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Bewertung und Kritik zu

JUTTA WACHOWIAK ERZÄHLT JURASSIC PARK
von Jutta Wachowiak, Eberhard Petschinka und Rafael Sanchez
Regie: Rafael Sanchez
Premiere: 21. Oktober 2018 
Deutsches Theater Berlin

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Zum Inhalt: Jutta Wachowiak, geboren 1940, sitzt vor einem Bild im Museum. Oder in einem Park? In einem Vergnügungspark? In einem lebenden Museum? Sie hat viel zu erzählen: vom Krieg, von einem Land, das es nicht mehr gibt, von dem Land, in dem sie jetzt lebt. Von Western-Duschen im Kino, damit das Denken aufhört. Sie, die Wärterin, nimmt heimlich einen kleinen Dinosaurier von der Arbeit mit nach Hause. Er wächst und wächst, lernt Kunststücke und tritt im Zoo auf. Was ist das für ein Erinnerungspark, dem eine unheimliche, ungebändigte Kraft innewohnt? Sie haben die Fenster aufgemacht. Das geschaffene Monster – der Dinosaurier und die Wärterin verschmelzen. Wer ist eigentlich der Dinosaurier?

Mit Jutta Wachowiak

Regie: Rafael Sanchez
Bühne / Kostüme: Anne Ehrlich
Text und Musik: Eberhard Petschinka
Dramaturgie: Juliane Koepp

Foto: Arno Declair


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Autobiographisches Bilanz-Solo
  · 03.09.19
Wer eine Nacherzählung von Steven Spielbergs Blockbuster aus dem Jahr 1993 erwartet, ist auf einer falschen Fährte.

Kleine Schnipsel aus dem Filmplot streut Jutta Wachowiak in ihren Solo-Abend zwar ein, den sie mit Eberhard Petschina und Rafael Sanchez entwickelte. So referiert sie z.B. über den Schauspieler John Hammond, der die menschliche Hauptrolle zwischen all den Raptoren und dem Tyrannosaurus Rex, unterbricht sich aber selbst mit einem süffisanten „Aber das wissen Sie ja alles. Sie haben schließlich vorbereitet.“

Mindestens so wichtig für den nur 75 Minuten kurzen Abend sind jedoch zwei andere Quellen: Stefan Heyms Rede bei der Großkundgebung am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz, als er darüber jubelte, dass endlich ein „Fenster aufgestoßen“ worden sei. In seinem Optimismus hoffte er auf einen Dritten Weg, der Schluss mache mit dem Mief und den Phrasen der Parteibürokratie.

Der zweite zentrale Text ist Schillers Drama „Maria Stuart“. Die Titelrolle in der Inszenierung von Thomas Langhoff gehörte zu den berühmtesten Auftritten von Jutta Wachowiak während ihrer Glanzzeit am Deutschen Theater Berlin. Von ihrer Cousine wurde sie schon zu DDR-Zeiten auf die Sätze angesprochen: „Laß mich der neuen Freiheit genießen, Laß mich ein Kind sein, sei es mit! Und auf dem grünen Teppich der Wiesen  prüfen den leichten, geflügelten Schritt. Bin ich dem finstern Gefängnis entstiegen…“ Diese Sätze aus der Weimarer Klassik bargen offensichtlich einen ungeheuren Sprengstoff für das SED-Regime, das die ganze Republik mit einem Spitzelnetz überzog und die Grenzen mit Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl sicherte.

Als sie ein Jahrzehnt später immer noch mit dieser Paraderolle auf der Bühne stand, war die Mauer gefallen, die erste Euphorie aber bereits verflogen. Bei den Schiller-Sätzen hatte sie ein sehr beklommenes Gefühl, erinnert sich Jutta Wachowiak in ihrem „Jurassic Park“-Solo. Sie fühlte sich fremd im eigenen Land. Ihr Renommee schwand schnell, viele Pfeile und den Vorwurf zog sie auf sich, zu lange mitgemacht zu haben. Am eigenen Haus war sie zwar unkündbar, wurde aber mehr und mehr ins Abseits gedrängt und seltener besetzt.

Keineswegs larmoyant, sondern für ihre 78 Jahre erstaunlich energiegeladen legt Jutta Wachowiak ein Solo hin, das vor allem für Zeitzeugen interessant ist, die miterlebt haben, worüber sie sprach. Für ein jüngeres Publikum ist es schwieriger, ihre Erinnerungen in den jeweiligen Kontext einzuordnen.

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