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Bewertung und Kritik zu

ZEITEN DES AUFRUHRS
nach Richard Yates
Regie: Jette Steckel 
Premiere: 28. Februar 2019 
Deutsches Theater Berlin 

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Zum Inhalt: Amerika, 1955. April und Frank Wheeler sind mit ihren zwei Kindern in eine idyllische Vorstadtsiedlung gezogen. Rein äußerlich unterscheidet sich ihr Leben kaum von dem konventionellen, in Gewohnheit erstarrten und nur von gelegentlichen Zerstreuungen erhellte Alltag ihrer Nachbarn – sie haben sich bis zur Ununterscheidbarkeit ihrem gesellschaftlichen Umfeld angepasst. Doch von ihnen geht in den Augen der Anderen Glamour und Zauber aus, sie sind – und so empfinden sie selbst es auch – etwas Besonderes. Die Wheelers wollen sich nicht Abfinden mit dem Dahinschwinden der Jugend, sie wollen die verheißungsvollen Möglichkeiten, die das Leben bietet, nicht verpassen. Als April als Theaterschauspielerin scheitert und die Ehe der Wheelers merklich zu kriseln beginnt, ersinnt sie einen romantischen Ausweg – ein Umzug nach Paris soll die langersehnte Freiheit bringen und vor allem Frank die Chance geben, "sich selbst zu finden". Kurzzeitig belebt dieser Plan ihr Zusammenleben, doch Frank hat zunehmend Angst vor der Veränderung, hat begonnen, sich in seinem Job und mit einer Affäre einzurichten. Die Auseinandersetzungen nehmen zu, brüchige Versöhnungen folgen auf ungewollte Selbstentblößungen und Vorwürfe, bis das Ehepaar die Umzugspläne fallen lässt. Mit dieser Entscheidung verlieren die Wheelers immer rascher und schließlich tragisch im Verlauf eines Sommers jeglichen Halt.  

Richard Yates glanzvoller Roman aus dem Jahr 1961 zeigt in lässigen Momentaufnahmen und doch mit tiefem Ernst gegenüber den Menschen, wie das Erfüllen von gesellschaftlichen Konventionen unsere Sensibilität gegenüber unseren eigenen, tiefen Lebensimpulsen abstumpfen lässt und wie sich in Zeiten des Friedens der Krieg in die zwischenmenschlichen Beziehungen verlagert und einen Lebenstraum vergiftet.

Regie: Jette Steckel
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Pauline Hüners
Musik: Olaf Casimir, Bill Petry, Christian von der Goltz
Dramaturgie: Anika Steinhoff


 
Meinung der Presse zu „Zeiten des Aufruhrs“

Deutsches Theater Berlin


FAZ
★☆☆☆☆

taz
★★★☆☆

nachtkritik
★★★☆☆


Berliner Zeitung
★★★☆☆

Der Tagesspiegel
★★☆☆☆

Die Welt
★☆☆☆☆

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2.6/5 Insgesamt 10 Bewertungen (4 mit Rezension)
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Lehrbeispiel für Probleme einer Romanadaption
  · 01.03.19
Christoph Franken muss sich ständig den Text vorsagen lassen. Maren Eggert scheint völlig neben sich zu stehen. Alexander Khuon traute sich gar nicht auf die Bühne, sondern versteckte sich im Pubkikum. Nach wenigen Minuten senkt sich der Vorhang am Deutschen Theater Berlin am Premierenabend von „Zeiten des Aufruhrs“ schon wieder.

Dieser irritierende Auftakt ist von Regisseurin Jette Steckel und ihrer Dramaturgin Annika Steinhoff klug gewählt. Mit einem völlig verunglückten Theaterabend beginnt auch der Roman, den sie sich vorgenommen haben: Eine Laienspielgruppe, die „Laurel Players“, möchte der amerikanischen Vorstadt-Tristesse etwas kulturelles Leben einhauchen, scheitert aber schon bei der Premiere kläglich.

