Autoren[theater]texte

Bewertung und Kritik zu

AUTOREN[THEATER]TEXTE
drei szenische Lesungen
Premiere: 2.-4. Oktober 2020 
Deutsches Theater Berlin 

Berliner Autorentheatertage (2020) 

Inhalt: Es ist ein besonderes Jahr für die Autoren[theater]tage, ein Jahr mit weniger Theater, dafür mit umso mehr Autor_innenschaft. Um die Zeit der Theaterschließung zu nutzen (und als kleine Soforthilfemaßnahme), haben wir die Autor_innen des diesjährigen Festivaljahrgangs im Frühjahr darum gebeten, je einen neuen Kurztext für das Deutsche Theater zu schreiben. Entstanden sind Szenen, Geschichten, Konzentrate, Komödien, Alben, Kurzstücke, zehn literarische Keimlinge, die wir am Festivalwochenende erstmals vorstellen: in Lesungen und in der Hoffnung, dass manches Stück und manche Zusammenarbeit weiter wächst.

Am Festivalfreitag zeigen wir in der Box, im Magazin und auf der Probenbühne Sibylle Bergs Übergabeprotokolle, Doğan Akhanlıs Die vierte Figur und Martina Clavadetschers Der Glassarg ist doch auch bloß ein öffentliches Bett. Am Festivalsamstag lesen und zeigen wir in den Kammerspielen Nele Stuhlers Gaia-Sequel Gaia rettet die Welt, Felicia Zellers Was bisher geschah, Kevin Rittbergers Kurzstück Blackout White Noise und Bonn Parks 'Liederabend ohne Musik' GUT (Album). Am Festivalsonntag zeigt das DT-Ensemble im Deutschen Theater das neue Kurzstück von Elfriede Jelinek Blindes Sehen, Miroslava Svolikovas Königsmärchen Staatsfragmente und Milena Michaleks Theatertext Das hier.

Autoren[theater]texte I
am 2. Oktober in Box, Magazin und Probebühne
Sibylle Berg: Übergabeprotokolle
Doğan Akhanlı: Die vierte Figur
Martina Clavadetscher: Der Glassarg ist doch auch bloß ein öffentliches Bett

Autoren[theater]texte II
am 3. Oktober in den Kammerspielen
Nele Stuhler: Gaia rettet die Welt
Felicia Zeller: Was bisher geschah
Kevin Rittberger: Blackout White Noise
Bonn Park: GUT

Autoren[theater]texte III
am 4. Oktober im Deutschen Theater
Elfriede Jelinek: Blindes Sehen
Miroslava Svolikova: Staatsfragmente
Milena Michalek: Das hier


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Auftragswerke in Corona-Zeiten
  · 05.10.20
Bemerkenswert war der Audiowalk, den Joanna Praml und Birgit Lengers mit einem fünfköpfigen Schneewittchen-Chor aus Spielerinnen des Jungen DT erarbeiteten. Martina Clavadetschers "Der Glassarg ist doch auch bloß ein öffentliches Bett" ist ein witziger Text über Rollenmuster, Social Media-Selbstinszenierungen und die Wut junger Frauen und wurde gekonnt in Szene gesetzt.

Die beiden interessantesten Auftragswerke waren zum Festival-Abschluss auf der großen Bühne zu erleben: Elfriede Jelinek haute wie schon nach der Wahl von Donald Trump auch in der Corona-Pandemie wieder besonders schnell in die Tasten und verfasste die assoziativ-pointierte Textfläche "Blindes Sehen". Maren Eggert kam im glitzernden Virenschutzanzug auf die Bühne und trug die Gedankensplitter und Brückenschläge des Jelinek-Textes im dazu passenden Höllentempo vor, bis sie sich den Mund-Nasen-Schutz schließlich über die Augen zog. Vom Rassismus gegen maskierte Asiaten über Bill Gates und Superspreader bis zum Corona-Hotspot beim Aprés-Ski in Ischgl verknüpft Jelinek zahlreiche Motive, die ihr im Medienstrom der vergangenen Monate auffielen.

Als Trio performten Linda Pöppel, Birgit Unterweger und Almut Zilcher "Das hier (Anrufungen aus der ideologischen Moderne)", einen sehr facettenreichen Text, der den schwammigen Begriff einer "neuen Normalität" auseinandernimmt und sich in einem satirisch-zugespitzten Dialog mit der Frage auseinandersetzt, warum das Theater als nicht "system-relevant" gilt. Die Auseinandersetzung der Figuren mündet in ein Manifest, wie kluges Theater, wie anarchisches Theater, wie ein Theater der Freundschaft aussehen sollte. Milena Michalek ist mit ihrem Text eine der Entdeckungen dieser Autorentheatertage.

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