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Bewertung und Kritik zu

TOD IN VENEDIG (DEATH IN VENICE) 
von Benjamin Britten
Regie: Graham Vick
Premiere: 13. März 2011 
Deutsche Oper Berlin

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Zum Inhalt: Die letzte Oper von Benjamin Britten ist seine persönlichste. Nicht nur die autobiografischen Linien, die in Thomas Manns Figur des alternden Schriftstellers Gustav von Aschenbach hineinweisen, machen das Werk so außergewöhnlich, sondern auch die Umstände der Entstehung sind untrennbar mit der Thematik verwoben. Komponierend suchte Britten dem Tod zu entrinnen, den er unausweichlich auf sich zukommen sah: mit dem Vorwand, das Werk erst zu Ende bringen zu müssen, schob er eine dringend notwendige Herzoperation immer weiter hinaus.

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung: Graham Vick

Bühne, Kostüme: Stuart Nunn
Licht: Wolfgang Göbbel
Choreografie: Ron Howell
Chöre: Raymond Hughes
Dramaturgie: Curt A. Roesler

TRAILER

 
Meinung der Presse zu „Tod in Venedig“ - Deutsche Oper Berlin


Die Welt

★★★☆☆

Berliner Zeitung
★★★★☆
 


Zitty
★★★★☆

tip
★★★☆☆


WIR EMPFEHLEN

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Dichterliebe
  · 30.03.17
Nein, hier soll nicht von Robert Schumanns gleichnamigem Liederzyklus auf Texte von Heinrich Heine die Rede sein, sondern von Benjamin Brittens Adaption der im Jahre 1911 erschienenen Meisternovelle „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann, komponiert als letztes von Brittens Bühnenwerken im Jahre 1973. Thomas Manns Skizze vom Ableben des Dichters Gustav von Aschenbach in Venedig verknüpft mit seltener Perfektion die Schilderung des Innenlebens eines einsam gewordenen Erfolgsschriftstellers mit einem Choleraausbruch in der Lagunenstadt und dem Aufkeimen einer jähen Liebe zu dem halbwüchsigen polnischen Jungen Tadzio, der mit seiner Familie zur Sommerfrische in Venedig weilt. Welch hohes Maß autobiographischer Elemente in diese Novelle eingegangen ist, wurde der literarischen Welt wohl erst später bewusst, als Thomas Manns Tagebücher schrittweise veröffentlicht wurden. 

Benjamin Brittens Opernfassung dieses Handlungskerns wurde 1973 uraufgeführt und war in Berlin erstmals 1974 an der Deutschen Oper zu sehen. Die Neuinszenierung von Graham Vick steht nun unter der musikalischen Leitung von Donald Runnicles, der sich mit besonderem Nachdruck den Werken von Benjamin Britten im Spielplan der Deutschen Oper widmet. 

Das Stück beginnt mit einem Schluss, der Totenfeier für den verstorbenen Dichter Gustav von Aschenbach. Im Bühnenbild von Stuart Nunn sitzt eine Gruppe schwarzgekleideter Leidtragender vor einem überdimensionalen Bilderrahmen mit dem Konterfei des Dahingeschiedenen, der dann durch eine Seitentür hereintritt, durch die er die Bühne am Ende der Vorstellung wieder verlassen wird. Dann wird Schritt für Schritt die ganze Geschichte dieser venezianischen Verstrickung aufgeblättert. Der erste Akt ist der Ankunft Aschenbachs zum Aufenthalt in Venedig gewidmet, dessen unheilvolle Ambivalenz sich in mannigfachen Vorzeichen ankündigt. Tenor Paul Nilon gibt der Figur dieses Dichters mit klarer, aber nachdenklich-sanfter Stimme das entscheidende Profil. Die differenziert fliessende Schilderung aus der Novelle wird für die Opernhandlung zu mehreren Konzentrationspunkten verdichtet. Aschenbach erlebt mit wohligem Schauder, wie ihn beim Anblick einer sporttreibenden Knabengruppe am Strand spontan die Zuneigung zu einem dieser Jungen überfällt. Die zauberische Wirkung von Schönheit und Anmut, der sich auch sein disziplinierter Verstand nicht entziehen kann, bestimmt den Fortgang der Handlung. Auch der Rückgriff auf Bilder aus der griechischen Götterwelt und die Auseinandersetzung mit dem Geist des Gottes Apollon (Countertenor Tai Oney) schafft bestenfalls zusätzliches Verständnis, kann aber das Verhängnis nicht aufhalten, das als Doppelnatur über Aschenbach hereinbricht: die überfallartig einsetzende Liebe zu dem Jungen Tadzio (Rauand Taleb) und das eher schleichende Unheil einer heraufziehenden Choleraepidemie, die aus Sorge um das Tourismusgeschäft von den Behörden totgeschwiegen wird. Im zweiten Akt konkretisiert sich diese unheilschwangere Atmosphäre, und der geliebte Tadzio kommt bei einer Balgerei mit seinen Altersgenossen ums Leben. Aschenbach kann ihn nicht retten und tritt selbst durch die erwähnte Seitentür aus dem Leben. 