Als sich der Vorhang wieder hebt, springt der Abend zurück an den Anfang der Romanhandlung. In kurzen Szenen entfaltet sich das Drama der Familie Wheeler, die auf ihre Nachbarn herabschauen und aus dem spießigen Alltagstrott der 1950er Jahre ausbrechen möchten. Die Drehbühne wird von überdimensionalen Groß-Buchstaben dominiert, die sich häufig neu zu sortieren, mal „SET“, mal „SHOW“ und oft auch Phantasiebegriffe formen. Nach Paris auszuwandern, wird für das Paar zur fixen Idee, an die sich klammern. Dass April (Maren Eggert) dort das Geld verdienen und Frank (Alexander Khuon) als Privatier zu sich selbst finden soll, sorgt bei ihren Nachbarn für Stirnrunzeln und Nachfragen. Nur Psychiatrie-Patient John (Ole Lagerpusch) hat für diesen Ausbruch aus den Konventionen Verständnis, bohrt dann allerdings getreu dem Motto „Kinder und Narren sagen die Wahrheit“ in einer Konfrontationum so tiefer in den Wunden des Paares, als sie krachend scheitern.

Bis zur Pause schleppt sich der wieder einmal furchtbar verqualmte Theaterabend begleitet von chilliger Jazz-Live-Musik des Trios Olaf Casimir, Bill Petry und Christian van der Goltz zäh dahin. Jette Steckels „Zeiten des Aufruhrs“ ist ein Lehrbeispiel dafür, woran Romanadaptionen häufig scheitern: das Handlungsgerüst des Romans wird bis auf das Skelett abgenagt. Nur die oft recht banalen Dialoge bleiben übrig. Fast alles, was den Roman lesenswert macht und die Charaktere lebendig werden lässt, nämlich die Reflexionen der Figuren und die kommentierenden Anmerkungen des Erzählers fällt in der Bühnenfassung zum Opfer.

Erst die letzte der drei Stunden von „Zeiten des Aufruhrs“ löst dies besser: die Hektik der Drehbühne weicht größerer Ruhe. Der Abend konzentriert sich stärker auf die Konfrontation der beiden Hauptdarsteller*innen: April und Frank erhalten mehr Konturen, Streitgespräche werden nicht mehr nur behauptet, sondern tatsächlich geführt.

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Langweilige Inszenierung
  · 01.03.19
''Richard Yates deutet im Roman nur an, dass die verzweifelte April in ihrem Badezimmer allein und von der Welt verlassen einen Schwangerschaftsabbruch vornimmt. Auch Jette Steckel ist so gnädig und zeigt die Katastrophe nicht in allen Details. Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück verabschiedet sich Frank ins Büro. Während April das Geschirr abräumt, beginnt sie bereits zu bluten: Die Abtreibung findet schon im Kopf statt, bevor sie tatsächlich ausgeführt wird.

Die Schlussworte gehören dann John (Ole Lagerpusch), der – anders als im Roman – in die Gedanken von Frank hineinschlüpft und dessen Empfindungen ausspricht. Ein schön-verwirrender Kunstgriff von Jette Steckel: Fantasie und Realität werden eins, das Verrückte wird zur Normalität. Während sich der Vorhang senkt, singt John (auch das eine Erfindung von Jette Steckel) einen Song über die Revolutionary Road und die vergebliche Suche nach Wahrheit. Doch das kann der verkopften und ziemlich langweiligen Inszenierung auch nicht mehr auf die Beine helfen.'' schreibt Frank Dietschreit auf kulturradio.de
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Endstation Vorstadt
  · 03.03.19
''Der erste Teil des dreistündigen Abends beleuchtet so die verhasste, mittelmäßige Kleinstadtwelt, auf die die Wheelers herabblicken und doch immer mehr auch selbst Teil davon werden. Exemplarisch sind hier Paare aus der Nachbarschaft wie die Milly und Shep Campell (Kathleen Morgeneyer, Christoph Franken), mit denen sie sich öfter treffen, oder die redselige Maklerin Helen Givings (Judith Hofmann) mit ihrem Mann Howard (Helmut Mooshammer). Man hat sich zwischen Job, Haus und Kindern eingerichtet. Abwechslung bietet Frank nur ein lockeres Verhältnis mit der Büroangestellten Maureen (Maike Knirsch). Es wird viel geredet, geraucht und getrunken. Die Damen singen sehnsüchtige Songs wie See Of Love oder The Ballad Of Lucy Jordan. Aber der Zauber der frühen Jahre ist dem Alltag gewichen. Das plätschert ohne große Spannung bei sich drehender Bühne so dahin, ohne dass sich wirklich zeigen würde, worum es der Regisseurin eigentlich geht. 

