Der Schatzgräber

Bewertung und Kritik zu

DER SCHATZGRÄBER 
von Franz Schreker
Regie: Christof Loy 
Premiere: 1. Mai 2022 
Deutsche Oper Berlin 

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Zum Inhalt: Bereits zwei Mal hat Regisseur Christof Loy wenig bekannten Opern des beginnenden 20. Jahrhunderts an der Deutschen Oper Berlin zu einem erfolgreichen Comeback verholfen: Nach Erich Wolfgang Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE und Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI folgt nun ein weiterer, lange vergessener Opernschatz: Franz Schrekers DER SCHATZGRÄBER, eine der wichtigsten Opern der 20er Jahre. Schon die Uraufführung 1920 in Frankfurt geriet zum Sensationserfolg, und es folgten allein in den nächsten fünf Jahren nicht weniger als 44 Inszenierungen an verschiedenen Häusern. Doch dann wurde es still um das beliebte Werk. Schrekers Opern schienen nicht mehr dem Zeitgeist zu entsprechen, mit dem Aufführungsverbot der Nationalsozialisten verschwanden die Partituren endgültig in den Schubladen. Und auch nach 1945 dauerte es lange, bis eine Schreker-Renaissance einsetzte. DER SCHATZGRÄBER jedoch hat es bis heute schwer.

Wie fast alle Libretti Schrekers stellt auch die Geschichte um Els und Elis die Frage nach dem Verhältnis von Fantasie und Realität, von Kunst und Leben: Seelenverwandt als einsame „Kinder von Traumkönigs Gnaden“ jagen Els und Elis unterschiedlichen Schätzen nach. Elis, der fahrende Sänger, spürt mit seiner Kunst in Gestalt einer magischen Laute Gold und Edelsteine auf, um die Menschheit zu beschenken. Die Kneipentochter Els hingegen, mutterlos aufgewachsen in einer brutalen Männerwelt, wird für ihr Ziel zur Lügnerin, Diebin und Mörderin: Sie schickt ihre Freier aus, um den Schmuck der Königin zu stehlen. Die ungeliebten Männer lässt sie sodann nach erfolgreicher Übergabe des Diebesguts skrupellos ermorden. Doch selbst der Besitz allen Goldgeschmeides stillt beider Verlangen nicht. Und so geht es auch in dieser Schreker-Oper einmal mehr um das Sehnen selbst, das der Komponist als den eigentlichen „Schatz“ bezeichnet: „einen Traum von Glück und Erlösung“. Elis und Els verlieren sich in diesen Träumen, Erinnerungen und Ahnungen, in Liedern, in Musik. Ihre Geschichten geraten zum Traumspiel in einer Welt voller Gier, Mord und emotionaler Haltlosigkeit. Für Franz Schreker konnte nur die Kunst selbst die Erlösung bieten. In den Kriegswirren ab 1914 komponiert, ist die Partitur des SCHATZGRÄBER so auch Schrekers persönliches künstlerisches Credo in prächtigen spätromantischen Farben.

Musikalische Leitung: Marc Albrecht
Inszenierung: Christof Loy
Bühne: Johannes Leiacker
Kostüme: Barbara Drosihn
Licht: Olaf Winter
Chöre: Jeremy Bines
Chor der Deutschen Oper Berlin
Dramaturgie: Dorothea Hartmann


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Der Auftragskiller der Schankwirtin
  · 07.05.22
''Der für so komplizierte Frauenpsychen hochprädestinierte Christof Loy hat aus dem über dreistündigen Schinken das gemacht, was szenisch für ihn ging. Sehr sehenswert - als hormoneller Auflöser des trägen Abends - die vom Dutzend schauspielernder Kleindarsteller stilisierte Sex-Orgie. Daniel Johansson (als Schatzgräber Elis) und Elisabet Strid (als Schankwirtin Els) brillierten stimmlich und hielten den Höhen-Steigerungen, die von Mal zu Mal extremer wurden, mit bewunderswertem Durchhaltevermögen tapfer stand. Thomas Johannes Mayer (als der Vogt) und Patrick Cook (als Mörder Albi) imponierten ebenso. Auch Michael Laurenz (als Narr) muss nachgerade lobende Erwähnung finden. Und schön, dass ich die DOB-Tenorlegende Clemens Bieber endlich einmal wiedersehen/ -hören durfte.

Dirigent Marc Albrecht war eindeutig anzumerken, dass er die Musik des Schatzgräbers besonders liebt; ja und ich sagte es bereits, dass das Orchester schön und saftig klang. Gut war halt, dass die Leute, die den Schreker-Schatzgräber bisher nicht kannten (so wie ich), jetzt diese Exklusivgelegenheit freiwillig nutzen konnten. Doch was mich in dem Zusammenhang betrifft: Nie wieder.'' schreibt Andre Sokolowski am 7. Mai 2022 auf KULTURA-EXTRA
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