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Bewertung und Kritik zu

BORIS GODUNOW
von Modest P. Mussorgskij
Regie: Richard Jones
Premiere: 17. Juni 2017 
Deutsche Oper Berlin

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Inhalt: Politische Prozesse mit ihrer ganz eigenen Dynamik stehen im Zentrum von Modest Mussorgskijs einziger vollendeter Oper BORIS GODUNOW. Zwar schuf er mit der Partie des Zaren Boris eine der eindrücklichsten Opernfiguren überhaupt. Es ist das Portrait eines klugen Herrschers und gütigen Familienvaters, der es mit geschickter Heirat und guter Regierungsarbeit, aber auch der grausamen Bluttat eines Kindermordes auf den Zarenthron gebracht hat. Und zugleich wird das Scheitern dieses Herrschers gezeigt, der, von äußeren Feinden bedrängt, letztlich an seiner inneren Gewissensnot zerbricht.

Musikalische Leitung: Kirill Karabits
Inszenierung: Richard Jones

Bühne: Miriam Buether
Kostüme: Nicky Gillibrand
Chöre: Raymond Hughes
Dramaturgie: Sebastian Hanusa

 
Meinung der Presse zu „Boris Godunow“ - Deutsche Oper Berlin


Die Welt

★★★☆☆

Süddeutsche Zeitung
★★★★☆
 


Berliner Zeitung
★★★☆☆

tip
★☆☆☆☆


WIR EMPFEHLEN

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Leichte Gangart
  · 22.06.17
''Das Ganze wirkt wie ein Ausstattungsmöbel, das man geschenkt bekommen hat und von dem man recht nicht weiß wohin damit. Der Pferdefuß solcher Co-Produktionen zeigt sich, indem auf den Zarenbildern in Pimens Schreibstube der mittlere aussieht wie der Fernsehkomiker Olli Dittrich – und der linke wie der österreichische Kabarettist Josef Hader. Das kommt davon.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
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1 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Bewegender Bilderbogen
  · 22.06.17
Die letzte Premiere der Saison an der Deutschen Oper Berlin entstand in Kooperation mit dem Royal Opera House Covent Garden in London, wo die Aufführung im Vorjahr erstmals zu sehen war. Modest Moussorgskis dramatischer Bilderbogen aus Russlands mittelalterlicher Zeit geht auf ein Drama von Alexander Puschkin zurück und läßt sich auch von einem Geschichtswerk des Nikolai Karamsin inspirieren. Die szenische und musikalische Form hat seit der Moskauer Uraufführung 1869 verschiedene Bearbeitungen erfahren. Die Fassung der Berliner Premiere geht auf den „Ur-Boris“ von 1869 zurück. 

Moussorgskis Werk ragt wie ein erratischer Block aus der Opernliteratur hervor und ist  einzigartig sowohl in seiner Darstellungsweise als auch in seiner musikalischen Gestalt. Die Inszenierung von Richard Jones präsentiert nicht vier durch Pausen getrennte Akte, sondern eine Folge von sieben Bildern, die in 135 Minuten ohne Pause über die Bühne gehen. 

