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Bewertung und Kritik zu

PHILOKTET
von Heiner Müller
Regie: Amir Reza Koohestani 
Premiere: 5. Oktober 2019 
Deutsches Theater Berlin 

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Zum Inhalt: Zehn Jahre war er ausgesetzt auf einer Insel, verstoßen von seinen Gefährten wegen einer stinkenden Wunde: Philoktet ist der vielleicht unheldenhafteste aller griechischen Helden, ein Vergessener und Aussätziger. Odysseus, der ihn vom Kampf gegen Troja ausgeschlossen hat, soll ihn jetzt nach zehn Jahren Krieg zurückholen. Denn nur dann können die Griechen den Krieg gewinnen.
Mit Heiner Müllers radikaler Neudichtung des Mythos verhandelt der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani die Frage nach Zugehörigkeit: Den Aus- und Einschluss in eine Gesellschaft, die Anderes zerstören will und sich selbst zerstört, indem sie nur das Funktionieren duldet.

Mit Edgar Eckert, Jörg Pose, Niklas Wetzel

Regie: Amir Reza Koohestani
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Lea Søvsø
Musik: Bamdad Afshar
Video: Phillip Hohenwarter
Licht: Marco Scherle
Dramaturgie: Sima Djabar Zadegan, John von Düffel


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Lehrstückhaftes Drama
  · 08.10.19
''Vertrauen und Misstrauen wechseln sich ständig und bilden so eine düstere Spannung und klaustrophobe Stimmung, die sich auch im Bühnenbild wiederspiegelt. Eine Eisenplatte mit Öffnungen, die erst den Boden bedeckt und dann wie eine Wand nach oben gezogen wird. Mit mehreren Livekameras werden die Protagonisten gefilmt und die Bilder auf die Metallwand übertragen. Das Reich des Philoktet befindet sich unter der Bühne, von wo ebenfalls die dortigen Spielszenen nach oben übertragen werden. Das ist neben etwas Laub und dem dazugehörigen Gerät, es lautstark wegzublasen, fast schon das einzige gestaltende Mittel der Inszenierung, die ansonsten rein durch die Mechanik des Blankvers-Textes überzeugt.

Auch fällt einem dazu der sicher überstrapazierte Begriff Werktreue ein. Nur dient die hier vor allem der Veranschaulichung politischer Prozesse, was Koohestani mit Müllers kantigem Lehrstück-Text auch bestens glückt. Der Regisseur fühlte sich an seine Heimat den Iran erinnert und wollte ein Stück über Ausgrenzung und Eingrenzung inszenieren, wie er in einem Interview verlauten ließ. Dazu braucht es dann auch kaum wirklich sichtbare Grenzen zwischen Systemkonformität und Abweichlertum. Zwischen denen verläuft auch unsichtbar die Linie, die moralische Bedenken von Pflicht und Lüge zum Erreichen des Ziels trennt. Auf der schlingert einzig Neoptolemos, der sich dann doch der Pflicht und den Lügen des Odysseus ergibt und den Philoktet, der am Ende den Bogen gegen Odysseus richtet, tötet. Alle sind sie Gefangene im Netz aus Lügen und Intrigen: „So weit sind wir gegangen in der Sache / Im Netz aus eignem und aus fremdem Schritt / Dass uns kein Weg herausgeht als der weitre“, wie es dazu bei Müller heißt. Bleibt nur zu sagen, dass nicht nur in Diktaturen die Staatsraison vor so mancher unbequemen Wahrheit den Vorrang genießt. Viel mehr an Aktualität braucht dieses düster konzentrierte Kammerspiel nicht.'' schreibt Stefan Bock am 8. Oktober 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Ein schwer zu inszenierendes Stück
  · 08.10.19
''Eine konzentrierte Inszenierung, die dem Stück durchweg folgen will. Allerdings ist bereits dem Stück die Schwierigkeit eingeschrieben, dass seine sperrigen Blankverse emotional auf Distanz halten. Im besten Fall spürt man durch die Worte hindurch eine existenzielle Einsamkeit dringen, die einen frösteln macht. Doch Koohestani schafft es nicht ganz, diese eiskalte Sprache mit seinen Spielern zu gestalten – die Verse klingen tönern, manchmal proklamiert, man begreift sie kaum. 

Noch dazu ist es ein abstraktes Drama, bei dem drei Figuren auf einem Fleck stehend große Dinge verhandeln. Schrecklich schwer, das archaische Fremdsein, den politischen Kampf für den Zuschauer konkret zu machen. Auch an diesem Abend bleiben die virulenten Themen weit weg, die Inszenierung wirkt, trotz des sinnlich-düsteren Bühnenbilds, oft zäh, spröde, statisch. Einmal mehr wird deutlich, weshalb sich so wenige Regisseure mit diesem Stück auf die Bühne trauen.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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Eindringliches, wortlastiges Kammerspiel mit Live-Video
  · 06.10.19
Der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani bleibt nah an Müllers Text und vertraut auf seine handwerklichen Stärken, die ihn in Europa bekannt gemacht haben. Wie bei „Hearing“ (Mehr Theatre-Gastspiel beim FIND-Festival 2016) steht das Wort im Mittelpunkt des Abends. Theatralisch am interessantesten wird die sehr werktreue Inszenierung, wenn die Redeschlachten im letzten Drittel in gelungene Livevideo-Passagen eingebettet sind. Das Trio zieht sich durch eine Luke in den Maschinenraum der Unterbühne zurück. In düsteren Schwarz-Weiß-Szenen nimmt dort die Eskalation ihren Lauf. Die Verzweiflung im Gesicht des mit sich ringenden Niklas Wetzel (frisch von der Falckenberg-Schule bei seinem ersten DT-Auftritt) wird ähnlich wie in „Hearing“ in Großaufnahme nach oben übertragen.

Anders als in seinen letzten Inszenierungen an den Münchner Kammerspielen bietet Koohestanis kein ironisch-verkopftes Metatheater, sondern setzt ganz auf die Kraft von Heiner Müllers Vorlage. Die große Wertschätzung für Müllers Werk, die der iranische Regisseur im Programmheft-Interview betonte, wird in diesem eindringlichen Kammerspiel sehr deutlich. Schroff lässt er die Konflikte um Lüge und Manipulation aufeinanderprallen, die hier exemplarisch anhand antiker mythologischer Figuren aus dem Trojanischen Krieg verhandelt werden.

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