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Bewertung und Kritik zu

DIE FLEDERMAUS
von Johann Strauß
Regie: Rolando Villazón 
Premiere: 28. April 2018
Deutsche Oper Berlin

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Zum Inhalt: „Champagner hat’s verschuldet, tralalalala“ – darauf einigen sich nach einer durchzechten Nacht voller Verwechslungen und erotischer Ausrutscher am Ende die Protagonisten in Johann Strauß’ FLEDERMAUS. Schuld ist aber nicht nur der Alkohol, sondern Verwirrung stiftet vor allem die Intrige des gedemütigten Dr. Falke, der einst in einem Fledermauskostüm dem Spott der Kleinstadtgesellschaft ausgesetzt war und jetzt seine Chance nutzt, um sich an seinem ‚guten Freund‘, dem Lebemann Gabriel von Eisenstein, zu rächen. Und so werden die Kammerzofe als Schauspielerin, die Gattin als ungarische Gräfin und Eisenstein selbst als französischer Marquis maskiert und auf den Ball des Prinzen Orlofsky geschickt. Dass darauf nur Katzenjammer am frühen Morgen im Gefängnis folgt, liegt dann auch weniger am Champagner als in der Natur der Dinge. Johann Strauß gelang mit seiner FLEDERMAUS der Prototyp der Wiener Operette – walzergeschwängert, polkabesessen und dabei voller bitterböser Ironie. Inspiriert von den Offenbachschen Opéras bouffes aus Paris wurde dem bürgerlichen Salonpublikum schonungslos der Spiegel vorgehalten – und mancher Zuschauer erkannte sich im abstrusen Bäumchen-wechseldich-Spiel auf der Bühne wieder. 

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung: Rolando Villazón

Bühne: Johannes Leiacker
Kostüme: Thibault Vancraenenbroeck
Licht: Davy Cunningham
Chöre: Jeremy Bines
Dramaturgie: Lars Gebhardt
Choreografie: Philippe Giraudeau





Meinung der Presse zu „Die Fledermaus“

Deutsche Oper Berlin


Die Welt

★☆☆☆☆

Der Tagesspiegel
★★★★☆


Berliner Zeitung
★★☆☆☆

Zitty
★★☆☆☆

tip
★☆☆☆☆

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3 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Pappnasig!
  · 29.04.18
''Die beiden letzten Fledermäuse, die es in der Hauptstadt gab, fielen durch handwerkliche Professionalität (Poschner/Homoki, Komische Oper 2007) und neuszenischen Ambitionismus (Mehta/Pade, Staatsoper Unter den Linden 2009) auf. 

Demgegenüber kann Rolando Villazóns Regiearbeit - und insbesondere in Anbetracht seines unsäglich-läppischen "Geniestreichs" mit dem Dritten Akt als szenisch ausgewalztes Kubrik-Zitat von 2001: Odyssee im Weltraum - weder als handwerklich-professionell noch als neuszenisch-ambitioniert durchgehen. Hatte man noch seine inszeniererische Abarbeitung bis zum Abgeleistetsein des Zweiten Aktes, der in einem (von Johannes Leiacker gebauten) Russen-Bar-Club-Keller im etwaigen Berliner Friedrichshain verortet wurde, beinahe für konsequent und wenigstens interessant befunden, wandte sich das Blatt - spätestens mit dem Aufklingen von Straussens Also sprach Zarathustra nebst den obligatorischen Neanderthaler-Auftritten hinsichtlich des bereits erwähnten Film-Zitats - zum Negativen hin. Aber was heißt hier "negativ" - - es barg nur Vollidiotisches in sich; entsprechend dünnschichtig, im intellektuellen Sinne, war dann auch dieses hinzugedichtete Geplapper, dessen geistige Urheberschaft ich schon dann gern, v.a. namentlich, erfahren hätte. 

