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Bewertung und Kritik zu

IN DER SACHE J. ROBERT OPPENHEIMER
von Heinar Kipphardt
Regie: Christopher Rüping 
Premiere: 20. Januar 2019 
Deutsches Theater Berlin 

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Zum Inhalt: Er gilt als der „Vater der Atombombe“, war Direktor der Laboratorien in Los Alamos, in denen dieses „Patentspielzeug“ entwickelt wurde und hat den Abwurf der Bombe auf Hiroshima bis hin zur Zündhöhe wissenschaftlich begleitet: Dr. J. Robert Oppenheimer. Keine zehn Jahre später, im April 1954, wird er von der Atomenergiekommission in Washington verhört und muss sich verantworten – politisch, moralisch und wissenschaftlich – für die Waffe, die er geschaffen hat, für die Geschwindigkeit dieser Entwicklung und für seine Amerika-Treue. Die tatsächlichen Verhöre, die Heinar Kipphardt als einer der prägenden Autoren des dokumentarischen Theaters für dieses Stück verdichtet hat, sind ein Musterbeispiel für das Verantwortungsproblem des technischen Fortschritts, an dessen Spitze längst nicht mehr nur die Atomtechnologie, sondern auch die Digitalisierung, die Genforschung und die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz stehen. Die Schaffung neuer Möglichkeiten der Zerstörung, Überwachung und menschlichen Selbstüberschreitung bis hin zur Überwindung der Sterblichkeit im Sinne einer „transhumanity“ beschreibt die Doppelgesichtigkeit der Prozesse, die von Menschen gemacht, aber in ihren Konsequenzen weder zu ermessen noch zu kontrollieren sind. Und dennoch scheinen sie – einmal begonnen – unumkehrbar.

Mit Felix Goeser, Michael Goldberg, Camill Jammal, Maike Knirsch, Katharina Matz, Wiebke Mollenhauer

Regie: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Musik: Christoph Hart
Dramaturgie: John von Düffel


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3 von 4 Personen fanden die Kritik hilfreich
Sinnliches Dokumentartheater
  · 21.01.19
''Im ersten Teil des Abends schauen wir noch auf eine ebenso weiße Bühne wie in der Schlussszene, darauf nur ein runder Tisch. Das Personal hat Rüping reduziert, auf eine Dame aus dem Sicherheitsausschuss, dazu ein "Kläger", ein Verteidiger und einen Spieler, Michael Goldberg, der alle Zeugen mithilfe unterschiedlicher Schnauzbärte und Brillen recht satirisch verkörpert.

Gemeinsam mit Oppenheimer sitzen alle um diesen Tisch und verhandeln, wie es das dokumentarische Material Kipphardts vorsieht – vor ihnen Kameras, die ihr Gesicht in Großaufnahme auf einer Leinwand zeigen. Doch alle tragen einen Knopf im Ohr und sprechen nur das, was ihnen eine Protokollantin vorsagt. Zum Einen wird auf diese Weise deutlich, dass es sich hier um ein historisches Dokument handelt, das lediglich nachgespielt wird. Zum Anderen zeigt sich so, dass die Akteure hier Instrumente und Spielbälle einer höheren, vermutlich staatlichen, Instanz sind. Die Anhörung war schließlich Teil der großen Hexenjagd der Mac-Carthy-Regierung gegen angebliche Kommunisten.

Rüping hat einen intellektuell fordernden, klugen, auch mitunter farcenhaften Abend inszeniert – doch vor allem im zweiten Teil lädt er sich immer bildreicher auf, wird zudem vielschichtiger, gefühlvoller, komplexer. Ein Dokumentartheater, das nicht nur auf Fakten und Recherche setzt, sondern auch auf Sinnlichkeit.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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2 von 4 Personen fanden die Kritik hilfreich
Spröde, verqualmte Kopfgeburt
  · 20.01.19
Von dem fast noch pubertären und oft albernen Energieüberschuss, derRüpings bisherige Arbeiten oft prägte, ist in "Die Sache J. Robert Oppenheimer" nichts mehr zu spüren. Mit großem Ernst, ebenso spröde wie - von Rüping mittlerweile leider schon gewohnt - rücksichts- und gedankenlos verqualmt, folgt er dem Text aus der frühen Nachkriegszeit.

Eigene Akzente setzt er vor allem an zwei Stellen: Erstens bei Dr. Jean Tatlock, eine ehemalige Verlobte Oppenheimers und kommunistische Parteigängerin, die Suizid begangen hat. Während der langen Befragungen in Kipphardts Stück taucht sie nur an einigen Stellen auf. Durch Rüpings Theaterabend geistert Wiebke Mollenhauer ganz in Weiß wie ein gepenstischer Wiedergänger vor allem während der zweiten Hälfte.

Zweitens sind Oppenheimers Gegenspieler diesmal keine Kommunistenfresser und Kalte Krieger-Betonköpfe. Das Schlussplädoyer der Militäranwälte reichert Maike Knirsch mit Passagen aus dem Beschleunigungsmanifest für eine akzelerationistische Politik an, die fortschrittsgläubig, technikoptimistisch und neoliberal gegen alle Skrupel und Bremsen wettert.

An dieser Stelle hätte der bis dahin zähe Abend noch wirklich spannend werden können. Seine These bleibt aber in einer Kopfgeburt stecken, "In der Sache J. Robert Oppenheimer" kommt nicht über enttäuschendes Qualm- und Quältheater hinaus.

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