zu

DAS HIMMELSZELT 
von Lucy Kirkwood
Regie: Jette Steckel 
Premiere: 12. November 2022 
Deutsches Theater Berlin 

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Zum Inhalt: In einem kleinen Dorf an der englischen Ostküste kämpft im März 1759 eine verurteilte Mörderin um ihr Leben. Sally Poppy wird von ihrem Ehemann beschuldigt, gemeinsam mit ihrem Liebhaber ein Mädchen ermordet zu haben. Als ihr Todesurteil verkündet wird, behauptet sie schwanger zu sein – in diesem Falle müsste die Hinrichtung ausgesetzt werden. Zwölf Frauen des Dorfes, die selbst bereits mindestens ein Kind geboren haben, werden als "Matronenjury" eingesetzt, um die Schwangerschaft festzustellen oder auszuschließen. In einem Rechtssystem, das ihnen fremd und feindlich gegenübersteht, machen sich die Frauen erst eher wider- und unfreiwillig auf die Suche nach der Wahrheit, während draußen ein Mob wütet, der Sally Poppy hängen sehen will. Ein weiteres Ereignis beschäftigt die Dorfbewohner:innen: das Erscheinen eines lichtstarken Kometen, der sich im Abstand von 74 bis 79 Jahren der Erde nähert. Alle Augen richten sich erwartungsvoll gen Himmel, weg vom weiblichen Körper, der Untersuchungsgegenstand und Schlachtfeld ist, auf dem der Kampf um Recht und Unrecht ausgetragen wird.

Die britische Dramatikerin Lucy Kirkwood hat ein fesselndes, präzises Gerichtsdrama für ein fast ausschließlich weibliches Ensemble geschrieben. In ihre historische Handlung streut sie aktuelle Bezüge hinein, verbindet die Zeiten. "Es geht darum, wie Demokratie arbeitet, was es heißt, eine Stimme abzugeben, und wie man innerhalb der vorhandenen Strukturen Handlungsmacht erlangen kann" (Lucy Kirkwood).

Regie: Jette Steckel
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Andrea Schraad
Musik: Mark Badur
Chorleitung: Benedikt Reidenbach
Choreografie: Dominika Knapik
Dramaturgie: Anika Steinhoff
Licht: Matthias Vogel


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
Nach einer etwas langatmigen Exposition wogt die Beratung der Jurorinnen fast drei Stunden hin und her. Der Plot nimmt einige aberwitzige Wendungen, die oft arg konstruiert oder kolportagehaft wirken. Schon bei der deutschsprachigen Erstaufführung von „Das Himmelszelt“ am Wiener Akademietheater im Spätsommer 2020 legte Nachtkritikerin Gabi Hift den Finger in die Wunde des Stück-Texts: die Entwicklung des Plots und urplötzlich auftauchenden „Leichen im Keller“ der Jury-Mitglieder wirken oft nicht sonderlich glaubwürdig.

Diese Schwäche der Stückvorlage versucht Jette Steckel bei der deutschen Erstaufführung am DT mit einem exzellenten Ensemble zu überdecken: Kathleen Morgeneyer und Maren Eggert (als Hebamme Elizabth Luke) in den Hauptrollen bekamen weitere arrivierte Spielerinnen des Hauses wie Almut Zilcher, Franziska Machens, Linda Pöppel und Anja Schneider an ihre Seite gestellt, hinzu kommen noch hochkarätige Gäste wie Karin Neuhäuser, Birte Schnöink und Ursula Werner. Diese Damen-Riege absolviert gewaltige Textmassen, einige der Promis kommen nur recht knapp zu Wort, statt markanter Charaktere wirken sie eher wie Thesenträgerinnen und Schachbrettfiguren für die nächsten Plot Twists der Autorin.

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