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Bewertung und Kritik zu

ROMÉO UND JULIETTE
von Hector Berlioz
Regie: Sasha Waltz
Premiere: 18. April 2015 
Deutsche Oper Berlin

Berlioz‘ dramatische Sinfonie „Roméo et Juliette“, am 24. November 1839 am Pariser Konservatorium uraufgeführt, gehört zu den wichtigsten und grenzüberschreitenden sinfonischen Werken des 19. Jahrhunderts. Entstanden wenige Jahre nach Beethovens 9. Sinfonie in d-Moll op. 125, wurde es wegweisend für Komponisten wie Gustav Mahler, dessen große Vokalsinfonien ohne die Berlioz’sche Erweiterung der musikalischen Formensprache nicht denkbar wären, aber auch für Richard Wagner, der die dritte der drei Vorstellungen aus der Uraufführungsserie der „Symphonie dramatique“ in Paris miterlebte. Er, der sonst um Worte nicht verlegen war, war erst einmal sprachlos: „Ich war ganz nur Ohr für Dinge, von denen ich bisher keinen Begriff hatte und welche ich mir nun zu erklären suchen musste.“ Besonders beeindruckt hatten ihn die „phantastische Kühnheit und scharfe Präcision“, aber auch „die gewagtesten Combinationen“ des Werkes, das zwischen großer Sinfonie, Kantate, Ballettmusik und Oper changiert. Mehr als 20 Jahre später schickte er Berlioz den Erstdruck seiner Partitur von TRISTAN UND ISOLDE mit der Widmung: „Au cher et grand auteur de Roméo et Juliette“.

Musikalische Leitung: Stéphane Denève 
Inszenierung und Choreografie: Sasha Waltz
Bühne: Pia Maier Schriever, Thomas Schenk, Sasha Waltz
Kostüme: Bernd Skodzig
Lichtdesign: David Finn
Chöre: Raymond Hughes

Spieldauer: 1 Stunde 45 Minuten / Keine Pause


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4.5/5 Insgesamt 2 Bewertungen (1 mit Rezension)
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Wohllaut und Empfindung
  · 19.04.15
Der literarische Vorwand hat eine lange Geschichte. William Shakespeare schrieb "Romeo und Julia"  im Jahre 1597. Hector Berlioz liess sich von einer Aufführung dieses Stückes zu seiner "Symphonie dramatique" anregen, die 1839 in Paris uraufgeführt wurde. Sasha Waltz wiederum reicherte das konzertante Werk mit einer choreographischen Bühnenhandlung an, die ihrerseits 2007 an der Pariser Opéra Bastille aus der Taufe gehoben wurde. Dort nahm man die Inszenierung 2012 wieder ins Programm, und im Dezember des selben Jahres war sie dann im Teatro alla Scala in Mailand zu sehen. Am 18. April 2015 war dann endlich der Augenblick für die Deutschlandpremiere dieser Bühnenfassung an der Deutschen Oper Berlin gekommen. 

Zahlreich sind die Adaptionen von Shakespeares Tragödie in der Musikliteratur. Erinnert sei nur an Tschaikowskys Fantasieouvertüre und Sergej Prokofiews Ballett. Die "Symphonie dramatique" von Hector Berlioz nimmt im Reigen dieser Adaptionen eine Sonderstellung ein, sowohl hinsichtlich ihrer musikalischen wie ihrer dramaturgischen Gestalt. Sein Opus 17 gilt vielfach neben der "Symphonie fantastique" op. 14 von 1830 als besonders typisch für Berlioz' unverwechselbare Tonsprache, die sich gleichermassen durch orchestrale Klangfülle wie durch raffinierte Rhythmik und feinste Empfindung auszeichnet. 

Die Geschichte von den beiden Liebenden aus verfeindeten gesellschaftlichen Gruppierungen, den Montagues und Capulets, hat seit Shakespeare die Menschen bewegt und ergriffen. Das  Aufblühen einer leidenschaftlichen Beziehung zwischen zwei jungen Menschen aus adeligen Familien, die einander Todfeinde sind, wird vom tragischen Ausgang dieser Beziehung überlagert, in der ein fataler Irrtum dazu führt, dass Romeo und Julia erst im Tode dauerhaft vereint sind. 

Hector Berlioz hat diesem Plot mit dem Text von Emile Deschamps eine ganz eigene Akzentuierung und Deutung gegeben. Bei ihm stehen die Empfindungen der jungen Liebenden im Vordergrund, die er musikalisch in ebenso sensibler wie leidenschaftlicher Form ausdeutet. Dieser Handlungskern wird von Gruppenszenen eingerahmt, in denen neben kämpferischen Auseinandersetzungen der verfeindeten Familien auch ein Ball, eine Traumsequenz mit dem Auftritt der Fee Mab und im Finale eine Apotheose am Grabe der Dahingeschiedenen zu dramaturgischen Kristallisationspunkten werden.

Von Hause aus ist Berlioz' "dramatische Symphonie" ein Instrumentalwerk mit kommentierenden Chören und kurzen Solopartien für Mezzosopran, Tenor und Bass. Die Choreographin Sasha Waltz ergänzt diesen Handlungsrahmen nun mit einer Abfolge von virtuos umgesetzten Tanzszenen, die von Joel Suárez Gómez (Roméo) und Yael Schnell (Juliette) mit Unterstützung der Compagnie Sasha Waltz & Guests interpretiert werden. Dabei wird der musikalischen Gestalt nicht etwa eine vordergründige Handlung aufgepfropft, sondern der Spannungsgehalt der Musik wird in figuralen Konstellationen und Gruppierungen aufgenommen und optisch fortgeführt. Das Bühnenbild ordnet sich dieser Intention konsequent unter. Es besteht eigentlich nur aus einer zweischichtigen Tanzfläche, deren Oberteil im Laufe der Handlung angehoben wird, wodurch sich dann das Bild eines aufgeklappten Buches darbietet. 

Die zentrale sinfonische Gestalt des Werkes ist bei Donald Runnicles und seinem feinfühlig agierenden Orchester in besten Händen. Sowohl die flirrende Faszination der Musik wie die insgesamt raffinierte Instrumentierung samt ihren gegen den Takt gesetzten Akzenten kommen präzise zum Ausdruck. Die von William Spaulding zuverlässig einstudierten Chöre liefern die kommentierenden Erläuterungen auf und hinter der Szene. Ronnita Millers Mezzosopran wird von Runnicles ebenso souverän angeleitet wie die kurze, rhythmisch etwas heikle Intervention von Tenor Thomas Blondelle. Der ausdrucksvollen Stimme des  Bassisten Nicolas Courjai fällt die Aufgabe zu, der Tragödie ein versöhnliches Finale mitzugeben. Am Grabe der heimlich Vermählten ruft sein Pater Lorenzo dazu auf, die tödliche Feindschaft zu begraben und in eine Zukunft gemeinsamer Lebensgestaltung hineinzugehen. 

Das begeisterte Publikum feiert die ungewöhnliche Adaption mit ausgiebigem Applaus. 

http://roedigeronline.de
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3.2
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5 19
4 70
3 54
2 38
1 12
Kritiken: 50
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