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Bewertung und Kritik zu

PLAY STRINDBERG
von Friedrich Dürrenmatt
Premiere: 13. September 2020 
Deutsches Theater Berlin 

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Zum Inhalt: August StrindbergTotentanz, das ist gewissermaßen die Urszene aller Ehedramen. Für seine Bearbeitung wollte Friedrich Dürrenmatt, der Großmeister des bitter-ironischen Blicks auf die Welt, alle "Schicksalsdynamik und Bürgerdämonie" daraus verbannen. Also straffte und verdichtete er die Dialoge, gliederte den Text in die zwölf Runden eines Boxkampfs und transformierte die Tragödie des Originals ins Komödiantische. Alice und Edgar, kurz vor ihrer silbernen Hochzeit und in größter Einsamkeit lebend, liefern sich einen wahren Infight. Dann steht Kurt vor der Tür, Vetter von Alice: Welche Allianzen bilden sich? Wer zieht wen auf seine Seite? Ein Schauspiel, erbarmungslos und komisch.

Mit Manuel Harder, Ulrich Matthes, Sophie Rois

Einrichtung: Adrian Linz
Ausstattung: Janja Valjarević
Musik: George Dhauw
Dramaturgie: Juliane Koepp


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Schlagabtausch der Schauspielstars und sichere Bank im Repertoire
  · 13.09.20
In diametralem Gegensatz zum Glamour der berühmten Namen steht die minimalistische Form dieses knapp 80minütigen Abends: streng auf Abstand sitzen die drei Ensemble-Mitglieder des Deutschen Theater Berlins an spartanischen Tischen und tragen den Text als szenische Lesung vor. Nur der Plüsch-Vorhang und die historisierenden Kostüme im Stil des 19. Jahrhunderts setzen einen Kontrapunkt zur bewussten, Corona-bedingten Kargheit des Abends.

Friedrich Dürrenmatt schrieb „Play Strindberg“ als kleine, böse Fingerübung und Übermalung des Strindberg-Klassikers „Totentanz“ im Jahr 1969. Seitdem wird diese Ehehöllen-Komödie nur selten gespielt und steht im Schatten bekannterer Vorbilder wie „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“, da Dürrenmatt mehr mit dem Holzhammer als mit dem Florett operierte.

Aber der schnelle Schlagabtausch der Bühnenstars hat seinen Reiz: „Play Strindberg“ ist ein vergnüglicher, kleiner Abend und eine sichere Bank im Corona-Repertoire. Die Alice der Sophie Rois faucht und kreischt, versetzt ihrem Partner spöttische Hiebe und wünscht ihm die Pest und den Tod an den Hals, wenn der Edgar des Ulrich Matthes nach einer exzentrischen Tanzeinlage oder einem Mansplaining-Solo über die Geschichte der Kriegskunst wieder einmal in Ohnmacht fällt. Sie hauen sich ihr Versagen um die Ohren und demütigen sich bei jeder Gelegenheit.

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Dürrenmatt hat Strindberg jede Sentimentalität ausgetrieben
  · 14.09.20
''In abgewetzter blauer Rittmeister-Uniform sitzt Ulrich Matthes an seinem Tischchen und spielt seinen verbitterten Edgar bärbeißig-breitbeinig vom Blatt, während Sophie Rois in schwarzer Spitze und überdimensionierten Puffärmeln daneben wirkt wie sein persönlicher Todesengel mit Giftspritze. Manuel Harder stößt zu beiden mit den Waffen eines nur leicht angegrauten Sunnyboys. Gespielt wird hier keine psychologische Wohnzimmerschlacht im Stil eines Edward Albee oder einer Yasmina Reza, sondern eine überdrehte Groteske. Dürrenmatt hat Strindberg jede Sentimentalität ausgetrieben und damit jede psychologisch nachvollziehbare Verletzung. Geblieben ist nur der Hass, unbegründet und grell. Jede Runde wird blutig ausgefochten – doch Grund und Sinn des Kampfes bleiben vage.

Und so sieht man drei Virtuosen dabei zu, wie sie im Ring ihre Kunststückchen zeigen, die man denn auch gern beklatscht. Rois rollt die Augen und spreizt die Stimme ironisch-exaltiert, Matthes ächzt als todkranker Brummbär zu seinem Lieblingsmarsch über die Bühne. Wozu dieses leicht angestaubte Übungsspiel, jetzt, hier, von Adrian Linz als szenische Lesung eingerichtet, also in abgespeckter Form, das bleibt allerdings unklar. "Nur für Fans" würde man sagen, wäre es ein Musikalbum.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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