Nach dem Tode Iwans des Schrecklichen wird der Bojar Boris Godunow zum Zaren gewählt, nachdem er anfangs gezögert hatte, den Königsmantel zu akzeptieren. Das Volk jubelt ihm zu. Dann die Schlüsselszene für die folgende Handlung: Im Kloster schreibt der Mönch Pimen an einer Chronik der russischen Geschichte. In Gegenwart des jungen Novizen Grigorij Otrepjew beschuldigt Pimen den Boris Godunow des Mordes an Zarewitsch DImitrij, dem Sohn Iwans des Schrecklichen. Als Grigorij erfährt, dass der Zarewitsch ihm ähnlich gesehen und gleichaltrig gewesen sei, beschließt er, sich als dieser auszugeben und den Thron zu beanspruchen. Die nächste, eher burleske Szene spielt in einer Schenke nahe der polnisch-litauischen Grenze. Grigorij flieht vor einer Grenzpatrouille. Dann trauert Boris’ Tochter Xenia um ihren verstorbenen Verlobten. Der intrigante Fürst Schuiskij berichtet vom Auftreten eines jungen Mannes in Polen, der behauptet, Zarewitsch Dimitrij zu sein. Boris wird von seinen Schuldgefühlen verfolgt, die sich in der wiederholten Mordszene am Kind Dmitrij abbilden. Vor der Basilius-Kathedrale kommentiert das Volk den Kirchenbann gegen Otrepjew. Ein Gottesnarr tritt auf, und Kinder stehlen ihm seine einzige Kopeke. Darauf bittet er den anwesenden Boris, die kleinen Diebe ebenso zu töten, wie er den Zarewitsch getötet habe. Die Schlußszene spielt im Kreml: Boris, verfolgt von seinen Wahnvorstellungen, empfängt den Mönch Pimen, der ihm von einem Wunder am Grab von Zarewitsch Dmitrij berichtet. Boris bricht zusammen, nimmt Abschied von seinem Sohn Fjodor und stirbt. 

Die Inszenierung von Richard Jones versteht es meisterhaft, den archaisch-düsteren Charakter dieser Handlung durchzuhalten, die von der überaus eigenwilligen, gelegentlich schroffen, dann wieder elegisch dahinfliessenden Musik Moussorgskis wie in weiten Bögen getragen wird. Eine besonders markante Rolle spielt das Volk, das sich in seiner dumpfen Hörigkeit über eindrucksvolle Chöre (Einstudierung Raymond Hughes) artikuliert. Eine gute Unterstützung gibt das Bühnenbild von Miriam Buether, dessen Raumaufteilung nach Art russischer Ikonen zusammen mit der ausgewogenen Lichtregie den szenischen Rahmen liefert. 

Unter der Leitung von Kirill Karabits schafft das Orchester der Deutschen Oper mit einfühlsamer Intensität das musikalische Fundament dieser Aufführung. Abgesehen von einigen Momenten dramatischer Verdichtung herrscht vor allem der weite Atem ausgeprägt russischer Melodik vor, in dem bisweilen das Zeitgefühl zur Nebensache wird und ein lähmender Fatalismus vorherrscht, aus dem vor allem die Not und Rechtlosigkeit des Volkes hervorscheint. 

Der zweite Vorzug dieser Aufführung besteht in der sorgfältigen Auswahl der Solostimmen. Hier sind in erster Linie der machtvolle Bass von Ain Anger in der Titelrolle und die suggestive Charakterfigur des Mönchs Pimen von Ante Jerkunica zu nennen. Ihnen gleichrangig der Grigorij Otrepjew von Robert Watson und, besonders einprägsam, der Gottesnarr von Matthew Newlin. Dem Fürsten Schuiskij von Burkhard Ulrich hätte man vielleicht noch etwas mehr intrigante Farbe gewünscht. Die Frauenrollen kommen in diesem historischen Bilderbogen etwas kärglich weg, aber die Xenia von Alexandra Hutton und die üppige Ronnita Miller als ihre Amme bleiben ebenso im Gedächtnis wie die Schenkwirtin Annika Schlicht mit ihren nützlichen Informationen für Grigorij. Der Boris-Sohn Fjodor des jungen Philipp Ammer demonstriert brav seine Schulkenntnisse und behauptet sich gegen die Klangkraft des Orchesters. 

Nach der Schlußszene mit dem Tod des Boris belohnt das Publikum die geschlossene Gesamtleistung mit ausdauerndem Applaus für alle Beteiligten. Vom Regieteam war allerdings nichts zu sehen, was bei dem reichen Beifall ohne den geringsten Mißfallenston eigentlich ein bißchen schade war. 

http://roedigeronline.de
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