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Bewertung und Kritik zu

EIN KÄFIG GING EINEN VOGEL SUCHEN 
von Franz Kafka
Regie: Andreas Kriegenburg 
Premiere: 13. Februar 2016 
Deutsches Theater Berlin

Inhalt: In einer Welt in der jede Veränderung in der Realität als Bedrohung empfunden wird, unabhängig von der Realität der Bedrohung, die Grenzen zwischen Psyche des Individuums und der Gesellschaft verschwinden, liegt es nahe sich dem erzählerischen Werk Kafkas zuzuwenden. Wenn alle Prinzipien relativ geworden sind, ist Angst das einzige Prinzip, das noch gilt. Deren Kräftefeld und ihre Folgen vermessen Andreas Kriegenburg und sein Ensemble, in und mit den Texten Kafkas.

Mit Elias Arens, Laura Goldfarb, Moritz Grove, Bernd Moss, Jörg Pose, Nele Rosetz, Natali Seelig, Lisa Quarg

Regie / Bühne: Andreas Kriegenburg
Kostüme: Andrea Schraad
Dramaturgie: Juliane Koepp


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Ein Käfig ging einen Vogel suchen
  · 18.07.17
Andreas Kriegenburg, bekannt aus den Münchner Kammerspielen (Der Prozess) hat sich nun fürs Deutsche Theater Kafkas kleinere Aphorismen und Textsequenzen vorgenommen, er hat sie miteinander verwoben rund um die Geschichten „Der Bau“ und „Blumfeld ein älterer Junggeselle“ und hat sie mit einem äußerst originellen Bühnenbild versehen.
Dazu hat er aus Blumfeld, dem älteren Junggesellen, fünf gleich angezogene und mit einer erstaunt blickenden Kafka-Maske versehene Herren K. gemacht, die in die übereinander getürmten, ineinander stürzenden und seitlich schräg abfallenden  Zimmer hinaufsteigen, wie in das Gerichtsgebäude einer nie endenden Behörde.
Immer in Abwechslung kleine Prosatexte
Dort angekommen, macht jeder der Blumfelds (köstlich mit eingezogenen Schultern, grauem Anzug und unter den Arm geklemmter Aktentasche) ängstliche Gesten des Umschauens, des Kontrollwahns und der Langeweile, versetzt mit Übersprungshandlungen (Staub putzen, Sachen von A nach B räumen). Dazu sprechen sie, immer in Abwechslung,  die kleine Prosatexte Kafkas. Das ist originell und sehr witzig. Erholsam auch, dass die Masche, eine Person mehrfach auftreten zu lassen, nicht dazu führt, dass sie den gesamten Text im Chor deklamieren und ins Publikum schreien. Erholsam, dass ihre Bewegungen sich voneinander unterscheiden, wie auch ihre Sätze, die sie nacheinander, selten gemeinsam zu sprechen haben.
Einsamkeit, Isolation, Rückzug
Verhandelt wird das Thema Einsamkeit, Isolation, Rückzug. Es geht um das Drama des modernen Menschen, sein bienenhaftes und mäuseartiges Dasein, das nur Rädchen im großen Getriebe ist und nie selbstbestimmt sein darf.  Die Kafkaesken Männer in ihren herabstürzenden Zimmern ihrer bienenwabenartigen Einsamkeit sind aber auch auf irgendeiner Flucht und in irgendeiner wachsenden Furcht. Es ist die Furcht und die Angst vor dem Kriege, vor dem Verlust all dessen, was ihnen ihr Sicherheitskorsett bildet,  und die Flucht davor wird in absurden und unsinnigen Handlungen vollzogen.
Ein Zwillingspaar in rosa Kleidchen stilisert
Es kommen Frauen hinzu und Kinder. Eine Frau (recht kalt angelegt: Nele Rosetz) gibt die Erzählerin, sie scheint die Herren Blumfeld/K. zu beobachten und zu begleiten, ohne dass diese sie wahrnehmen, dann kommt ein Kind dazu (hier als Zwillingspaar in rosa Kleidchen stilisiert, das Publikum rätselt, ob es sich um echte Zwillinge und tatsächlich Kinder handelt, oder ob die Schauspielerinnen nur beide etwas kleinwüchsig sind), die Kraft dieser Figuren scheinen sich direkt aus dem Unbewussten herzuleiten, das die Herren Blumfeld vergeblich versuchen unter Kontrolle und unter Zwängen zu verbergen.
Alles ineinander gestrickt