Erst nach der Pause zieht Jette Steckel das Tempo an. Sie bietet sogar 14 im Stroboskoplicht zappelte Statisten auf. In sehr emotional geführter, fast schon toxischer Kommunikation zerfleischen sich die an ihren einstigen Träumen verzweifelnden Wheelers. Als zusätzlicher Katalysator im Aufzeigen von Lebenslügen fungiert hier der schön verhuscht spielende Ole Lagerpusch mit Hipsterbart. John, der gerade aus der Psychiatrie entlassene Sohn der Givings‘, ist bereits psychisch an der Leere der Verhältnisse erkrankt und wirft Frank wütend die Wahrheit an den Kopf. Retten kann das die Situation allerdings auch nicht mehr. Es endet wie es begann beim Frühstück mit einer unter dem Kleid blutenden Maren Eggert und einem Ausschnitt mit ihr aus Angela Schanalecs Film Orly. Im Gegensatz zu Yates‘ Endstation Vorstadt ein großer Warteraum der Träume und Möglichkeiten.'' schreibt pb am 3. März 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Home sweet home
  · 01.03.19
Gleich zu Beginn des Abends ein kleiner Geniestreich der Regisseurin: Christoph Franken als Chep Campbell beginnt mit Maren Eggert in der Rolle der April Wheeler eine Szene zu spielen, in der sie gemeinsam frühstücken, allerdings vergisst Franken mehrfach seinen Text und auch Eggert spielt unter Schultheaterniveau. Irritation. Dann senkt sich der Vorhang und nachdem er sich wieder hebt, wird klar, dass dies Theater im Theater war, der aufmerksame Zuschauer hat sich vielleicht schon über die übergroßen Großbuchstaben gewundert, die das Wort SET auf der Bühne abbilden. April Wheeler ist nämlich Teil einer Amateurtheatergruppe, als gelernte Schauspielerin hat sie es leider nicht zu mehr gebracht. 
Diese missratene Vorstellung bildet dann auch den Auftakt zu einem handfesten Streit mit ihrem Ehemann Frank, gespielt von Alexander Khuon, zeigt er doch, dass nicht alles Gold ist, was gegenüber den Nachbarn glänzt. Die Wheelers sind mit ihren zwei Kindern in eine idyllische Vorstadtsiedlung gezogen und heben sich dort ein wenig von den anderen Bewohnern ab. Während ihre Nachbarn nichts mehr zu hinterfragen und sich allen Lebensumständen restlos angepasst zu haben scheinen, tickt April anders, sie eröffnet Frank irgendwann, mit ihm und den Kindern nach Paris gehen zu wollen, das ihnen langersehnte Freiheiten bringen soll und Frank die Möglichkeit, nicht länger seinem unbefriedigendem Job und der Pflicht als Familienernährer nachkommen zu müssen, sich neu finden zu können. April würde, sehr emanzipatorisch, den Unterhalt für alle erwirtschaften. Insofern ist der Originalname Revolutionary Road, den Richard Yates seinem Roman im Jahr 1961 gegeben hat, zumindest für Familie Wheeler passend.