Benjamin Britten illustriert und begleitet diese Handlung mit einer ungemein fein gesetzten und disponierten musikalischen Gestalt, die von einem kleinen Orchester mit weitgefächertem Schlagwerk, Klavier als quasi-Rezitativcontinuo und ausgesprochen erlesenen Flöten- und Bläsersoli bestimmt wird. Nur gelegentlich weitet sich das Klangbild zu intensiver Breitenwirkung, etwa in dem reizvollen Vorspiel zum zweiten Akt und der eindrucksvollen „Kyrie“-Steigerung im weiteren Verlauf, in der auch der im übrigen überaus sorgfältig einstudierte und disponierte Chor hinter der Szene(Einstudierung Raymond Hughes) sich mit dem Chor der Solisten (Einstudierung Ido Arad und Christopher White) verbindet. 

Die zweite Hauptfigur der Opernhandlung ist dem fabelhaft wendigen Seth Carico übertragen, der hier alle Register seiner Sanges- und Verwandlungskunst ziehen darf. Stimmlich reicht das von dunkler Tiefe bis zum Falsett, und die von ihm verkörperten Figuren entstammen sämtlich dem symbolreichen Repertoire von Thomas Manns Novelle. Ein Reisender und ein Ältlicher Geck auf der Überfahrt zum Lido, ein Gondoliere und ein Hotelmanager, der Coiffeur des Hotels, ein Straßensänger und schließlich die Stimme des Gottes Dionysos sind ihm übertragen, und er stilisiert sich zu einem mephistophelischen Begleit-Kommentator des schwankenden, tief verunsicherten Dichters Aschenbach. 

Neben diesen beiden Hauptfiguren agiert eine lange Reihe stilsicher ausgewählter Solisten, die für das Kolorit der venezianischen Szene sorgen. Das reicht von der Erdbeerverkäufern (Alexandra Hutton) über vielfältige Hotelgäste bis zu jenem jungen Mann, der Aschenbach erstmals reinen Wein über die nahende Epidemie einschenkt. 

Dirigent Donald Runnicles führt sein Instrumentalensemble zu Höhepunkten feinfühliger Klangabstimmung. Alles Gehörte bleibt durchsichtig wie ein Schleier, kann sich aber auch zu markanten Akzenten verstärken. Das Premierenpublikum honoriert die geschlossene Leistung von Solisten, Chor und Orchester mit anhaltendem Applaus, der auch das Regieteam einschliesst und ein paar versprengte Buhrufe eher als Untermalung erscheinen läßt. 

http://roedigeronline.de
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1 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Du Opfer - oder Tod in Charlottenburg
  · 20.03.17
''Star des Abends ist unbestreitbar Seth Carico, der schneidig, souverän und sexy als Todesbote in den vielen Rollen vom Fremden zu Anfang bis zum Gott Dionysos am Ende den unglücklichen Deutschen Aschenbach durch das Labyrinth seiner Abwege zum Abgrund führt (grandios die Pantomime des Frisierens!). Caricos prächtige Bariton-Stimme bestrickt in jeder Lage: eine mehr als überzeugende, eine hervorragende Gestaltung, die man nicht vergisst! (Nicht vergessen sei auch Samuel Dale Johnson, der unter den zahlreichen Episodenrollen stimmlich hervorstach und stellvertretend erwähnt sei). Überhaupt gewinnt der zweite Teil erheblich an Dichte, sicher auch Dank der Steigerung im Musikgeflecht. Brittens Partitur offenbart selbstverständlich ganz großartige Musik. Großartig sind die Schlagzeugpassagen eingeschichtet, die an Gamelan erinnern, am Ende flirrt der Ton bis in die höchste Lage (Bravo, Tomasz Tomaszewski!). Immer klingt das Orchester transparent und leuchtend, die Tempi sind von GMD Donald Runnicles sinnvoll gesetzt, die komplexen Strukturen wurden überwältigend lebendig. Der Regie (Graham Vick) ist einerseits nicht genug zu danken, dass sie in der Spielweise auf den modischen Naturalismus verzichtete und perfekt eine fast surreale Bilderwelt schuf, leider nur konzeptionell unzulänglich und bisweilen im bloß Illustrativen befangen.'' schreibt Uwe Schwentzig am 20. März 2017 auf KULTURA-EXTRA
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0 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Mit freiem Oberkörper
  · 20.03.17
''Runnicles dirigiert farbig und mit Schmackes, so dass die Kammerbesetzung des Werkes kaum noch auffällt. Er wagnerisiert mal wieder, aber das nützt den köstlichen Harfen- und Glockenspiel-Lyrismen sowie den auratischen Bläserflauten des Werkes durchaus. Es ist der bislang beste Britten-Abend in dieser Serie.'' schreibt Kai Luehrs Kaiser auf kulturradio.de
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