Die Texte Kafkas sind dabei sprachmächtig und rätselhaft und werden es noch mehr in dem Stück, wo Anfang und Ende der einen Geschichte mit der nächsten verwischt und alles ineinander gestrickt, zu einem Ganzen verwoben wird. Aber so wie eine irische Volksmelodie, die sich in endlosen Wiederholungsschleifen ergießt, ist dieses reine Prosa-Sprechstück klangmäßig leider zu gleichförmig angelegt gewesen, es ist einfach zu lange in immer ein und derselben Geschwindigkeit, ( recht schnell), in ein und derselben Tonlage,( leicht ärgerlich), in inhaltlich einander stark ähnelnden Sequenzen (die um Einsamkeit kreisten) komponiert worden und fällt dann oder dadurch spannungsmäßig im Laufe der Darbietung ab. Die starken Texte, das starke Bühnenbild, die starken Figurenkompositionen verlieren an Kraft. Es passiert, dass die darstellerische Darbietung in Witz und fast Slapstick ausartet und die großartigen Texte nicht mehr hängen bleiben. Schade. Ich frage mich immer, es gibt so viel Theaterliteratur, warum wird neuerdings immer Prosa dramatisiert?  Merke: Nicht jeder Regisseur ist ein Dichter! Weiterlesen
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kafkas blumfeld bleibt im inneren gefängnis mit dominanter regie
  · 29.05.16
bei kafkas "ein käfig ging einen vogel suchen" in der regie von andreas kriegenburg waren die kritiker fast einheitlich angetan. mr. kriegenburg stapelt zimmer, versetzt, angeschrägt, ineinander gerammt. immer das eine. das eines junggesellen, ein schwarzweißes bild von der kindlichen judy garland hängt an der wand und preist nostalgisch den regenbogen. bei herrn blumfeld ist alles leberwurstgrau. die seele, das leben, der mantel. angstbesetzt wispert er sich hier mehrfach besetzt durch seinen organisierten alltag. die schauspieler sprechen halbmaskiert die texte, satz an satz, fast pausenlos. zitieren blumfelds zeilen, kriechen in den "bau". zwei verrückte mädchen tänzeln irr herein und gehen in den schrillen dialog mit dem scheuen blumfeld. die tennisbälle! fangen oder nicht? so bauen sich in fast zwei stunden ohne pause mit gepresster regie kafkas texte auf, wahre wortlawinen, die darsteller agieren monoton synchron. kriechen mit slapstick in diesen blumfeld und so wird sich auch mal gern und erlöst amüsiert über den sonderling. kafkas wortlawinen sind aber besser zu erfassen, wenn man diese im eigenen rhythmus liest. zeile für zeile. im großen bühnenmonolog rauscht es meist nur. das fühlen des sinns bleibt bei diesem tempo auf der strecke. zumal man diesen blumfeld eigentlich eher bedauert in seinem inneren gefängnis. was für mich die ebene der slapstick aushebelt.
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Die Paranoia der grauen Mäuse
  · 17.03.16
Der auf fünf Klone aufgespaltene Protagonist von Andreas Kriegenburgs Kafka-Abend „Ein Käfig ging einen Vogel suchen“ am Deutschen Theater hat es längst aufgegeben, sich mit diesen Details zu befassen. Er hat sich in seine kleine Höhle zurückgezogen, völlig überfordert von einer Welt da draußen, die aus den Fugen scheint und ihm nur Angst macht. Panisch verkriecht er sich im „Bau“ und steigert sich immer tiefer in seine Angstphantasien hinein, dass das Unbekannte und Fremde auch in seinen letzten Zufluchtsort eindringen könnte. Weiterlesen
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Mit Kafka auf die schiefe Ebene
  · 15.02.16
''Es fällt einem zunächst etwas schwer, sich auf den Text zu konzentrieren. Verunsicherung ist Programm an diesem Abend. Denn auch in der ebenso surrealen Erzählung Der Bau, in der ein nicht näher definiertes Tier die Vorzüge seines gut getarnten, unterirdischen Heims mit Gängen und Kammern anpreist, geht es um schwindende Sicherheiten und eine wachsende Paranoia. Den Text sprechen alle abwechselnd in einem ähnlich forcierten, ironischen Tonfall wie zuvor den Blumfeld. Der zu neuer Leichtigkeit gefundene Regisseur Kriegenburg erweist sich einmal mehr als Meister des inszenierten Slapsticks, der vom höchst konzentriert spielenden Ensemble mit erstaunlicher Präzision beim Frühstücken, Krawattenbinden und Turnen am Zimmermobiliar zelebriert wird.'' schreibt Stefan Bock am 15. Februar 2016 auf KULTURA-EXTRA
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