Der Titel Zeiten des Aufruhrs für Film- und Theaterfassung gibt die Stimmung allerdings auch gut wieder, denn es ist einiges unruhig, vieles brodelt unter der Oberfläche nicht nur der Wheelers, auch die Nachbarn sind nicht ohne. Kämpfen Howard und Helen Givings doch mit der Tatsache, dass ihr Sohn John in der Nervenheilanstalt gestrandet ist, nachdem er seine Eltern tätlich angegriffen hat. Dabei ist er es, der die Dinge klar sieht, der sich zu den Wheelers hingezogen fühlt, weil er in ihnen nicht diese für ihn unerträgliche Oberflächlichkeit erkennen muss. Er benennt die Dinge nahezu als einziger, so wie sie sind und macht sich dadurch auch die Wheelers zu Freunden, wenngleich auch nicht in allerletzter Konsequenz, bevor alles eskaliert. Er scheint das Gewissen aller zu sein und das tut eben weh.
Regisseurin Jette Steckel macht diese Turbulenzen auch mit ihrer bildgewaltigen Inszenierung sehr deutlich, nichts ist statisch, das Bühnenbild von Florian Lösche, welches großen Raum bekommt, verändert sich fortwährend, ja fließend. Es besteht fast nur aus den schon erwähnten Großbuchstaben, die teilweise auch so etwas wie eine Überschrift für einzelne Szenen bilden, wenn zum Zeitpunkt des Hauskaufs die Wörter HOME SWEET HOME auf der vielbenutzen Drehbühne am Zuschauer vorbeiziehen.
Die Buchstaben schaffen Räume, lösen sie aber auch schnell wieder auf, so wie nichts Bestand hat an diesem Abend, alle Grenzen scheinen aufzubrechen: Situationen wechseln schlagartig oder werden gleichzeitig gespielt, Orte gehen direkt ineinander über, wenn sich der Bürotisch mit dem Wechsel der Darsteller flugs in eine Küchenzeile verwandelt. Sogar der Gedanke Franks an Maureen, seine Geliebte, läuft quasi in Persona über die Bühne, großartig. Ebenso Dialoge über andere, die in deren Gegenwart geführt werden.
Und die Drehbühne findet auch nicht nur eine Nutzung im klassischen Sinn, Steckel lässt die Protagonisten ihrem Gegenüber gegenläufig entgegengehen, was den Abstand quasi nicht verändert, auch wenn sich die Person abmüht. Auch dies ein Bild, mit dem sie ganz bewusst arbeitet.
Selbst die Musiker, ein Terzett aus einem Pianisten, Bassisten und Trompeter bestehend, wandeln ebenfalls wie die Buchstaben über die Bühne, lösen sich zwischendurch auch auf, einzelne Musiker kommen den Schauspielern ganz nah oder umgekehrt. Überflüssig zu erwähnen, dass die Musik atonal ist.
Steckel bricht mit Sehgewohnheiten, konsequent und der Sache dienlich, Regietheater von der beeindruckenden Art. Die Zerrissenheit der Figuren wird deutlich, ihr Scheitern stellt sich wertfrei dar.
Und dann: Am Ende spielt noch einmal die Szene vom Anfang, April und Frank frühstücken miteinander und führen quasi den gleichen Dialog, nun aber in echt und mit dramatischem Ende. Dies macht die Inszenierung noch runder, als sie es ohnehin schon ist, sofern diese Formulierung hier passt.
Die Schauspieler agieren absolut authentisch, auch die Nebenrollen sind bestens besetzt, Maike Knirsch als Maureen holt sich mit ihrer offen-naiven Art einige Lacher ab.
Und das gesamte Ensemble bei der Premiere im Deutschen Theater höchst verdient einen langen Applaus.
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eventim

3.1
Durchschnittsnote aller Stücke
5 62
4 202+
3 202+
2 133+
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Kritiken: 259

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