Bei Entgegennahme des für ihn akustisch sicherlich nicht ausblendbar gewes'nen Buhgewitters zog der Regisseur (der früher mal ein weltberühmter Sänger war) 'ne rote Pappnase aus seiner Hosentasche, setzte sie sich auf und trotzte so demonstrativ der öffentlichen Meinung - freilich wurde auch sehr viel geklatscht und jubiliert, in ausgleichender Absicht sozusagen. Ein bedeutsam-neuer Tiefpunkt in der DOB-Geschichte.'' schreibt Andre Sokolowski am 29. April 2018 auf KULTURA-EXTRA
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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Ein Verbrechen
  · 05.01.19
Der Vorhang hebt sich, das Herz macht einen Freudensprung: ein klassisches Bühnenbild, mit Liebe gestaltet. Musik und Sänger erstklassig, man genießt die Leichtigkeit und Spritzigkeit und freut sich auf einen wunderbaren Abend. Obwohl... als Vorboten des Grauens hätte man den am vorderen Bühnenrand im Dunkeln liegenden Obdachlosen schon wahrnehmen können. Etwas sehr befremdlich und überhaupt nicht zum Stück passend, droht er schon an, dass der Abend wohl nicht so glatt, wie erwartet, ablaufen wird, sondern dass noch "Kunst" ins Spiel kommt.
Wie dann auch der zweite Akt schon für mehr negatives Erstaunen gesorgt hat: Ein Orlowsky in Russenuniform? Nun gut, er hat wenigstens zum Bühnenbild gepasst, das eher an eine verrauchte Kellerbar in Cuba erinnert hat, in der Orlowsky die Revolution ausruft, denn an eine pompöse Villa zum Grand Souper.
Den Schock des Abends bekommt man nach der Pause, wenn sich die Bühne zum dritten Mal dreht. Gefängnisdirektor Franks Knast als Raumstation, belebt vom Gefängniswärter Frosch als Roboter, der pausenlos verbalen Ausfluss mit dem IQ eines Stück Brotes von sich gibt. Hier habe ich mich dann gefragt, ob der Regisseur nicht Anwandlungen hat, die man in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Anstalt behandeln könnte, Strauss' herrliche Musik mit einer solchen optisch-verbalen Entgleisung zu interpretieren, ist für mich ein Verbrechen. Die Rocky Horror Picture Show im Buckingham Palace spielen zu lassen, wäre nicht annähernd so unpassend gewesen. Ein Glück, dass Johann Strauss das nicht erleben musste. Ein Pech, dass ich nicht so viel Glück hatte.
Was die Menschenaffen und Kubricks 2001 dabei zu suchen hatten? Sie haben Glück, wenn wenigstens der Regisseur noch weiß, ob er sich dabei überhaupt etwas gedacht hat.

Die zwei Sterne gibt es ausschließlich für Sänger und Orchester, denn die waren grandios.
Mein Tipp: Kaufen Sie sich die CD, schließen Sie die Augen, hören Sie wunderbare Musik und träumen Sie mit Phantasie Ihr eigenes Bühnenbild. Sie haben mehr davon!
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1 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Kraft- und Krampfanstrengung
  · 30.04.18
''Annette Dasch legt die Rosalinde als eine Berliner Madame und Salon-Fregatte an, die sehr witzig in den Dialogen rüberkommt. Dafür versteht man, wenn sie den Csardas singt, kaum ein einziges Wort. Ihr Anbeter Alfred (Enea Scala) klingt nach Knödeltenor, den man an der Gurgel packt. Freiwillig witzig? Sehr engagiert Thomas Blondelle als Eisenstein, tatsächlich witzig der Gefängnisdirektor des wunderbaren Markus Brück. Der Sprachcoach – zum Beispiel bei der puertoricanischen Adele namens Meechot Marrero (die gar nicht übel ist!) – hat vorzügliche Arbeit geleistet. Pointen kann man so aber nicht zünden. Der Abend ist gut genug gearbeitet, auf dass zu jeder Sekunde irgendeine Geste einstudiert wurde. Das zeigt den Grad der Kraft- und Krampfanstrengung.

