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Bewertung und Kritik zu

(LIFE ON EARTH CAN BE SWEET) DONNA
von René Pollesch
Regie: René Pollesch 
Premiere: 15. Dezember 2019 
Deutsches Theater Berlin 

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Zum Inhalt: Lied vom Ungebundenheitsimperativ
Alle: Wir haben gehört, dass es Hoffnung nur gibt,
um der Hoffnungslosesten Willen.
1: Wer hat euch gesagt, dass es Hoffnung gibt?
Alle: Wir sehen zwar, dass wir es nicht ändern
können, viel tiefer geht aber der Glauben, dass
es doch zu ändern ist.
1: Wie bei mir, den ihr verlassen habt, und ich weiß,
dass ich euch nicht mehr zurückkriege.
Aber ich flehe und heule, als wäre es nicht so,
meint ihr das?
Alle: Wir können nur aus dem was machen, was
man aus uns gemacht hat. Aber es geht ja auch darum,
was man aus der Welt gemacht hat.

Mit Judith Hofmann, Jeremy Mockridge, Bernd Moss, Milan Peschel, Martin Wuttke

Regie: René Pollesch
Bühne: Anna Viebrock
Kostüme: Nina von Mechow
Light: Matthias Vogel
Dramaturgie: Anna Heesen


 
Meinung der Presse zu 
„(Life on earth can be sweet) Donna“
Deutsches Theater Berlin


FAZ
★★★★☆

rbb
★★★☆☆

Berliner Zeitung
★★★★★

Die Welt
★☆☆☆☆

Zitty
★★★★☆

tip
★★★★★

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Selbstreferentielle Komödie für Theaterhistoriker und -wissenschaftler
  · 15.12.19
Die amerikanische Feministin und Cyborg-Theoretikerin Donna Haraway stand im Zentrum der ersten Gedankenskizzen dieses Abends. Im Lauf des Probenprozesses lösten sich Pollesch und sein Ensemble, was für ihre Arbeitsweise nicht ungewöhnlich ist, jedoch so weit von den ersten Entwürfen, dass Haraway außer im Titel des Abends nur noch in Spurenelementen zu finden ist. Stattdessen rückte Brechts „Straßenszene“ in den Mittelpunkt: modellhaft entwickelte er sein episches Theater in diesem Text über die polizeilichen Ermittlungen nach einem Autounfall.

Der Abend wird zum Sketch, der den Hollywood-Blockbuster „Transformers“ mit dem V-Effekt und einigen Kalauern mixt. Nach der Auseinandersetzung mit epischem und klassischem Repräsentaionstheater treiben Pollesch und seine Spieler*innen noch ihre Späße mit einem Schauspieler namens Harry, der durch diese Aufführung geistert und seinen „Lear“ nur in der Küche oder hinter der Bühne, aber niemals vor Publikum spielen kann.

„(Life can be sweet) Donna“ ist eine ziemlich selbstreferentielle Komödie, bei der vor allem Theaterwissenschaftlern und -historikern das Herz aufgehen mag.

Komplette Kritik mit Bildern
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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Der Funke springt nur selten über
  · 17.12.19
''Immerhin ein, zwei heitere Spielszenen gibt es. Etwa, wenn sich die Bühne dreht und wir auf drei große Pappautos schauen – die plötzlich aufstehen und sich als Wuttke, Peschel und Mockridge entpuppen. Sie haben es gewagt, sich mit ihrer Rolle, der des Autos, zu identifizieren und sogar zur Maschine zu transformieren. Eine Anspielung auf den Action-Film "Transformer" und Donna Haraway.

Auch ein paar schöne Bonmots über die Einsamkeit, das Vergessenwerden, den Sinn von Freundschaft fallen hier und da – doch Funken schlägt das selten. Die Inszenierung weist über den reinen Theaterkosmos kaum hinaus. Für Registudenten, Theaterwissenschaftler und eingefleischte Pollesch-Fans mag das interessant sein, aber dem normalen Zuschauer kann der Blick in die Diskurs-Werkstatt kaum etwas erzählen. Bei aller routinierter Pollesch-Boulevard-Komik langweilt das zunehmend. Kein Vergleich also zu dem menschlichen, herzerwärmenden Abend, den René Pollesch mit Fabian Hinrichs im Herbst am Friedrichstadtpalast inszeniert hat.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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0 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Versuch einer diskursiven Betrachtung der Welt
  · 17.12.19
''Pollesch wäre nicht Pollesch, wenn sich aus seinem Text dazu nicht doch auch komödiantische Funken schlagen ließen, was Peschel, Wuttke & Co. auch wundervoll demonstrieren. Für sehr viel Erheiterung sorgt u.a. die Nachstellung der besagten Straßenszene, bei der es Kalauer regnet („Wir sind hier auf der Straße und du machst mir eine Szene“) und Mockridge, Peschel und Wuttke in Pappautokostümen von Nina von Mechow stecken, aus denen sie tatsächlich immer wieder wie die Hollywood-Transformerautos herauswachsen. Es bleibt aber beileibe nicht bei dieser Brecht-Parodie, bei der mit etwas Insiderwitz schräge Anekdoten zum Besten gegeben werden, Bernd Moss eine Premierenparade an alten Provinztheatern herbetet und an die vielen alten Größen des Deutschen Theaters und der Volksbühne wie Horst Lebinsky, Dieter Mann, Otto Mellies oder Annekathrin Bürger erinnert wird.

Aus der Theaterbetriebssatire heraus erfolgt auch die Betrachtung der Welt mit der Verwertungslogik des Kapitalismus, Verteilungsproblemen, Nähe und Ferne, Freundschaft und Leidenschaft sowie der Hoffnung, dass nicht alles, wie Wissenschaftler festgestellt haben wollen, zu spät und sinnlos ist. Who's Gonna Drive You Home Tonight singen die Cars und Bob Dylan Like A Rolling Stone. „Was soll mir der Schmerz sagen?” ist die Frage an das Gefühl und die Ökonomie der Mittel. Kunstwerk und Leben in unmittelbarer Wechselwirkung. Da ist jede Menge Präsenz und Bewegung drin und kaum rhetorischer Stillstand. Brechts Formel vom Theater ohne Zuschauer treibt Martin Wuttke als Lear-Darsteller, der nur gut ist, wenn er nicht vor Publikum auftritt, auf die Spitze. Dann wird das Bühnenbild abgeschraubt. „Was können wir mitnehmen an die Volksbühne?“ ist die letzte Frage des kurzweiligen Abends und Polleschs Ausblick in die Zukunft, die hoffentlich nicht Müllkippe lautet.'' schreibt Stefan Bock am 17. Dezember 2019 auf KULTURA-EXTRA
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