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Bewertung und Kritik zu

CRY BABY
von René Pollesch
Regie: René Pollesch 
Premiere: 8. September 2018
Deutsches Theater Berlin
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Zum Inhalt: Es ist so schwer, jemandem den Unterschied zwischen einem aufstiegssüchtigen Talent und einem verbissenen Karrieristen zu erklären. Es gibt oft für zwei Sachen, die vollkommen unterschiedlich sind, nur ähnliche Begriffe. Ausgerechnet dann, wenn Welten dazwischen liegen, hört sich alles gleich an. Alles gibt sich der allgemeinen Äquivalenz anheim. Wie beim Schlaf, der ja oft auch zwischen Tag und Nacht nicht unterscheidet. Obwohl ihm das Undifferenzierte der Nacht ähnlicher ist. Man hat alles richtig gemacht. Sein innerstes Selbst hat man vor allen anderen ausgebreitet. Aber vor den Drangsalen von Erfolg und Misserfolg ist man nur geschützt, wenn man mehr hat als sich selbst.

Mit Christine Groß, Judith Hofmann, Bernd Moss, Sophie Rois

Regie: René Pollesch
Bühne: Barbara Steiner
Kostüme: Tabea Braun
Chorleitung: Christine Groß
Dramaturgie: Anna Heesen, Bernd Isele
Licht: Cornelia Gloth


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3.5/5 Insgesamt 2 Bewertungen (2 mit Rezension)
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Cry Baby
  · 11.09.18
''Rois bildet das Zentrum des Abends, auch wenn Christine Groß und Judith Hofmann gut mithalten und sich Bernd Moss als Gewinn fürs Pollesch-Universum herausstellt. Das Schöne an Sophie Rois ist ja, wie wenig sie sich begrenzen und festlegen lässt – und trotzdem eine Art Charakter darstellt.

Sie proklamiert Kleist, was das Zeug hält, sie parodiert, sie wettert wie eine Kräuterhexe, teilt aus, schmollt, reagiert blitzschnell mit Lippen, Augenbrauen und blitzenden Pupillen – und die ganze Zeit hat man das Gefühl, ihr beim Denken zuzusehen.

Ein unterhaltsamer, auch boulevardesker und freundlicher Einstand, den Pollesch am Deutschen Theater gibt, deutlich heiterer als manch andere seiner Produktionen. Kaum verschwurbelt ist dieser Abend und trumpft mit einer herzerfrischenden Sophie Rois auf – aber mit diesen kurzweiligen 70 Minuten hat sich Pollesch definitiv nicht neu erfunden.

Vieles bleibt oberflächlich, wirkt irgendwie abgespeckt und sogar glatt. Dass nach diesem Aufschlag kaum noch etwas Besseres kommen könne in dieser Saison, wie mancher Kritiker jetzt mutmaßt, ist da reichlich überzogen – und ebenfalls eine Star-Verehrung, die einem suspekt sein darf.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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Fingerübung und Aufguss
  · 09.09.18
Die Diva mit ihrer unverkennbar verrauchten Reibeisenstimme schlurft mit einem „O Gott“ ganz beiläufig durch die luxuriösen Interieurs. Im Nachthemd will sie sich am liebsten gleich wieder hinlegen. Aber hier kommt man ja nicht zur Ruhe… Ständig will jemand was von ihr… Im Waldorf/Statler-Modus kräht von oben Bernd Moss dazwischen, als fleischgewordenes Bildungsbürgertum und langjähriger Abonnent pocht er darauf, dass er hier etwas sehen will für sein Geld. Rois und Moss kreuzen zunächst nur verbal die Klingen und liefern sich schließlich auch einen Fecht-Kampf live auf der Bühne.

Weitere Ruhestörer sind Christine Groß (Pollesch-Stammspielerin) und Judith Hofmann (wie Moss aus dem DT-Ensemble) mit ihren Pollesch-typischen Diskursschnipsel-Schleifen. Schließlich stampft noch ein weiblicher Guerrila-Chor über die Bühne: diesen Einfall hat Pollesch nun wahrhaft schon ein paar Mal zu oft recycelt. Diesmal performen Studentinnen des 2. Jahrgangs der HfS Ernst Busch den Chor und treten betont martialisch als Erschießungskommando.

„Cry Baby“ ist ein Mix aus zu vielen bekannten Pollesch-Versatzstücken, ein Nachklapp zu seinen besten Stücken und leider noch nicht der erhoffte Aufbruch an seinem neuen Berliner Stammhaus. Eine Sophie Rois ist zwar immer eine sichere Bank dafür, dass ein Abend nicht absäuft, die nur knapp einstündige Fingerübung hebt aber auch nicht ab, sondern kommt meist so schläfrig daher wie die Figuren, die darüber räsonieren, dass sie jetzt am liebsten gleich wieder ins Bett gehen möchten.

Den größten Szenen-Applaus erhält bezeichnenderweise der Chor für einen kurzen Diss gegen Udo Lindenberg und seine zu aufgesetzte Rebellen-Attitüde.
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Schumannstraße 13a - 10117 Berlin
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3.1
Durchschnittsnote aller Stücke
5 48
4 154+
3 152+
2 98
1 50
Kritiken: 205
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