Runnicles, noch einmal, dirigiert nicht eigentlich zu schwer. Nur will er in jedem Augenblick den symphonischen Wert von Johann Strauß hervorkehren. Das lässt kleine Bremsfüßchen und Bräsigkeit aufkommen. Der Dirigent bringt das Werk höchstens auf Betriebsfest-Temperatur. Nicht sein Stück.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
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1 von 4 Personen fanden die Kritik hilfreich
Odyssee mit Seitensprüngen
  · 29.04.18
Sie ist die ungekrönte Königin der Operetten, das 1874 in Wien uraufgeführte Johann-Strauß-Opus „Die Fledermaus“, ein besonders zu Silvester gern hervorgeholter Edelstein im Repertoire der führenden Opernhäuser der Welt, mit der unvergleichlich beschwingten, von Champagnerlaune erfüllten Musik des Walzerkönigs. An der Deutschen Oper Berlin hat jetzt Rolando Villazón das Los gezogen, diesem Traditionsjuwel eine neue Fassung zu geben. Der temperamentvolle Tenor, Regisseur und Moderator ist, so hofft man, für diese Rolle gewiß eine Besetzung, die einiges erwarten läßt. 

Es ist mit Johann Strauß’ „Fledermaus“ im Grunde das gleiche Problem wie mit den Operetten von Jacques Offenbach: wenn man die unvergleichliche, hinreissend gelungene Musik dieser Komponisten für das heutige Publikum retten will, muss man ein szenisches Konzept finden, das die überlieferte Handlung etwas entstaubt, ohne dem Geist der Vorlage mehr als unvermeidlich Gewalt anzutun. 

Rolando Villazón stürmt in dieser Richtung beherzt nach vorn, wie es seinem zupackenden Stil entspricht. Von Bühnenbildner Johannes Leiacker lässt er sich für den ersten Akt einen hübschen, halbrunden Salon mit schmucker Wandtapete bauen, den während der Schlußtakte der Ouvertüre der spätere Dr.Falke (Thomas Leman) betritt und, als Magier mit langen Nosferatu-Fingern den Kronleuchter und den Kamin entzündet, auf dessen Bildschirm dann später auch einmal die Fernseh-Wetterkarte als Bildstörung erscheint. Er deponiert  eine Einladungskarte für Rosalinde, die Gattin des Hausherrn Gabriel von Eisenstein, zum großen Ball bei Prinz Orlowsky.  Dr. Falke, der von seinem Freund Eisenstein (Thomas Blondelle) einstmals nach einem Ballbesuch im Kostüm einer Fledermaus schmählich in einem Park liegen gelassen worden war, sinnt auf Rache (weshalb das Stück ursprünglich „Die Rache der Fledermaus“ hiess) und gibt der Handlung damit den entscheidenen Startimpuls.

Vor der Szene liegt wie ein Teigfladen über zwei Stufen gebreitet eine Uhr in Salvador-Dali-Manier, an die verfliessende Zeit gemahnend. Links an der Rampe ist ein Obdachloser platziert, der mit gelegentlichen Liebesgaben oder vom Gefängnisdirektor im Hinausgehen auch mit einem Fußtritt bedacht wird. Kammerzofe Adele (Meechot Marrero) findet einen Einladungsbrief ihrer Schwester, ebenfalls für den Orlowsky-Ball. Eisenstein soll eine Arreststrafe antreten und verabschiedet sich deshalb  wortreich von seiner Ehefrau Rosalinde (Annette Dasch), die sich anschliessend mit ihrem wieder aufgetauchten Gesangslehrer Alfred (Enea Scala) tröstet, einem manisch trällernden Tenor. Gefängnisdirektor Frank (Markus Brück) will hält den Galan Alfred für den erwarteten Delinquenten Eisenstein und nimmt ihn ins Gefängnis mit. 

