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Bewertung und Kritik zu

ISMENE, SCHWESTER VON
von Lot Vekemans
Regie: Stephan Kimmig 
Premiere: 21. März 2014 
Deutsches Theater Berlin

Inhalt: Dreitausend Jahre hat niemand mehr an sie gedacht, war ihr Leben vergessen ebenso wie ihr Tod: Unerlöst befindet sich Ismene in einem Zwischenreich, nach einem Dasein ohne eigenen Inhalt und einem Ableben ohne Erinnerung. Alles an ihr scheint fremdbestimmt – durch die antiken Helden ihrer Familie, den Vater Ödipus, die streitbaren Brüder Eteokles und Polyneikes, besonders aber durch ihre Schwester Antigone, die gegen die Tyrannei ihres Onkels Kreon beispielhaft aufbegehrt, ein heroischer Weg, den Insmene nicht mitgeht. – Jetzt, dreitausend Jahre später, hat die niederländische Autorin Lot Vekemans diese Figur in der Vergessenheit aufgesucht und sie aus dem Schatten treten lassen. Nach einer Ewigkeit des Schweigens stellt sich Ismene ihrer Geschichte.

Mit Susanne Wolff

Regie: Stephan Kimmig
Bühne und Kostüme: Anne Ehrlich
Dramaturgie: John von Düffel


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4.3/5 Insgesamt 3 Bewertungen (3 mit Rezension)
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Helden und Feiglinge
  · 24.04.17
„Vom ganzen Stamme des Ödipus war jetzt nur noch Ismene übrig. Von ihr erzählt die Sage nichts; sie starb unvermählt oder kinderlos und mit ihrem Tode erlosch das unselige Geschlecht.“
(Schwab, Gustav: Die schönsten Sagen des klassischen Altertums. Nach seinen Dichtern und Erzählern, Gütersloh 1916, S. 265)
Abgesehen davon, dass die antiken Sagen heute sowieso kaum noch einem präsent sind, ist die mythologische Figur „Ismene“ völlig vergessen. Überstrahlt von der populären Sage des Ödipus, in der ihre Schwester Antigone zur Heldin stilisiert wird, bleibt Ismenes Leben unbeleuchtet. Irgendwann verschwand sie dann einfach von der Bildfläche der griechischen Mythologie. Sie starb und wurde vergessen. Aus diesem Vergessen lässt sie nun die niederländische Dramatikerin Lot Vekemans in ihrem Stück Ismene, Schwester von wieder auferstehen. Zum ersten Mal darf Ismene die Geschichte ihrer Familie, auch ihre eigene Geschichte aus ihrer Sicht erzählen. Und sie hat einiges zu sagen. Zuhören kann man ihr in Stephan Kimmigs Inszenierung am Deutschen Theater in Berlin. Premiere war am 21. März 2014. Weiterlesen →
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Im dunklen Zwischenreich
  · 01.11.15
Vekemans und Kimmig setzen dieser Überlieferung eine spannende Neu-Interpretation entgegen: Susanne Wolffs Ismene krabbelt nach dreitausend Jahren, die sie in der Schattenwelt des Vergessens im Zwischenreich zwischen Toten und Lebenden eingesperrt war, aus ihrem Sarg auf den Laufsteg, der bisher immer nur Antigone vorbehalten war. In einem an die maoistische Einheitskluft erinnernden Schlabber-Look trägt die Schauspielerin einen fulminanten einstündigen Monolog vor, der nicht ganz so im Schnellfeuer-Modus abgefeuert wird bei Steven Scharfs Judas, aber ebenfalls hohe Konzentration voraussetzt. Eine tiefere, altphilologische Kenntnis der Figuren aus der griechischen Mythologie ist sehr empfehlenswert, um die vielen Namen, die Ismene in dieser wütenden Abrechnung herausschleudert, richtig einordnen und die Anspielungen verstehen zu können. Eine Stück-Einführung durch die Dramaturgen wäre an diesem Abend besonders hilfreich.
Ismene, Schwester von ist eine der stärkeren Inszenierungen, die derzeit am Deutschen Theater Berlin zu erleben sind: dies liegt neben dem hochinteressanten Gedankenexperimernt der Text-Vorlage vor allem an der schauspielerischen Leistung von Susanne Wolff. Weiterlesen
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susanne wolffs faszinierender monolog einer scheuen ismene
  · 30.01.18
sie ist ja nur ismene, die schwester von antigone (und den streitbaren brüdern eteokles und polyneikes), die tochter von ödipus. autorin lot vekemans holt die stille scheue ismene aus dem reich der toten seelen und griechischen mythen. nun steht sie 2015 vor uns auf einem hohen bühnensteg mit strähnigem langen haar, blauer hemdbluse, dunkler stoffhose, ausgetretenen sneakern und fragt sich in den kammerspielen warum und würde uns gern folgen, wohin auch immer, nur weg aus dieser einöde, oder lieber doch nicht?
susanne wolff, die ensemble-perle des dt, ist ungeschminkt, völlig natürlich. ihr ebenmäßiges gesicht ist die perfekte projektionsfläche für all die unsicherheiten und befindlichkeiten ismenes. eine stunde lang spricht sie hochkonzentriert zu uns ohne angespannt zu wirken, lässt kleine pausen entstehen, nestelt nervös an der hose, zerreibt kreide in den schmalen händen.
verliert sich mit blicken, fängt sich wieder, zweifelt, scheut, geht auf uns zu und wieder weg.
ismene ist publikum nicht gewöhnt. sonst heulen nur die hunde oder die fliegen beißen sie.
ihre biografie ist massenkompatibel übersetzt und transportiert die bekannten eckdaten der mythisierten familiengeschichte, auch mal ironisch, manchmal bitter. 
die eine stunde one-woman-performance fasziniert jede minute.
applaus in wellen, susanne wolff verbeugt sich x-mal und traumhaft lächelnd vor uns, auch die vielen schüler/innen unter den zuschauern sind begeistert.
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Deutsches Theater Berlin
www.deutschestheater.de
Schumannstraße 13a - 10117 Berlin
Telefon: 030 284410

SPIELPLAN & KARTEN
3.1
Durchschnittsnote aller Stücke
5 47
4 153+
3 150+
2 97
1 49
Kritiken: 200
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