Den zweiten Akt verlegt Villazón in eine Zeitscheibe mit DDR-Touch. Den Bühnenbild-Rahmen für den großen Maskenball liefert eine etwas düstere Kaschemme, vermutlich die Vorläuferin der späteren Club-Kultur. Es wird mächtig viel Wodka getrunken, und alle Staatsbürger sind „Brüderlein und Schwesterlein“ füreinander. An der Wand ein Konterfei von Chrutschschtow, das sich dann zum Abbild Stalins wandelt. Die Uniformen eines Teils der Belegschaft sind solchen der Volksarmee nachempfunden, und Prinz Orlowsky (Angela Brower) trägt eindeutig die Uniform der sowjetischen Besatzungsmacht. Wie aus einer anderen Welt kommend schreitet Rosalinde als ungarische Gräfin die Treppe herab.  Ihr Gatte Eisenstein erkennt sie nicht, ist aber von ihr restlos hingerissen. Eisenstein tritt als Marquis Renard auf, und Gefängnisdirektor Frank mutiert zum Chevalier Chagrin, was Gelegenheit zu etwas albernem Französisch-Kauderwelsch bietet. Rosalinde zelebriert zum Beweis ihrer ungarischen Herkunft die Romanze „Klänge der Heimat“ und luchst ihrem faszinierten Gatten dessen Taschenuhr ab, die sie später als Druckmittel einsetzt. Kammerkätzchen Adele ist jetzt „Olga“ und liefert eigene Kommentare zum Ballgeschehen. Villazón blendet aus dem Trubel (mit Chor, Ballett und Statisterie) in die Pause ab, um die Handlung danach mit der selben Einstellung fortzuführen. 

Die wendige Drehbühne serviert anschließend die dritte Zeitscheibe: das Gefängnis ist in Wahrheit eine Orbitalstation, in der zunächst der Roboter Frosch ein paar philosophische Statements abliefert, ehe Direktor Frank heraufgebeamt wird. Nach und nach tauchen auch die übrigen Protagonisten auf, und der Advokat Dr. Blind (Jörg Schörner) denkt über die Verteidigung des Eisenstein nach. Stattdessen schlüpft der echte Eisenstein dann in die Rolle des Dr. Blind. Rosalinde erscheint, Erkennungs- und Verzeihungsszenen lösen sich ab, Adele stellt ihr Theatertalent unter Beweis. In der abschließenden Steigerung lösen sich sämtliche  Verstrickungen auf, und der alles verwirrende Champagner wird als der letztlich Schuldige entlarvt. Den pompösen Schlußeffekt setzt die Fanfare aus Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ und schafft so die Verknüpfung zu Kubricks Film „2001-Odyssee im Weltraum“, auf den zuvor bereits zwei Affen und ein Steinzeitmensch als Symbol der menschlichen Evolution hingewiesen hatten. 

Wie man sieht, fehlte es also nicht an belebenden Elementen für das szenische Geschehen. Dennoch hatte die Musik den Vorrang, und Donald Runnicles am Pult konnte seinem Orchester zwar nicht die himmlische Leichtigkeit der Wiener Philharmoniker entlocken, lieferte aber ein solides Abbild der Johann-Strauß-Partitur. Von den Leistungen der Solisten bleiben insbesondere die Rosalinde von Annette Dasch und die mit strahlenden Spitzentönen glänzende Adele von Meechot Marrero im Gedächtnis. Thomas Blondelle war situationsgerecht elegant und albern, und Markus Brück durfte auch die Wirkungen reichlichen Champagnergenusses glaubwürdig vorführen. Jeremy Bines hatte den Chor einmal mehr vorzüglich instruiert. Lediglich die eingeblendeten Übertitel schienen die deutschen Texte streckenweise nur bruchstückhaft zu vermitteln, weshalb man in der durchgehend abgebildeten englischen Version Zuflucht suchen mußte.

Am Schluß viel Beifall für das gesamte Ensemble. Lediglich das Regieteam mit Rolando Villazón an der Spitze kassierte deutliche Buhrufe, die allerdings den sonst oftmals wütenden Unterton vermissen ließen, zumal sie der Regisseur mit der ihm eigenen unverbrüchlichen Fröhlichkeit quittierte. 

http://roedigeronline.de
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